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Antilopen Gang im Interview: „Am Ende des Tages gehen wir alle auf die Toilette“.

Bild: Helena Düll
Bild: Helena Düll

„Beate Zschäpe hört U2“: Damit gelang der Antilopen Gang der Durchbruch und auch bei ihrem nächtlichen Auftritt bei der diesjährigen Ausgabe des Taubertal Festivals, wurde dieser Song am meisten gefeiert. Ich habe mich mit Koljah, Danger Dan und Panik Panzer vor ihrem Konzert getroffen und mich mit ihnen über Fettes Brot, die Antilopen als Schlagerband und das rumknutschen mit Feine Sahne Fischfilet Sänger Monchi unterhalten.

Testspiel.de: Ich habe mal ein Interview von euch gelesen, in dem ihr Festivals als Ballungszentren von Idioten oder auch volksfestartigem Humbug beschrieben habt. Was macht ihr dann hier?

Koljah: Geldverdienen.

Panik Panzer: Wir sehen das glaube ich auch unterschiedlich. Ich vermute Danger Dann ist da etwas verbissener und findet das alles ganz furchtbar. Ich finde Festivals eigentlich in weiten Teilen auch ganz ok und bin da auch halbwegs gerne.

Danger Dan: Ich muss da noch was ergänzen. Ich finde Festivals sind tatsächlich eine Anhäufung von dummen, besoffenen Idioten, die nerven. Aber ich habe ja nie behauptet, dass ich nicht auch so bin. Also wenn ich dann mal auf einem Festival bin, dann lasse ich mich einfach auf die Stufe herab, aber ich freue mich auch, wenn wir wieder zu Hause sind und ich wieder ein ganz normales, spießbürgerliches Schlagersängerleben führen darf.

Testspiel.de: Nun habt ihr dieses Jahr schon auf einigen Festivals gespielt. Gibt“™s was Spannendes zu berichten?

Panik Panzer: Also der schlimmste Aufreger war glaube ich, dass wir bei Rock am Ring rausgeflogen sind. Allerdings war das eine Verwechslung. Eigentlich wollten die Feine Sahne Fischfilet rausschmeißen, die haben sich stark daneben benommen. Und wir hingen dann einfach da mit drin. Und ansonsten herausragend war für mich das Ruhrpott-Rodeo, weil da die besten Bands gespielt haben. Aber ich bin auch gespannt wie es heute wird. (Anmerkung der Redaktion: Trotz eines eher undankbaren Slots nachts um Zwei auf der Nebenbühne im Steinbruch, war der Auftritt der Antilopen auf dem Taubertal-Festival 2015 sehr erfolgreich und stark besucht).

Testspiel.de: Ihr supported Fettes Brot“¦

Danger Dan: Hast du ein Problem damit?

Testspiel.de: Nein auf keinen Fall! Ich wollte wissen, wie es dazu kam. Haben die euch in Hamburg im Hafenklang entdeckt?

Koljah: Warst du im Hafenklang, dass du das so weißt?

Testspiel.de: Wir haben eben unsere Quellen“¦

Panik Panzer: Also tatsächlich haben Fettes Brot uns im vergangenen Jahr bei unserem Tourstop im Hafenklang in Hamburg besucht. Sie hatten gehört, dass wir eine astreine Live-Band sind und konnten sich dann auch davon überzeugen, dass wir eine astreine Live-Band sind. Dann haben wir zusammen einen Schnaps getrunken oder vielleicht auch zehn und wir haben uns gut verstanden mit Doktor Renz, König Boris und Björn Beton. So kam das eine zum anderen. Jetzt haben sie uns eingeladen zur Hälfte ihrer Tour. Die andere macht Fatoni und wir freuen uns mal in die Welt von Fettes Brot einzutauchen, die ja eine andere Welt ist, als die Welt unserer Konzerte.
(Anmerkung der Redaktion: Wir haben sie dort auch zum Interview getroffen).

Testspiel.de: Die Welt eurer Konzerte ist ein gutes Stichwort. Ihr habt kürzlich vor einer Erstaufnahmeeinrichtung in Freital ein Konzert gespielt. Wie war das für euch?

Danger Dan: In Freital landen ja ganz viele Leute die geflüchtet sind erst einmal. Da standen unglaublich viele sogenannte „besorgte Bürger“. In Wirklichkeit sind das in erster Linie Hooligans, Nazis und besoffene Trottel und dazwischen mischen sich dann der ein oder andere Opa oder die ein oder andere Oma, in erster Linie auf jeden Fall strunz dumme Leute, die da stehen mit Fackeln und Mistgabeln. Das fanden wir so scheiße, dass wir gedacht haben „Hey, da fahren wir hin und feiern mit den Leuten mal eine Party und versuchen sie zumindest fünf Minuten zum tanzen und zum lachen zu bringen, dass sie sich nicht so scheiße willkommen fühlen müssen.“ Das war in erster Linie ein schönes Erlebnis, weil die Leute auch tatsächlich Spaß hatten. Auf der anderen Seite natürlich auch erschreckend, weil ich fast noch nie in meinem Leben so viele Arschgeigen auf einem Haufen gesehen habe, die da auf der anderen Seite der Barrikade standen.

