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Madsen im Interview: „Diese Cros, die ihr Bier niemals austrinken“

Bild: Helena Düll

Drei Jahre lang war es still um die deutschen Indie-Rocker von Madsen. Seit 14.08. steht ihre neue Platte „Kompass“ in den Läden. Bei tropischen Temperaturen habe ich mich mit Sebastian (Gesang und Gitarre) und Sascha (Schlagzeug und Gesang) vor ihrem Auftritt auf dem diesjährigen Taubertal-Festival über den spontansten Festivalauftritt der Bandgeschichte, die Cros auf diesem Planeten und über, wie es sich für richtige Rockstars gehört, die Foo Fighters, unterhalten.

Testspiel.de: Ihr habt dieses Jahr ziemlich spontan auf dem Southside und dem Hurricane-Festival gespielt. Wie war das für euch? Super schön oder dann doch eher sehr stressig?

Sascha: Das war tatsächlich sehr aufregend und super stressig. Wir haben tatsächlich erst am Donnerstagnachmittag erfahren, dass das klappt und dann musste Gott und die Welt in Bewegung gesetzt werden. Jede Bus Firma die wir kontaktiert haben, die haben gesagt „Vergiss es. Das wird nichts, es ist Hurricane/Southside-Wochenende. Ihr kriegt keinen Bus, in ganz Europa gibt es keinen freien Bus mehr. Das könnt ihr echt total vergessen. Und dann hatten wir aber Glück und haben davon profitiert, dass Dave Grohl sich das Bein gebrochen hat und dann ein Bus der Foo Fighters frei geworden ist, den wir dann bekommen haben. Das war echt ein total verrücktes Wochenende und eigentlich ein Wunder, dass es so geklappt hat. Das war das Wochenende unseres Lebens.

Testspiel.de: Am 14.08 erscheint euer neues Album „Kompass“ (Anmerkung der Redaktion: Madsen haben inzwischen ihre Release-Party auf dem Highfield-Festival gefeiert. Wie man hört, war der Auftritt ein voller Erfolg) Ihr hattet ja nun eine längere Schaffenspause von drei Jahren. Weshalb hat es bei diesem Album nun, im Vergleich zu den früheren Alben, länger gedauert? Was habt ihr in der Zwischenzeit gemacht?

Sebastian: Das wichtigste an dieser Antwort ist, dass wir eben vorher schon fünf Alben gemacht haben. Und dann hatten wir ja auch noch unser 10-Jähriges Jubiläum, wo wir eine Live-Platte gemacht haben und all diese fünf Alben an fünf Abenden hintereinander live gespielt haben. Da haben wir dann einen ziemlich genauen Überblick bekommen über das was wir bisher so gemacht, gesagt und komponiert haben. Uns war nach dieser Nummer auf jeden Fall klar, dass wir uns nicht wiederholen möchten, sondern etwas Neues machen möchten. Der Anspruch an uns selbst war einfach sehr hoch. Mir fiel das Texten auch nicht so leicht, muss ich gestehen. Aber mit ein bisschen Hilfe von sehr netten Menschen die mir da geholfen haben, also Freunden, die das auch sehr gut können, habe ich dann doch mein Selbstbewusstsein wieder erlangt und wir finden, dass das die beste Platte bisher geworden ist. Aber das sagen ja immer alle wenn“™s frisch ist. Ist ja klar, muss man ja auch (lacht).

Testspiel.de: Sebastian, Du hast es gerade selbst erwähnt, dass ihr euch nicht wiederholen wolltet. Was erwartet uns denn bei Kompass? Das letzte Album war für eure Verhältnisse eher poppig. Geht das in dieselbe Richtung?

Sascha: Madsen war ja schon immer eine Mischung aus brachial und Pop. Diese Rezeptur werden wir auch nicht ändern. Dieses Mal sind wir auf der Suche nach einem neuen Sound gewesen, den wir so bisher noch nicht hatten. Wir haben zum Beispiel neue Synthesizer eingebaut. Das hatten wir so noch nicht. Allerdings soll man jetzt auch keine Angst davor haben (lacht). Wir haben einfach mal mit sehr, sehr altem Equipment gearbeitet. Wir haben zusammen mit den beiden Produzenten Moritz und Simon sehr eigenständigen, warmen Sound produziert (Anmerkung der Redaktion: es handelt sich dabei um Simon Frontzek (unter anderem Thees Uhlmann, Kilians) und Moritz Enders (unter anderem Kraftklub, Bosse, Johannes Oerding)).

Sebastian: .. der aber auch ballert!

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Testspiel.de: Sebastian, du hast es vorhin selbst erwähnt, dass du während des Schreibens eine kleine Krise hattest. Hattet ihr denn als Band schon einmal das Gefühl, dass ihr in euren Texten alles schon einmal gesagt habt?

