Start Musik Kritiken Funklordz: Chromeo im Festsaal Kreuzberg

Funklordz: Chromeo im Festsaal Kreuzberg

Chromeo (Pressebild)

Schon seit mehr als 15 Jahren sind Dave 1 und P- Thugg nicht nur privat Busenfreunde, sondern auch beruflich ein Duo, das zum Tanzen animiert.

Das scheint, zumindest für diesen Tag, eine Herausforderung darzustellen – so zumindest für mich der Eindruck, als ich in das ein oder andere Gesicht der langsam eintrudelnden Konzertbesucher schaue. Bei Temperaturen von ungefähr 30 Grad sehen sie doch recht abgekämpft aus, die (wenig vorhandene) Luftzirkulation im Festsaal Kreuzberg schafft da kaum Abhilfe.

Umso besser, dass die Stimmung von Anfang an entspannt ist, was unbedingt am Support DJ Supermarkt liegt: der gechillte Mann, der die Hälfte seines Jahres in Berlin und die andere Hälfte auf seinem Weingut in Frankreich verbringt. Den Dauerurlaub verarbeitet er in einem Set aus Funkpop, Elektro und Softrock.

Aber wir warten hier ja alle auf Chromeo, die sich anscheinend im Backstage-Bereich noch um wichtige Dinge kümmern müssen – jedenfalls lassen sie sich Zeit. Die ersten Genervten versuchen sich am empörten Pfeifen und fangen an zu motzen, bis endlich zwei Typen auf die Bühne springen, die vordergründig unterschiedlicher nicht sein können, sich aber gerade deswegen so perfekt ergänzen.

Dave 1 als smarter und dandyliker Frontmann und Sänger mit E-Gitarre zieht natürlich die ersten Blicke auf sich, während laut „Chromeooooooo“ durch die Halle tönt – das Zeichen, dass es jetzt aber auch wirklich endlich losgeht.

P- Thugg, der härtere von beiden mit Bandana und breitem Kreuz, zeigt uns stolz sein Mischpult, das prominent und senkrecht in der Mitte der Bühne platziert wurde.

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„Come Alive“, passender konnte der Einstieg in dieses Konzert nicht gewählt werden. Als hätten die beiden einen Schalter umgelegt, fangen so ziemlich alle an zu tanzen und ihre verschwitzten Gesichter an zu strahlen. Endlich Chromeos typischer Funk-Pop-Dance-Synthie-Disco-Smoothelectro-Style! (oder wie auch immer man dieses Genre jetzt zuordnen soll). Wenn sogar der coolste Berlin-Hipster Emotionen zeigt und in die Luft springt, machen Chromeo definitiv was richtig.
So anscheinend auch mit dem neuen Album „Head Over Heels“, „Juice“ z.B. fügte sich so nahtlos in die Gunst und Tanzlust der Fans ein, dass dieser Titel auch ein Klassiker aus dem Jahr 2005 hätte sein können.

Too funky: Chromeo live im Festsaal Kreuzberg

Vielleicht liegt die wirklich mitreißende Stimmung aber auch an diesen sympathischen Beiden, die offensichtlich einen Heidenspaß an ihrem Job haben. „Ich freu mich so, dass Ihr hier seid!“, ruft Dave 1 in sein Mikro, „Ihr könntet alle woanders sein, in dieser Stadt geht so viel ab, aber Ihr seid hier! Bei uns!“ Seine unbeschwerte und ehrliche Freude darüber ist so mitreißend, dass ich schon von einer leichten Rührung sprechen kann, die mich überkommt.
Dass P-Thug fast nur über den Vocoder mit uns kommuniziert, ist dann wiederum ziemlich unterhaltsam und die Vorstellung, dass er das vielleicht im Privatleben auch immer so macht, hebt meine Laune noch ein bisschen mehr.

Deshalb mein Ratschlag: Unangenehme Termine am besten immer direkt vor ein Chromeo-Konzert legen, die Stimmung steigt garantiert.