Start Musik 9 Empfehlungen fürs Maifeld Derby (201)9

9 Empfehlungen fürs Maifeld Derby (201)9

Credit: Florian Trykowski

Sparen wir uns die großen Reden, denn dass das Maifeld Derby nach einer verdienten Pause im kommenden Jahr 2021 zurückkehren wird, ist hoffentlich genauso sicher wie der Umstand, dass das 2019er Line-Up zu den besten der Festivalgeschichte gehören dürfte. Doch wie immer gilt: Es sind gerade auf diesem Festival nicht nur die schimmernden Headliner, die den Kauf eines Tickets rechtfertigen, sondern gerade die mittelgroßen und ganz kleinen Namen, die nachhaltig begeistern. Erste Anhaltspunkte, wer in diesem Jahr lohnen könnte, liefert folgende Liste – in alphabetischer Ordnung, wie sich das für den nüchternen Tonfall eines Nicht-Nekrologs gehört.

Alcest (Freitag, 00:20)

Okay, direkt am ersten Punkt lässt sich hervorragend diskutieren, wer für wen eigentlich Geheimtipp ist. Leute, die Mavi Phoenix entgegenfiebern, haben zum Beispiel womöglich keine Ahnung, wer dieser Teenage Fanclub ist und umgekehrt. So ist das eben mit Generationen und Szenen, doch wenn wir über Letztere sprechen, hat sich vermutlich keine ihr Standing auf dem Derby über die Jahre hinweg so hart erspielt wie Metal. In diesem Jahr dürfen mit Alcest die Ahnherren dessen, was seit rund einer Dekade unter dem Schlagwort „Blackgaze“ durch Blogs geistert, vollkommen zurecht die Stellung verteidigen, als gute Mischung aus Legende und Underdog.

Amyl And The Sniffers (Sonntag, 21:00)

Ähnlich legendär wie Auftritte von Metalbands (gerne auch vor lichten Reihen) sind die Slots am Sonntagabend – alle sind ein bisschen abgekämpft, aber gerade hier entscheidet sich freilich, wie man das Festival verlässt. Wer dieses Jahr nicht unbedingt clever-derbe Wortspielereien von Faber, sondern lieber nochmal eine deftige Klatsche will, darf sich diese bei Amyl And The Sniffers abholen. Vollkommen zurecht auf dem aktuellen Ox-Cover, und live vermutlich noch dutzendmal besser als auf Platte.

Captain Planet (Samstag, 23:00)

Noch eine spezielle Legende, noch eine Headliner-Alternative: Während der reinkarnierte Mike Skinner seine The-Streets-Revue gibt, schleudern Captain Planet ihren unbeirrbaren Emo-Punk-Rock gegen den Lärm aus dem Palastzelt. Dazu sieht man vermutlich uncooler aus, aber im Hüttenzelt ist es ja sowieso relativ dunkel. Seit Jahren beständig, jetzt endlich auch auf dem Derby.

Cari Cari (Samstag, 17:25)

Aus der Distanz betrachtet sind Cari Cari eine dieser Bands, die erstmal alles können: Zeitlupe, Rockpose, Hit. Wie sich diese Musik nun konkret in Mannheim inkarniert, können wir Samstagnachmittag bei einem Kaltgetränk besprechen – sich diesem unterkühlten Charme zu entziehen, dürfte jedoch so oder so schwierig werden.

Kirchner Hochtief (Samstag, 14:30)

Konstantin Gropper, Drangsal, Sizarr und die resultierenden Splittergruppen: Das Maifeld Derby hat immer schon einen guten Kontakt zur umliegenden Region geführt, was sich gerne auch an frühen Slots ablesen lässt. Der Tradition nach sind das Chancen zur Überraschung, die man gerne mal nutzen kann, weil zwischen Altherren-Stoner-Kombos, Pop-Akademie-Pop und Weirdo-Kram alles dabei sein kann. Kirchner Hochtief scheinen Letzterem verpflichtet: Ambitionen sind kein Fremdwort, die Fallhöhe angenehm hoch für eine so frühe Zeit, wo man ja auch erstmal wachgerüttelt werden muss.

Novaa (Freitag, 18:00)

Vor gar nicht so langer Zeit sinnierte ich auf diesem Blog noch darüber, dass es Indie-Pop 2019 ja eigentlich gar nicht mehr in seiner eigentlichen Form gibt – und ob Novaa nun als Beweis für oder gegen diese These arbeitet, ist noch unklar. Fest steht, dass die Songs hier passen, und das Derby ab und an ja gar kein schlechtes Händchen für Leute im spannenden Stadium vor der großen Karriere hatte. Und mehr braucht es ja erstmal nicht für einen herausragenden Auftritt.

Spiral Drive (Samstag, 19:00)

Apropos Region, apropos Geschichte: Vier Jungs aus Mannheim fahren den Psychedelic-Hype der letzten Jahre an die Wand? Das geht fast schon als Meta-Kommentar auf dieses Festival und die zugehörige Indie-Dekade durch – abseits davon ist die Musik von Spiral Drive aber auch ganz ohne Witz wirklich fantastisch, so drüber, wie es Psychedelic eben sein sollte.

Stonefield (Sonntag, 13:50)

Wer vor der Retromania-Packung am Sonntag noch ein wenig Gegenwart braucht, sollte sich derweil an das Doppel Stonefield und Snail Mail halten. Beide sind im Sound klassisch, in der Attitüde jedoch frisch, und vor allem die vier jungen Australierinnen von Stonefield dürften mit ihren Riffs nicht nur Zerstörung versprechen, sondern auch liefern.

Yin Yin (Freitag, 19:15)

Vielleicht hatte das Maifeld Derby nach Kadavar 2013 keine Freitagabendband mehr im Angebot, die Gäste so gut auf das kommende Festival einstimmen kann wie Yin Yin. Disco, Elektrokram, Rock, all das wird hier über den Haufen geworfen für eine tatsächlich gar nicht so alberne Tanzveranstaltung. Es muss für sowas ja nicht immer das Nachtprogramm sein!