Start Musik Kritiken „No shame, just smile“ – Lily Allen im Astra Kulturhaus in Berlin

„No shame, just smile“ – Lily Allen im Astra Kulturhaus in Berlin

Lily Allen live im Astra, Berlin (Foto: Lily Allen bei Facebook)

Dass Lily Allen keine leichte Zeit hinter sich hat, hat ganz Großbritannien und auch ein guter Teil Deutschlands mitbekommen: Zum Karriereanfang in ihren Zwanzigern kamen die Drogenerfahrungen und Partys in Dauerschleife – ihre Trennung vor zwei Jahren war der nächste Schicksalsschlag.

Wie gut, dass Lily ein Naturtalent darin ist, genau diese Probleme musikalisch zu verarbeiten. Und das, wie ihr neues Album schon verlauten lässt, ohne Schuldgefühle – „No Shame“.

Schon der erste Song ihres behaglichen und sogar ein bisschen intimen Konzerts, beschäftigt sich mit ihrer Trennung, den Verurteilungen durch (soziale) Medien und ihrem Ex-Mann. Wer aber glaubt, dass hier jemand jammern möchte liegt falsch, Lily Allen ist bestens gelaunt, macht gleich mehrere Scherzen mit dem Publikum: „It seems like this is half a concert and half a stand-up comedy-show!“ Dazu passt dann natürlich auch bestens der Klassiker „Smile“, wir alle dürfen zudem ihre Mutter mitbejubeln, die irgendwo im Publikum steht und sowieso macht das hier den Eindruck einer großen, turbulenten Familie.

Der hochgelobte Song „Three“ vom neuen Album handelt dann auch von einem Teil ihrer Kernfamilie: der kleinen Tochter. Offen singt Lily Allen über ein Mädchen, das seine ständig tourende Mutter vermisst. Und auch hier lässt sie die Schuldgefühle einfach weg.

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Das damals fast prophetische „The Fear“ aus dem Jahr 2009 darf natürlich auch nicht fehlen. Lily’s Stolz darauf, einen solch zukunftsweisenden Titel geschaffen zu haben, ist absolut gerechtfertigt und zu Recht hochbejubelt und mitgesungen.

Während wir ihr Karo-Outfit bewundern geht es schon wieder in die Richtung der nächsten Hits. „Not Fair“ ist ausdrücklich und ausschließlich allen weiblichen Fans gewidmet (und denen, die sich dazuzählen), denn schließlich ist ein Song über eine männliche Niete im Bett wirklich nichts für Männerohren.

Gewartet wird aber auf den Song mit den Wörtern, die ein braves englisches Mädel normalerweise nicht in den Mund nehmen darf: „Fuck you“ ist an diesem Abend nicht nur Donald Trump gewidmet, sondern auch den Brexit-Befürwortern. Das Publikum scheint einverstanden zu sein, direkt schnellen die Mittelfinger in die Luft und die Stimmen erheben sich. Lily Allens immer noch klare Stimme bringt diesen Fluch so liebevoll hervor, dass sie eigentlich auch „I love you“ hätte singen können. Und das hat sie, zumindest in Bezug auf uns, anscheinend an diesem Abend auch genauso gemeint.

Nora aus Berlin, immer alleinerziehend und ohne Betreuung gewesen (für's Kind), kann jetzt endlich abends wieder raus und macht das auch noch.