Start Musik Vorbei: Way Back When 2016

Vorbei: Way Back When 2016

Kakkmaddafakka waren definitiv Höhepunkt des letzten Festival-Abends (Stichwort: allgemeine Begeisterung). Sie haben sich in vieler Hinsicht bestens gewandelt. Der klassische Indierock-Sound hatte sich irgendwann auserzählt und so entschied man sich das Projekt anders weiterzutreiben. Dieses neue Südsee-Timbre, das bereits in früheren Songs wie Drø Sø leicht anklang, ist stilbildend für die neuen Stücke der Gruppe. Was beim aktuellen Album „KMF“ geschah ist keine übers Knie gebrochene New-Image-Maßnahme: Da steckt richtig Arbeit hinter. Auch der Verzicht auf den sogenannten „Kackmaddachoir“ (ulkige Tänzer) kommt gut: Dieser sorgte nicht zuletzt dafür, dass die Öffentlichkeitsarbeitsabteilungen der einschlägigen Festivals ihnen „berüchtigte“ Shows nachsagten. Jedoch: wer seinen Konzerten auf Teufel komm raus ein außermusikalisches en plus verpassen möchte, gerät schnell in Verdacht von den mäßigen Songs ablenken zu wollen (Bonaparte). Eine gut spielende Band ist niemals langweilig und das Behandeln eines Instruments, mit all der daraus resultierenden Körperlichkeit, immer ein performativer Vorgang, der ein unvorhersehbares Eigenleben entwickelt.

Kakkmaddafakka © itsnovemberKakkmaddafakka © itsnovember

Kakkmaddafakka wollen einfach keine weitere hübsch-introvertierte Indie-Band sein, sondern ihren eigenen Cliquen-Humor auf die Bühne bringen und sich in ironische Distanz zur sexy Einheitsposerei stellen. Weil ihre Qualität als Live-Musiker darunter nicht leidet und ihre kleinen Choreos, das übertriebene Sich-Gegenseitig-Anrocken, sowie alle weiteren exaltierten Gesten nicht mit den Anführungszeichen des vermeintlichen künstlerischen Mehrwertes versehen werden und sie sich stattdessen authentisch und ohne doppelten Boden komplett zum Affen machen, gelingt der Streich.

Tja, und es gibt so viel was man auf dem Indoor-Festival nicht gesehen hat. Völlig aufgelöste Gesichter, die gerade aus Richtung Domicil oder Pauluskirche pilgerten, fassten sich an den Kopf: „Wie du warst hier und nicht da?!“. Beim Way Back When passiert viel gleichzeitig, die Leute verteilen sich, es können mehr Bands spielen – ist doch super. Solange man sich über nichts Weiteres aufregen kann, als dass sich viel Qualität gegenseitig überlagert, sind unsere Probleme wahrer Luxus.

Ein bisschen Nörgelei kam durchaus vor, wenn eine Traube von Menschen keinen Einlass mehr in den Clubraum des FZW erhalten hat. Aber das Spiel lief eigentlich immer gleich: Zuerst drängt alles souverän hinein, bis sich die allgemeine Erkenntnis durchgesetzt hat, dass Wintersleep oder Pauw (was! für! eine! geile! Band!) doch ein Wenig zu weit von dem entfernt sind, was man „so kennt“. Und plötzlich fluktuiert wieder alles und keiner will schlechte Laune gehabt haben.

Applaus für’s Way-Back-When-Team 2016, da hat einfach mal alles gestimmt!

FESTIVALBERICHT: DONNERSTAG | FREITAG

Julian Gerhard
Wechselte 2013 für ein M.A.-Studium von Münster nach Bochum. Das Studium ist fertig und das Ruhrgebiet bildet den neuen Arbeits- und Lebensmittelpunkt.

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