Sebastian: Wenn man ehrlich ist, gibt es ja nicht so viele Themen. Es gibt immer die Gesellschaftskritik, die Liebe und es gibt die Flucht nach vorne. Mit Flucht nach vorne meine ich diesen Gedanken „Ich lass alles hinter mir“ – also so Cro-mässig (lacht). „Baby steig ins Auto, alles ist egal“. Ich dachte mir, dass wenn man so ein Thema anfasst, dann muss man einen kleinen Kniff reinbringen und das war bei mir der Text „Ich trink nur eben aus“. Also nach dem Motto „Morgen werde ich die ganze Welt verändern, aber ich geh nur kurz zur Erika an den Tresen und dort trinke ich ein Bier und rauche eine. Aber danach geht“™s aber los!“ Der Gedanke dahinter war, dass es diese Menschen gibt, die jeder auch irgendwie kennt“¦

Sascha: „¦diese Cros eben (beide lachen)

Sebastian:„¦. Genau! Und die trinken ihr Bier halt niemals aus. Natürlich schreibe ich weiterhin Liebeslieder, aber dann versuch ich den Stücken noch eine weitere Bedeutung zu geben. Es gibt da zum Beispiel ein Stück, das heißt „Unerreichbar“. Wie der Titel schon sagt geht es da um ein Paar, das sich bewusst zurückzieht. Es geht aber auch darum zu sagen, ey wir schalten unsere Smartphones aus und sind jetzt nicht online und wir besinnen uns auf das, was wir eigentlich sind. Dieses Thema erschien mir auch in der heutigen Zeit wichtig. Somit habe ich ein Liebeslied mit zeitgemäßem Hintergrund geschrieben.

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Testspiel.de: Zu Beginn eurer Karriere wurdet ihr als die „neuen Tocotronic“ bezeichnet. Wenn ihr euch jetzt eine Band aussuchen könntet, mit der ihr gerne verglichen werden würdet. Welche Band wäre das dann und weshalb?

Sebastian zu Sascha: Bitte sag jetzt nicht Foo Fighters (lacht)

Sascha: Nene, wollte ich nicht sagen. Sebastian und ich waren zusammen mit einem Kumpel im März auf einem Konzert der Toten Hosen in Dresden. Wir haben echt schon sehr viele Konzerte der Toten Hosen gesehen, auch das erste 1995, glaube ich. Aber das hat uns echt umgehauen. Es war das Beste, was ich je von der Band gesehen habe. Wenn wir das in diesem Alter und nachdem es unsere Band so lange gegeben hat, auch so schaffen, dann haben wir alles richtig gemacht.

Sebastian: Ich würde kurz sagen wir sind eine Mischung aus den Toten Hosen, den frühen Strokes und dem jungen Mike Krüger. Das bringt glaub ich auf den Punkt.

Sascha: Auf jeden Fall (lacht)

Testspiel.de: Und warum ausgerechnet Mike Krüger?

Sebastian: Weil er ein verdammtes Genie ist! (lacht)

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Madsen Live

Festivals:

16.08.2015 Brunsbüttel Dithmarschen Rock Fest
29.08.2015 Bremen Bundesvision Song Contest

Tour:

27.10.2015 Hannover Capitol
28.10.2015 Magdeburg Altes Theater
29.10.2015 Münster Skaters Palace
31.10.2015 Berlin Columbiahalle
01.11.2015 Köln E-Werk
03.11.2015 Frankfurt Batschkapp
04.11.2015 München Backstage Werk
05.11.2015 Wien Arena
07.11.2015 Kaiserslautern Kammgarn
08.11.2015 Karlsruhe Substage
10.11.2015 Dresden Alter Schlachthof
11.11.2015 Hamburg Grosse Freiheit 36
12.12.2015 Linz Posthof
13.12.2015 Graz Orpheum
15.12.2015 Zürich Dynamo
16.12.2015 Basel Sommercasino
18.12.2015 Würzburg Posthalle
19.12.2015 Erfurt Stadtgarten
20.12.2015 Rostock Mau Club
05.02.2016 Hamburg Mehr! Theater

Beitragsbild: Madsen live @ Taubertal Festival via Madsen @ Facebook

Helena
Im Jahr 1988 in Franken das Licht der Welt erblickt, lebt und arbeitet Helena in Berlin als Journalistin bei watson.de. Zuvor war sie Musikjournalistin beim Rolling Stone und hat an der Axel-Springer-Akademie gelernt. Vorher hat sie Literatur und Medien in Erlangen und Augsburg studiert. Musik ist ein integraler Bestandteil ihres Daseins und deshalb bloggt sie für testspiel.de aus der Hauptstadt.

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