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„Das wofür Dendemann früher gefeiert wurde, ist heute deine größte Barriere.“ – Doz9 im Interview – Tour Ankündigung

Seit ihrem Erstling bin ich Fan von T9. Das habe ich der rappenden Hälfte Doz9 zwar am Telefon nicht direkt gesagt – froh, dass er Zeit für ein Interview hatte, war ich aber allemal! Mit Maestro Antipop hat sich das Duo nicht nur von ihrer Nokia 3510i Cover-Ästhetik verabschiedet, sondern auch Sachen Songanzahl und Sound-Variation nachgelegt.

Foto – Jerome Reichmann

Im Oktober (Magdeburg schon im September) gehen die beiden wieder auf Tour – wohin es geht, lest ihr weiter unten, aber erstmal zum Interview:

Das letzte Mal, als ich euch hier in Hamburg live gesehen habe, meintest du bei “Tiff”, dass du kein Bock hast, dass das euer “Highway to Hell” wird. Hat sich seitdem was an dem Status des Songs geändert?

Naja, wenn du zu AC/DC zum Konzert gehst und die spielen Highway to Hell nicht, dann sind die Fans enttäuscht – auch wenn AC/DC vielleicht nicht mehr so Bock auf den Song haben. Ich glaube damit muss man sich einfach abfinden. Die Leute zahlen ja Geld dafür und dann sollen sie den Song auch kriegen. Andererseits muss ich auch sagen, dass ich es ein wenig erschütternd finde, dass genau dieser Song, der aus meiner Sicht für uns eigentlich am untypischsten ist, so populär geworden ist. 

Ich kann es aber auch irgendwo verstehen – der geht live gut ab, man kann dazu tanzen und er ist nicht ganz so verkopft. Manchmal ist es aber eben auch anstrengend einfach nur auf den einen Track reduziert zu werden. Wenn Leute dann so zu einem ankommen und fragen: “Bist du nicht der Tiff-Typ”.

Für mich ist Lorbeerblatt eure Hymne. Das Ding ist ein Brett – kannst du mir was zur Entstehung sagen?

Den Spiele ich zum Beispiel immer noch sehr gerne. Der ist von der ersten T9 Platte. Das letzte Schaufel und Spaten Album und die erste T9 Platte sind damals ungefähr im gleichen Quartal entstanden. Gerade auf unserem ersten Album merkt man noch, dass das recht viel Schaufel und Spaten drin steckt. Das Album ist definitiv noch Battle-lastiger, als alles was danach so kam.

Wären Torky und ich damals zu ‘ner anderen Zeit in den Wald gefahren (um das Album zu produzieren), wäre Lorbeerblatt vielleicht sogar eher auf der Schaufel und Spaten Platte gelandet.

Wo du Schaufel und Spaten schon ansprichst – ist ja jetzt länger still gewesen, was geht da?

Das werde ich halt echt oft gefragt. Jay Spaten hält sich größtenteils aus Social Media raus, also bin ich immer derjenige, der sich dazu äußert. 

Also was soll ich sagen? Wir machen halt nichts. Wir sehen uns auch nicht mehr so oft. Jay hat irgendwann einfach die Entscheidung getroffen, dass er lieber produziert als rappt. Ich hatte, was Rap angeht, immer mehr Hunger. Vermutlich auch, weil ich kein so guter Produzent bin. Und dann hat sich das einfach so ergeben.

Manche vermuten ja, dass T9 so ne art Ersatz-Projekt ist, das stimmt allerdings nicht, weil die Alben ja parallel entstanden sind. Bei T9 hab ich nur eher das Gefühl mich jetzt auch noch musikalisch weiterzuentwickeln.

Aber das heißt ja nicht, dass wir nie wieder was von Schaufel und Spaten hören werden.

Ich hab schon mal in einem anderen Interview gesagt, dass das ja auch irgendwie cool ist. Es gibt dann kein wackes Schaufel und Spaten Album. Außer das allererste auf CD (lacht). Wie schlimm wäre es denn, wenn wir nach vier, fünf Jahren so ein richtiges Kackalbum machen würden? Das würde kein Bisschen den Erwartungen gerecht werden, die die Fans  haben.

Also es ist schon gut so. Ich will jetzt aber auch nicht sagen, dass ich es komplett ausschließe jemals wieder was mit Spaten zu machen. Aber was das dann werden würde, muss man halt gucken.

Heute hast du ‘nen Post auf Instagram rausgehauen, der meiner Meinung nach nochmal ‘ne andere Facette von Dir zeigt. Ist das quasi das Realste, was du öffentlich von dir preisgibst?

