Start Kritiken Trümmer – Trümmer (Kritik + Stream)

Trümmer – Trümmer (Kritik + Stream)

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Auf obigem Bild zu sehen: die Tür von Paul Pötsch. Pötsch soll aus der Wohnung hinter der Tür ausziehen, denn sie liegt in St. Pauli und soll wie der Rest des Viertels schick gemacht werden. Gentrifizierung ist da natürlich das Stichwort, das sofort präsent ist. Bedenkt man nun, dass Pötsch aus dieser Wohnung partout nicht ausziehen möchte, er in einer Band namens Trümmer spielt, diese Kontakte zu den Goldenen Zitronen pflegen und ihre Songs „Schutt und Asche“ oder „Der Saboteur“ heißen, drängt sich Diskurs – bzw. Protestpop als Labels quasi schon auf. Und tatsächlich könnten Trümmer mit ihrem Debüt sowas wie die Posterboys des neuen deutschen Diskurspop werden. Allerdings weniger martialisch, als es die äußeren Umstände zunächst vermuten lassen.

Seit einiger Zeit geht wieder was in der deutschen Gitarrenmusik. Bands wie Messer, Zucker oder Die Nerven verkaufen sich ordentlich und gehören zu einer Generation neuer Bands, die sich eine eigene Sprache erarbeiten und damit unweigerlich an die sogenannte Hamburger Schule erinnern. Was bisher fehlte war eine Band, die diese neue Ästhetik in gute, schlüssige Popsongs übersetzt. Trümmer könnten genau diese Band werden, so leichtfüßig hantieren sie mit Pop, britischer Gitarrenmusik und einer Sprache zwischen Abstraktion und Parole.

Ähnlich wie die Kollegen von Kraftklub zeichnen auch Trümmer in den Songs ihres ersten Albums ein Portrait der Generation Y, zwischen Eventgesellschaft und Lethargie, Auf – und Zusammenbruch. „Wo ist die Euphorie“ fasst den Ausgangspunkt dieses Debüts sehr gut zusammen, und so wie Pötsch ihn singt schimmert auch hindurch, dass er selbst nicht genau weiß, wo seine eigene Euphorie ist. So aufgekratzt wie die Kollegen von Messer oder Die Nerven klingen Trümmer nämlich zu keiner Zeit, stattdessen dominieren melodische Gitarren, die wahlweise zum Träumen oder Tanzen einladen, aber nie wirklich zerstören möchten.

Somit sind die eingangs beschriebenen Assoziationen an der Oberfläche kaum zu erkennen. „Trümmer“ ist ein Album, das durchaus gefallen möchte – dabei aber nicht auf einen gewissen Subext verzichtet. Genau darin könnte das Potential des Albums liegen – es bringt die Ratlosigkeit einer ganzen Generation auf den Punkt, verpackt diese aber immerhin in schöne Melodien. Trümmer sind damit eine Band, die einerseits als verkopft, andererseits als oberflächlich gekennzeichnet werden wird. In Wirklichkeit stimmt beides: die Politik ist da, wird aber stets abstrahiert und in einen Gesamtkontext eingefügt. Selbst wenn auf Dauer vielleicht Varianz und Innovation auf der Strecke bleiben: ein rundes Debüt, dem man den Erfolg gönnen würde.

Trümmer sind so nett und haben ihr Debüt bei tape.tv hinterlegt. Am Freitag kann das selbstbetitelte Debüt dann auch käuflich erworben werden.