Start Musik Small Club – The most essential Prince bootleg (Stream)

Small Club – The most essential Prince bootleg (Stream)

Prince ist tot und für Otto-Normalhörer wird Prince immer der Künstler bleiben, der in den 80ern Hits wie „Purple Rain“, „Little Red Corvette“ oder „1999“ veröffentlichte, der Mitte der 90er seinen Namen änderte und dann mehr oder weniger von der Bildfläche verschwand. Was leider die wenigsten wissen, ist, dass Prince in den letzten Jahren regelmäßig Alben veröffentlichte und auf Tour ging. Die auf Arte gezeigte Dokumentation „Nothing Compare To Prince“ gibt einen ganz guten und komprimierten Überblick über das Schaffen und Wirken von Prince auch über seine goldenen 80er hinaus. Noch weniger Menschen wissen, dass die 48 veröffentlichten Alben von Prince nur die Spitze des Eisberges seiner Produktion gewesen sind. Ein erst posthum veröffentlichtes Interview mit dem „Rolling Stone“ heizt erneut Spekulationen über einen gigantischen musikalischen Nachlass unveröffentlichter Musik im „Tresor“ an. Der Komponist Brent Fisher, der lange mit Prince zusammenarbeitete, schätzte in der BBC-Dokumentation „Hunting for Prince’s Vault“ (2015), dass sogar 70 Prozent der Prince-Kompositionen bisher unveröffentlicht blieben. Der Spiegel berichtet von 5000 fertig produzierten Songs.

Auch live hatte Prince mehrere Gesichter. Er war ein Ausnahme-Künstler auf der Bühne. Über all die Jahre hinweg verkaufte er spielend Venues jeder Größe aus, vom Club bis zur Arena. In London füllte er im Rahmen seiner „Earth Tour“ sogar 21x mal die O2 Arena. Die Nachfrage nach Prince Konzerten war immer groß, auch wenn es wie in Berlin vor ein paar Jahren mal schief ging. Aber wie schon erwähnt, hatte live Prince mehrere Gesichter. Es gab die „Greatest Hits“-Shows für die Masse und es gab die Club-Shows, die Aftershows für die Hardcore-Fans nach oder zwischen den regulären Gigs, bei denen er die Raritäten spielte, die unveröffentlichten Songs, die Cover. Die Aftershows zählen zu den besonderen Erlebnissen eines jeden Prince Fans. Die Shows wurden in der Regel meist nur und wenn überhaupt nur kurz vorher angekündigt und es war nie klar, ob Prince und die Band auch selber spielen würden. Ich schwärme heute noch von meiner einzigen Aftershow in London. Kein Prince Konzert glich dem anderen. Teilweise hatte Prince mit seinen verschiedenen Bands über 100 verschiedene Songs im Rahmen einer Tour gespielt.

Small Club

Auch 1988 hatte Prince bei der „Lovesexy“-Tour 81 verschiedene Songs im Gepäck. Vom 17.-19. August 1988 gastierten Prince und die Band an drei Abenden im Feijenoord Stadion in Rotterdam, Holland. Über 100.000 Karten wurden für die drei Shows verkauft. Im Anschluss an die zweite Show am 18. August spielten sie die legendärste aller Aftershows im 40 Kilometer entfernten Paard Van Troje Club in Den Haag. Bis heute zählt die Soundboard-Aufnahme von „Small Club – 2nd Show That Night“* (oder kurz nur „Small Club“) zu den wichtigsten Prince bootlegrecordings aller Zeiten. Nur 400 Club-Gäste wurden am 19. August gegen 1 Uhr morgens, nur wenigen Stunden nach der regulären 2,5 Stunden langen Stadionshow, Zeuge dieser fantastischen und fast zwei Stunden langen Aftershow, die in hervorragender Soundqualität bereits 1988 als Bootleg auf Vinyl und auf CD veröffentlicht wurde. Einige Jahre später tauchte „Small Club“ als Import für eine gewisse Zeit und für kleines Geld im Discounter um die Ecke auf.

Ich erinnere mich noch genau an den Schultag, als mir ein Klassenkamerad eine CD mit der Aufnahme und den Worten „Du hörst Prince? Dann hör‘ Dir das an.“ in die Hand drückte. Ohne diese Aftershow Aufnahme hätte ich mich vermutlich nie zu dem Prince Fan entwickelt der ich heute bin. Diese Show eröffnete mir eine völlig neue Perspektive auf die Musik von Prince und auf Musik generell.

Das intensive Konzert bietet meiner Meinung nach eines der besten Gitarrensolos in einem eh schon überragenden „Just My Imagination“, eine fantastische Version von „Forever in My Life“, Cover, viel Soul mit einer fantastischen Boni Boyer und bis dato unveröffentlichte Songs. Die Show mündet gegen 3 Uhr Morgens in einem fulminanten Finale, bei dem man sich fragen muss, wo Prince und die Band (Besetzung siehe unten) diese Energie noch her hatten. Jeder der zufällig dabei war, muss danach Prince Fan auf Lebenszeit geworden sein. Los geht’s aber zunächst mit einer über 10 Minuten langen und instrumentalen Jam-Session. Eine weitere Besonderheit dieser legendären Aftershow ist, dass der Song „People Without“, den Prince insgesamt nur 2x live gespielt hat, in Dunkelheit performt wird („we do this next one in the dark“). Apropos Licht aus: Ich habe „Small Club“ etliche Male in Dunkelheit und über Kopfhörer gehört. Absolut empfehlenswert, denn „Small Club“ ist mit seinen vielschichtigen Klangteppichen keine Aufnahme für nebenei. Es gibt viel zu entdecken.

Kurz: „Small Club – 2nd Show That Night“ sollte man im Leben gehört haben.

Stream: Prince – Small Club

Tracklist:
Disc 1
Instrumental Jam
D.M.S.R.
Just My Imagination (The Temptations Cover)
People Without
Housequake
Down Home Blues

Disc 2
Cold Sweat (James Brown Cover)
Forever in My Life
Still Would Stand All Time
I’ll Take You There I (The Staple Singers Cover)
Rave Unto the Joy Fantastic

Besetzung:
Bass: Levi Seacer Jr.
Drums, Percussion: Sheila E.
Guitar: Mico Weaver
Keyboards: Dr. Fink
Trumpet: Atlanta Bliss
Vocals: Boni Boyer, Cat
Vocals, Guitar: Prince

* Andere Namen für die Show: The Trojan Horse Aftershow, Nightclubbing