Start Musik Zehn Empfehlungen für das Maifeld Derby 2018

Zehn Empfehlungen für das Maifeld Derby 2018

Der Blick auf die Bahnpreise verrät: Das achte Maifeld Derby rückt näher und möchte geplant werden. Neben grundlegenden Themen wie der Anreise, Art der Übernachtung oder dem Kauf eines Tickets, sollten dabei auch dringend ein paar ruhige Minuten eingeplant werden, in denen ihr mit einem Kugelschreiber vor dem Timetable sitzt und beobachtet, wie sich die Freude über all die tollen Bands in Verzweiflung darüber verwandelt, wie das alles zu einem sinnvollen Zeitplan zusammengehen soll, in dem auch noch Platz für profane Dinge wie Essen oder Schlaf ist. Um die Situation zusätzlich zu erschweren, haben wir uns durch das Line Up gewühlt und nach Empfehlungen abseits der großen Namen gesucht. Erfahrene Derbygänger wissen: Dort tummelt sich weit mehr als die übliche B-Ware, die sich Festivalbetreiber sonst für derartige Slots aufschwatzen lassen, um an hervorragende Headliner zu kommen. Unsere Empfehlungen arbeiten sich von ganz unten bis ins obere Drittel der Plakathierarchie vor, denn dass alles darüber irgendwie seinen Platz dort verdient, wisst ihr auch ohne uns.

Yamantaka // Sonic Titan (Freitag, 21:00 Uhr)

Fangen wir abseits des aktuellsten Plakats mit einer Gruppe an, die sich ohnehin abseits des Kanons bewegt: Das kanadische Kollektiv Yamantaka // Sonic Titan experimentiert mit Anime, Metal, Indie, Sci-Fi, Theater, Pop und so ziemlich allem, was dazwischen noch in die Finger kommen kann. Könnte nicht nur musikalisch, sondern auch in Sachen Inszenierung spannend werden.

Tank And The Bangas (Samstag, 18:55 Uhr)

Stilfusionen können angenehm überfordern (siehe Yamantaka // Sonic Titan9, sie können aber auch einfach erfrischen, wie im Fall von Tank And The Bangas. Funk, Soul und Rap fungieren als Eckpfeiler, zwischen denen im Grunde alles passieren kann, was zu tanzbaren Situationen führt. Kein forcierter Eklektizismus, sondern schlüssige Pop-Musik fürs 21. Jahrhundert.

Heads (Samstag, 02:00)

Diese Tagesangabe ist im Grunde eine Lüge: Wenn Heads. auf die Bühne des Brückenaward Zelts steigen, ist schon seit zwei Stunden Sonntag, die Leute taumeln vereinzelt noch über das Gelände, auf der Suche nach einem Rest von Party, und wenn sie Pech haben, geraten sie dabei in die Fänge dieser hervorragenden Noise-Punk-Band, die mit fräsenden Gitarren die nahenden Kopfschmerzen für einen kurzen Moment bereits sehr gegenwärtig wirken lässt.

Ori (Sonntag, 14:30)

Langsam wieder zu Kräften kommen, irgendwie die Ruhe finden, diesen dritten Tag auch noch zu überstehen, dabei kann der Parcours D’Amour alleine ob seiner Sitzplätze eine Hilfe sein. Der Loopverliebte DIY-R’n’B von Ori sollte dabei sein übriges tun: Wunderschön kratzbürstig, bisweilen auch mal fordernd, am Ende aber immer wunderschön.

Phantom Winter (Freitag, 00:20 Uhr)

Einen Tag, bevor das Maifeld Derby mit Neurosis und Wolves In The Throne Room endlich seine große Metaloffensive startet, darf auch der Untergrund ran. Phantom Winter sind aber mehr als der Beweis, dass es sich bei dem frischen Interesse des Festivals an deftigen Gitarren nicht um ein Lippenbekenntnis handelt: Ihr wuchtiger, Sludge-informierter Metal dürfte die einzige Methode sein, dem elektronischen Getöse aus dem größeren Zeltnachbarn etwas entgegenzusetzen.

Cocaine Piss (Freitag, 01:40 Uhr)

Wer freitags eben dort doch lieber zu Jon Hopkins möchte, danach aber noch ein paar Nackenklatscher braucht, um ins Bett zu kommen, der darf sich diese im Brückenawardzelt bei Cocaine Piss abholen. Punk ist hier als Haltung erkennbar, statt markanter Riffs setzt die Band aber viel eher auf leichtfüßig-destruktives Chaos.

Wicca Phase Springs Eternal (Freitag, 19:50 Uhr)

Witch House, Soundcloud-Rap, Chillwave, all diese Sachen, von denen alle maximal halb wissen, was sie eigentlich bedeuten sollen, fließen bei Wicca Phase Springs Eternal irgendwie zusammen. Hypnotisch, diffus traurig, aber unbedingt melodiös: Es darf gespannt gewartet werden, wie diese Mischung live funktioniert.

Leyya (Freitag, 18:00 Uhr)

Zwischen all dem Krach ist es bisweilen ja auch nicht verkehrt, mal ein bisschen geschmeidigere Musik zu hören. Wikipedia bezeichnet Leyya als Trip Hop, ich bezeichne das als Quatsch, weiß aber ungefähr, was gemeint ist. Zeitgemäßer Pop mit zwei, drei sehr cleveren Einfällen und guten Hooks, mehr braucht es ja manchmal gar nicht, um zu gefallen.

Sudan Archives (Samstag, 20:45 Uhr)

Violinen auf Stones Throw? Wenn sie so halsbrecherisch daherkommen wie im Fall Sudan Archives, warum eigentlich nicht. Feine Tanzmusik, die ihre exotische Note nicht nutzt, um irgendwelche kompositorischen Mängel zu kompensieren, sondern um die Vielfalt der eigenen Ausdrucksmittel zu erweitern.

Dälek (Sonntag, 21:00 Uhr)

Jetzt ist auch alles egal: Dälek machen in diesem Jahr den Deckel für alle zu, die weder Bock auf Streicheleinheiten noch auf Lesungen haben. Dälek führen zudem zwei Tendenzen zusammen, die sich jüngst auf dem Derby abzeichnen, nämlich nicht nur ein Ort zu sein, an dem sich Indieleute neben handzahmem Folk und leisetretendem Rock auch mal sanfte Elektronik abholen, sondern an dem auch aggressivere Musik (siehe Phantom Winter) ebenso wie experimentierfreudiger HipHop (Goldroger wäre da noch ein guter Tipp für alle, die sich am Samtag nicht die Finger an Neurosis verbrennen wollen) ein Zuhause finden. Vor allem sind Dälek aber Legenden, die die Szene scheinbar noch immer nicht recht einordnen kann, obwohl sich ihr Einfluss derzeit vielfach bemerkbar macht, und bei denen man sich zurecht fragen darf, wie dieser mit Krach gefütterte Rap eigentlich live funktioniert.