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Oldschool-Rap ist nicht tot, er riecht nur komisch – Gods of Rap am 18. Mai in der Parkbühne Wuhlheide

Was für ein Line-Up! So ziemlich jeder Oldschool-Rapfreak dürfte feuchte Augen bekommen haben, als er vor einigen Monaten diese Ankündigung in seinen Feed bekam:
De La Soul, Public Enemy und Wu Tang Clan – alle Legenden treten auf, das an einem einzigen Abend und dann auch noch in Berlin!

Klar, sie sind nicht mehr die jüngsten, genau wie die heutigen Wuhlheide-Besucher. Aber trotzdem oder genau deshalb sammeln sich die Fans bei allerschönstem Frühlingswetter, um ihren Göttern noch einmal ihre Verehrung zu zeigen.
Der (überraschend pünktliche) Start von De La Soul lässt auf einen gechillten Rap-Abend hoffen, obwohl der Sound ziemlich zu wünschen übrig lässt. Aber egal, zumindest ein bisschen Bewegung kommt in die doch recht müde wirkenden Rapfreunde. „Me, Myself and I“, das kennt man, da kann man mal ein bisschen mitwippen. Mehr als geringfügige Regungen finden aber erstmal nicht statt, denn es wird offensichtlich, auf wen hier in erster Linie gewartet wird: Wu Tang Clan sind unbestrittener Headliner.

Der Rest vom Mützenfest wird aber natürlich auch gerne mitgenommen. So steigt dann bemerkenswerterweise gerade bei Pausenfüller DJ Premier die Stimmung am meisten, der leidenschaftlich performt und zeigt, dass ein DJ sogar heutzutage noch einiges draufhaben muss, um Massen richtig zu begeistern. Ein Hip Hop-Klassiker nach dem anderen wird hier gemixt und gescratcht, so dass auch Public Enemy anschließend gebührend empfangen werden.

Die große Frage vorher war ja: Wird Flavor Flav dabei sein? Nach suchenden Blicken auf die Bühne wird klar, dass er es vorgezogen hat fernzubleiben und Public Enemy deshalb als „Public Enemy Radio“ (warum auch immer) auftreten. Dieses Logo musste zwischenzeitlich dem Logo eines Pumas weichen. Dem Geldbeutel der Band hat das sicher gutgetan, der Stimmung im Publikum eher weniger.

Aber immerhin Chuck D hat sich herbemüht, der diesen Auftritt mehr oder weniger rettet und unter anderem einen der Klassiker zum Besten gibt, die wir wohl alle irgendwie mitperformen können: „Fight the Power“ sorgt an diesem Abend endlich mal für ein bisschen Wumms und vereinzelte Fäuste und einige Sportzigaretten werden in den Sonnenuntergang gehalten.

Aber auf wen warten wir nochmal alle? Ach jaaaa, Wu Tang, Wu Tang, Wu Tang! So langsam wird die Menge nervös und ruft schon mal nach ihnen. Werden denn vom Wu Tang Clan auch alle dabei sein, vor allem RZA, unser Clan-Daddy? Erleichterung, als genau der die Bühne betritt und ordentlich mit Champagner rumspritzt. Wir sind ja schließlich nicht bei armen Leuten! Im Gegensatz zu vielen Rap-Posern haben er und seine Kumpanen aber auch einen bemerkenswerten Grund dafür: Ein Teil von Staten Island in New York wurde kürzlich in „Wu Tang District“ umbenannt.
Method Man ist trotzdem nicht dabei, Young Dirty Bastard, der Sohn von… (Na? Ratet mal!) ist dafür neu im Clan aufgenommen worden und darf an diesem Abend mitmischen.

War nett gewesen, Luft nach oben ist aber definitiv, wenn nächstes Jahr die Gods Of Rap-Tour, dann angeblich mit Nas, weitergehen soll.