Start Musik Neil Hannon von The Divine Comedy im Interview

Neil Hannon von The Divine Comedy im Interview

Ende Oktober kommen The Divine Comedy mit ihrem neuen Album „Office Politics“ für drei Shows nach Deutschland. Wir haben im Vorwege mit Neil Hannon, dem Mastermind hinter den Retro-Pop-Urgesteinen, gesprochen-

Sowohl das Cover, als auch der vermehrte Einsatz von Synthesizern erinnern stark an die 1980er Jahre. Was hat die dazu inspiriert, dich dieser Stilelemente zu bedienen?

Ich bin ein Kind der 70er, habe mich also Anfang der 80er Jahre damit angefangen, mich intensiver für Musik zu interessieren. Und wenn ich mich recht erinnere, dann war Synth-Pop das erste Genre, in das ich mich verliebt habe. Künstler, wie z.B. Gary Numan, Human League oder OMD waren extrem spannend und gleichzeitig weit entfernt von Mainstream-Disco. Es klingt verrückt, aber damals kann man Synthesizer noch nicht. Der Sound war komplett neu. Zudem haben sich damals viele Bands & Künstler mit einem distanzierten Bezug zur zeitgenössischen Gesellschaft beschäftigt. Auch dieses Gefühl wollte ich mit der Nutzung von Synthesizern auf „Office Politics“ aufgreifen.

Vor vielen Jahren hast du an dem Soundtrack der Büroserie „The IT Crwod“ mitgewirkt. Sind schon zu diesem Zeitpunkt die ersten Songskizzen und -ideen für „Office Politics“ entstanden?

Viele Ideen und Songs hatte ich schon wirklich lange im Kopf, ja. Meine Arbeit an „The IT Crowd“ hat – obwohl ich die Serie wirklich liebe – darauf jedoch keinen großen Einfluss gehabt. Tatsächlich ist „Office Politics“ eher ein Dachgedanke, der sich gut dazu eignet, Songs zu verbinden, die sich mit den Themen Alltag, Gesellschaft, Arbeit und Technologie beschäftigen.

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Gerade für einen Briten ist der Zeitpunkt für diesen Titel clever gewählt, wenn man an die aktuelle politische Situation in Großbritannien denkt. Inwiefern kann das Album mit dem Brexit in Verbindung gebracht werden?

Ich wurde zwar in Nordirland geboren und habe lange in London gelebt, aber sehe mich dennoch nicht als Briten, sondern als Iren. Natürlich finde ich es trotzdem extremst traurig zu sehen, wie Großbritannien sich immer stetiger abkapselt. Mein Album zahlt zwar nicht konkret auf die politische Situation ein, beschäftigt sich aber auch mit einem gewissen Unbehagen, welches auch der Brexit mit sich bringt.

In älteren Interviews mit dir habe ich gelesen, dass du schon immer ein Doppelalbum veröffentlichen wolltest. Warum gerade „Office Politics“?

Ich weiß nicht genau, der Zeitpunkt schien einfach richtig. Und ich hatte eine Menge neuer Songs, die ich veröffentlichen wollte.

Mit einem Blick auf Trends, wie Bedroom-Produzenten und roughe Mixes auf Soundcloud: Findest du, dass sich deine Rolle als „klassischer“ Songwriter und Komponist in den vergangenen Jahren geändert hat?

Tatsächlich sehe ich mich selbst auch als eine Art Bedroom Producer. Ich arbeite daheim immer an verhältnismäßig detaillierten Demos und versuche diese so gut es geht im Studio zu reproduzieren. Was aktuelle Pop-Musik angeht, bin ich momentan sehr enttäuscht. Alles wirkt so simpel und makellos. Irgendwie ein bisschen wehmütig und lethargisch. Naja, es wird sicher irgendwann besser …

The Divine Comedy live

23.10.2019 Berlin | Admiralspalast
24.10.2019 Hamburg | Docks
25.10.2019 Köln | Live Music Hall

Hendrik
Hendrik kommt aus Hamburg und macht beruflich irgendwas mit Medien. Und Facebook. Und natürlich auch Digitalkram.

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