Testspiel.de: Aber es gibt zum Glück ja nicht nur Arschgeigen auf dieser Welt. Galanter Themenwechsel. In eurem Song „Verliebt“ geht es um die Bindungsangst einer ganzen Generation, darum, dass viele Menschen immerzu auf bessere Optionen hoffen, aber auch um Egoismus. Weshalb war das für euch ein Thema?

Panik Panzer: Was wir in dem Song „Verliebt“ beschreiben kennt ja wahrscheinlich jeder, dass man eine Person irgendwo kennenlernt, vielleicht was zusammen trinkt oder isst, oder weder was trinkt und isst und sich einfach nur unterhält und man ist sich ganz sympathisch. Aber irgendwann ist dann dieser eine Moment da, wo diese Person etwas Falsches sagt. Wie eine Meinungsäußerung zu einem Thema mit der man nicht einverstanden ist oder etwas banaleres, wie „Ich mag Feine Sahne Fischfilet“, schlechter Musikgeschmack, ich steh auf Bauernrock. Das sind dann so Momente wo man sagt „Ne, jetzt hat die Person alles versaut, jetzt will ich nichts mehr mit der zu tun haben und da ist auch Liebe nicht mehr möglich.“ So sind wir eigentlich drauf gekommen, weil jeder von uns das tagtäglich erlebt, dachten wir das könnte ein Pop-Hit werden, was es dann ja auch wurde.

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Testspiel.de: Und wie knutscht Monchi? (Anmerkung der Redaktion: Der Sänger von Feine Sahne Fischfilet, der im Video zu Verliebt mit Danger Dan knutscht)

Danger Dan: Monchi ist ein sehr zärtlicher Küsser. Er ist ein sehr romantischer inniger Küsser. Allerdings war er an diesem Tag ein bisschen erkältet und hatte eine verstopfte Nase. Aber das war nicht so schlimm, weil ich auch erkältet war und tatsächlich waren wir beide auch einen Tag später wieder gesund. Also wir passen insofern auch ganz gut zusammen, dass unsere Viren sich gegenseitig ausgelöscht haben. Monchi war dann eine Woche später wieder krank und hatte Mandelentzündung. Ich hatte dann so eine faule Stelle am Bein, also das ist so zum Teil abgefault. Und dann haben wir uns einfach nochmal getroffen und haben nochmal geknutscht und zack seine Mandelentzündung war weg und mein Bein ist seitdem auch, wie man sieht, top in Ordnung.

Koljah: Ich hab auch schon mit Monchi geknutscht, nur halt nicht vor der Kamera und ich kann das nicht bestätigen. Er ist kein zärtlicher Küsser. Er küsst sehr grob und hat mir mit seiner Zunge einen Zahn ausgeschlagen und ich möchte das nicht wiederholen.

Testspiel.de: Das tut mir sehr leid für dich! Eine abschließende Frage habe ich noch. Dieses Interview war ja schon sehr ironisch. Und auch in euren Songs bedient ihr euch des Öfteren des Stilmittels der Ironie. Habt ihr das Gefühl, dass ihr oft missverstanden werdet?

Koljah: Seit wir Ironie und Wortspiele weglassen, nicht mehr so. Ähmmm.. Ach ich lass mal die Profis ans Werk“¦

Panik Panzer: Wir benutzen zwar viele Wortspiele und auch Ironie, fühlen uns aber nicht missverstanden, seitdem wir nicht mehr so viel Ironie und Wortspiele in unserer Musik verwenden. Seitdem sind wir generell, das wird den meisten Hörerinnen und Hörern aufgefallen sein, etwas plumper und banaler geworden. Aber unsere Zuhörergruppe hat sich auch verzwanzigfacht und dementsprechend gibt es da durchaus Leute, die sich einbilden uns zu verstehen, was wir wiederum nicht verstehen. Aber am Ende des Tages gehen wir alle auf die Toilette.

 

Danke für das Gespräch!

Helena
Im Jahr 1988 in Franken das Licht der Welt erblickt, lebt und arbeitet Helena in Berlin als Journalistin bei watson.de. Zuvor war sie Musikjournalistin beim Rolling Stone und hat an der Axel-Springer-Akademie gelernt. Vorher hat sie Literatur und Medien in Erlangen und Augsburg studiert. Musik ist ein integraler Bestandteil ihres Daseins und deshalb bloggt sie für testspiel.de aus der Hauptstadt.

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