Start Kritiken Punkrock-Familientreffen 2016: „Angst macht keinen Lärm“ Festival

Punkrock-Familientreffen 2016: „Angst macht keinen Lärm“ Festival

Angst macht keinen Lärm Open-Air
Angst macht keinen Lärm Open-Air

Turbostaat luden ein zum Punkrockfestival „Angst macht keinen Lärm“ und viele folgten dem Ruf. Am 20. August trafen sich im Waschhaus in Potsdam Bands wie Pascow, Love A oder Die Nerven.

Viele Fans haben sich auf den langen Weg aus ganz Deutschland an diesem Samstag nach Potdsam begeben, um das alljährliche Deutschpunk-Familienfest zu feiern. Man kennt nicht nur die Bands, sondern man kennt sich auch untereinander. Das ist schön und gibt sofort ein Gefühl von Heimat.

Deutschpunk ist zwar immer noch linksalternativ motiviert, daran hat sich nichts geändert. Ein ProAsyl-Stand, „Kein Bock auf Nazis“-Merch und Transparente zeigen dies auch an diesem Tag im Waschhaus. Aber das Schmuddel-Image des ständig pöbelnden, dauerbetrunkenen Punks, das haben die Bands, die beim „Angst macht keinen Lärm“ Open-Air auftreten, längst überwunden. Der Sound ist gemeinverträglicher geworden und nicht mehr jeder Text ist ausschließlich politisch motiviert.

Während Pascow bewusst in der Subkultur verweilen, ist die Boyband unter den deutschsprachigen Punkbands Turbostaat in Sachen Vermarktung engagiert und deshalb inzwischen auch über die Genregrenzen hinaus bekannt. So tragen auch an diesem Tag mehrere hundert Besucher Shirts und Beutel der Band.

Doch an Neid innerhalb der Szene denkt hier keiner. Im Gegenteil. Man hat nach zwei erfolgreichen „Angst macht keinen Lärm“-Auflagen in Leipzig und  Treier nun nach Potsdam geladen, um den Zusammenhalt in der Szene zu feiern. Und das macht man an diesem Abend. Ein schönes Fest unter Freunden, mit musikalischen Schmankerln und einer „arschlochfreien Zone“. Fein war es! Einzig der Regen hätte sich auch noch einen Tag gedulden können. Aber im Nassen zu den Worten „Gefühle werden leise, sterben nie!“ zu tanzen und Semona auf ihrer Märchenhaften Heldenreise nach „Abalonia“ zu begleiten, hat ja auch was.

„Angst macht keinen Lärm“ war genau das. Ein Ort, an dem man die Schnauze voll hat von Fremdenfeindlichkeit, Pegida und Co. Ein Ort, an dem man weg will vom Einerlei. Ein Ort, an dem kaum einer singt. Ein Ort, an dem den Besucher, die Töne voller Wut entgegenschmettern. Krachend. Scheppernd. Ein Ort, an dem die Fans bei ihren Bands sind. Ein Ort, an dem der Punk längst die drei Akkorde überwunden hat und trotzdem voller Wut und Hass, aber auch Hoffnung ist.

„Angst macht keinen Lärm“ hat auch im Jahr 2016 wieder einmal bewiesen, dass sich der deutsche Punk längst neu erfunden hat. Das funktioniert auch live hervorragend. Das Publikum grölt die Texte mit, tanzt und feiert zusammen mit den Bands. Regen hin oder her. Im Jahr 2016 vertragen sich Punk, Hoffnung und Zukunft – zum Glück!