Der britische Rapper tauscht ganz kokett das O gegen ein X. Aber das soll jetzt nicht Bestandteil dieses Postings sein! Vielmehr sein Konzert im Hamburger Uebel und Gefährlich.

Während – meiner Meinung nach – der stilistische Vorreiter Ghostemane vor ein paar Woche das ausverkaufte headCRASH abriss, füllte Scarlxrd das abgehangene Uebel und Gefährlich in etwa zur Hälfte. Dafür hatte die Hälfte des Clubs ungefähr doppelt so viel Energie, wie es oftmals gefüllte Venues zu bieten haben.

Bevor der Rap-Schreihals OHNE Mundschutz die Bühne betrat, gabs noch eine Einlage der ZOMBIEZ – einer deutschen Horror-Rap-Formation mit Masken à la Slipknot. Über den Klang lässt sich streiten, die Performance kam allerdings unanfechtbar souverän daher. Hier zeigte das Publikum bereits, was an diesem Abend wohl noch möglich sein würde.

Nach einem etwa halbstündigen DJ-Set, bei dem fließend zwischen Lil Peep und Papa Roach gewechselt wurde – was im Kontext mit Scarlxrds Musik durchaus Sinn macht – betrat ebenso im Fluss der Rapper endlich die Bühne. Eingehüllt in Nebel und weißes Licht, hatte der Startschuss des Konzerts schon beinahe eine epische Anmut.

Vom ersten Song an bilden Rampensau auf und Meute vor der Bühne eine Einheit. Die grollenden, verzerrten Bässe erschüttern die Location so sehr, dass Konfetti vergangener Partys von den Lüftungsschächten segelt. Scarlxrd gibt, genau wie sein DJ, alles auf der Bühne. Daraus ergibt sich mal mehr, mal weniger die Situation, dass er zu seinem eigenen Backup auf der Bühne wird und dem Playback den Großteil seiner Vocals überlässt. Klingt im ersten Moment vielleicht etwas mau, wird aber durch den Einsatz auf der Bühne mehr als wett gemacht.

Gerade in Punkto Publikums-Interaktion ist der Brite mit der Ami-Attitüde ganz weit Vorne. Zu jedem Song wird die Moshpit weiter geöffnet, mehr abverlangt, aber auch mehr gegeben. Die 40 Minuten bis zur Zugabe vergehen wie im Flug. Am Ende scheinen alle etwas an diesem Abend gegeben, aber auch bekommen zu haben. Kleine Abzüge in der B-Note, da ich mir doch gewünscht hätte, dass weniger vom Band und mehr wirklich live gerappt wird – dem Spaßfaktor tat dies an diesem Abend allerdings keinen Abbruch!