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Alle Weichen meines Lebenslauf, habe ich immer ein Stück weit auch nach der Musik ausgelegt. Die Städte in denen ich wohnte, die Menschen die ich traf und meine Art und Weise zu denken und zu leben. Somit hab ich mit 27 Jahren beschlossen, mein Abi nachzuholen und zu studieren. Ich hatte kein Bock meine Zeit zu verschwenden mit Kack-Jobs die mich frustrierten. Ich wollte mehr Zeit haben. Finanziell war das ein riesiger Rückschritt. Aber das war alles egal. Wenn ich mich schon so sehr auf Musik konzentriere, brauchte ich auch einen validen Plan B. Auch wenn mein Abschlusszeugnis noch bis heute in der Uni liegt, war das einer der besten Entscheidungen meines Lebens. Allein diese Arbeit hier ist der Beweis, dass mein Plan aufgegangen ist. Ich kann meine Familie ernähren, ich kann die Musik machen, die sich für mich richtig anfühlt und niemand kann das kritisieren. Ich kenne soviel talentierte Leute, die nicht wissen, was sie mit sich anstellen sollen. Ich will nur eins sagen: Mit jeder Passion der man nachgeht, erlernt man zwangsläufig auch ein Handwerk. Erkennt dieses Handwerk und nutzt es! H5 an alle die das fühlen können🖖

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Ich hab’ ja Instagram-Posts zur Entstehung von Maestro Antipop geschrieben. Da war auch einer bei, wo ich meinte, dass es als Künstler darum geht ‘ne Entscheidung zu treffen: Machst du die Musik für die Kohle oder der Kunst wegen? Und das ist halt immer ein dogmatisches Thema. Es gibt so Leute, die schwören, dass sie es wegen der Kunst machen und nehmen dann doch bei erster Gelegenheit die Kohle. Mir ist halt, was Musik angeht, Integrität immer sehr wichtig und wie ich da heute auch geschrieben habe, habe ich aber immer ne Absicherung gebraucht.

Damit fahre ich auch sehr gut. Wenn ich ein Album mache, muss ich nicht über Verkaufszahlen nachdenken. Ich muss halt zusehen, wie ich die Tour voll kriege. Aber selbst wenn wir keine Tour spielen, kann ich auch weiter Musik machen. Und das ganz frei von externen Forderungen wie: “Das muss jetzt aber tanzbarer sein”, oder so. Davon kann ich mich vollkommen frei machen, was mir wiederum sehr wichtig ist. Wenn da irgendwie mal Geld kommen sollte, dann nehme ich das natürlich auch gerne an, aber halt unter meinen Bedingungen.

Der letzte Satz von der Juice-Review zu Maestro Antipop lautet in etwa: “Andy Kaufmanns »Anti-Humor« und der Antipop von T9 sind Brüder im Geiste.” Was meinste du dazu?

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich über die Review echt aufgeregt habe. Aber nicht aus Eitelkeit – was ich aus der Review rauslese ist, dass er sich nicht richtig mit dem Album beschäftigt hat. Ich erinnere noch, dass er geschrieben hat, dass man vielleicht eher Referenzen hätte wählen sollen, die für die Jugend greifbarer sind oder so ein Quatsch. Alles soll strukturlos sein, wo ich mir so denke, dass er sich das Album nicht richtig angehört hat. Bei der einen Hälfte trifft es vielleicht sogar zu, bei der anderen aber nicht.

Ich will jetzt auch nicht groß rumheulen. No offense, ist halt ne Kack-Review, die nicht widerspiegelt was das Album darstellt. Vielleicht begreifen die in fünf Jahren, was das für ein Album ist, aber jetzt haben sie’s einfach noch nicht verstanden. Ich hab das Gefühl, dass die Leute durch die ganze zeitgenössische Musik, die so reduziert ist, weichgespült sind. Du darfst von denen nicht mehr verlangen. Es ist ein Problem, wenn man mal was anderes rappt, als nur Markennamen und andere Statusobjekte. Damit sind die dann total überfordert.

Das wofür Dendemann früher gefeiert wurde, ist heute deine größte Barriere. Dann kommen so Meinungen zustande wie: “Oh ne, ich kann das gar nicht direkt erfassen, der wiederholt das ja nicht 20 mal. Das ist mir zu anstrengend, da habe ich keinen Zugang zu.”

Ihr habt ne große Tour am Start. Worauf hast du am meisten Bock?

Na live spielen (lacht). Ne, ich hab’ mega Bock die Platte live zu spielen. Und da ist echt egal in welcher Stadt. Bei den kleinen Release-Parties, haben wir auf jeden Fall gemerkt, dass das Album live richtig gut funktioniert. Ich will auf jeden Fall auch ein paar unkonventionelle Sachen machen. Da muss also niemand in die Hocke gehen oder im Kreis springen oder so ein Scheiß – wir haben da schon ein paar coole Pläne!

Womit wir doch auch schon wieder beim Thema wären: Die Tour!

T9 aka Torky & Doz9 kommen für 10 Shows auf Tour

28.09.2019 – Magdeburg – Insel Der Jugend
04.10.2019 – Leipzig – Distillery
05.10.2019 – Hamburg – HÄKKEN
11.10.2019 – Köln – Roxy
12.10.2019 – Dresden – Groovestation
18.10.2019 – München – Kranhalle
19.10.2019 – Stuttgart – Freund & Kupferstecher
25.10.2019 – Hannover – Faust
26.10.2019 – Berlin – Humboldthain
30.10.2019 – Frankfurt – Nachtleben