Start Musik Interviews Eine Auszeit, die keine war – Interview mit Amusement Parks on Fire

Eine Auszeit, die keine war – Interview mit Amusement Parks on Fire

So farbenfroh das Bandfoto, so facettenreich die Mucke: Amusement Parks on Fire mit Mastermind Michael Feerick (u.a. unten links). Foto: Ashley Bird

Manchmal gibt es sie. Bands, bei deren Namen man sofort ein Bild im Kopf hat. So auch bei Amusement Parks on Fire. Welch geniales Bild! Die britischen experimentellen Rocker, oftmals auch zu Unrecht in die Kategorie Genre-Schublade Shoegaze gepackt, sind wieder am Start. Vor nunmehr 14 Jahren sorgte das gleichnamige Debütalbum in der britischen Musiklandschaft für Staunen. Massive Gitarrenflächen, exzessive Soundlandschaften und Michael Feericks kraftvolle Stimme ergeben eine interessante Mischung, die vor allem live brutal laut und kompromisslos sein soll. Hinter dem Debüt steckt allein Feerick, das Mastermind der Band schrieb alle Songs und nahm alle Instrumente im Studio selbst auf. Ein paar Jahre und zwei Alben später gab die Band 2013 eine Auszeit bekannt, zumindest Freerick war aber nie so richtig weg. Vor der morgen startenden Deutschland-Tour, bei der die Band am Dienstag auch im Hamburger Molotow vorbeischaut, tauschten wir uns intensiv über das Comeback der Band, musikalische Pläne und den Record Store Day aus.

Testspiel: Amusement Parks on Fire gibt es seit über 15 Jahren. Dabei habt Ihr verschiedene Phasen durchgemacht. was denkst Du war die beste und warum? Und was war die „schlimmste“?

Michael: Um ehrlich zu sein, denke ich gar nicht in solchen Kategorien. Für mich ist es eine andauernde Reise. Wenn Du etwas Neues machst, gibt es dem bisher Erlebten einen neuen Kontext anstatt es zu ersetzen. Momentan ist aber die coolste Phase. Ich habe die Dinge in der Vergangenheit manchmal etwas zu ernst genommen. Das hatte nicht unbedingt einen positiven Einfluss auf die Musik! Aber jetzt sind wir in einem tollen Stadium und konzentrieren uns auf die richtigen Dinge.

Was hast Du aus den herausfordernden Momenten gelernt, was du jungen Bands mit auf den Weg geben würdest?

Michael: Ich bin mir nicht sicher, ob junge Bands überhaupt Ratschläge von uns haben wollen! Wir sind nicht unbedingt ein vorbildliches Künstlerkollektiv. Aber jeder sollte für sich herausfinden, was ihn von anderen unterscheidet und sich unerbittlich darauf einlassen. Macht Euch bereit, dafür zu leiden! Aber genießt es natürlich auch. Auch wichtig: ein guter Anwalt. (lacht)

Nach ein paar intensive Touren habt Ihr in der Vergangenheit eine mehrjährige Auszeit eingelegt. Wie habt Ihr die Zeit verbracht? Inwiefern hat sich die Chemie der Band durch die Pause verändert?

Michael: Wir haben die Zeit genutzt, um unser Leben zu leben. Aber auch in unterschiedlichen Projekten und Erscheinungen gespielt. Für mich jedenfalls war es keine richtige Auszeit und ich halte es auch nicht für notwendig, dass so etwas definiert wird. Wir haben mit APOF einfach weitergemacht, als es sich richtig anfühlte. Die Chemie bleibt weiterhin großartig, weil wir Musik aus purer Freude machen.

Vor ein paar Monaten habt Ihr Euer Comeback gefeiert und steht seitdem wieder regelmäßig als Amusement Parks on Fire auf der Bühne. Wie hat es sich angefühlt, die Bühne nach mehreren Jahren Abstinenz wieder mit (fast) den gleichen Musikern zu teilen?

Michael: Für mich ist es kein Comeback. Ich hätte nicht vermutet, dass ich mich deswegen aufgeregt oder ein großes Ding gemacht hätte. Das Schönste an all dem ist, es fühlt sich einfach so an, als würden wir ganz normal weitermachen, als wäre es keine große Sache! Aber wir sind wieder frisch und neu fokussiert. Ich genieße es. Wir sind älter geworden und weiser. Oder auch nur älter (lacht).

In einem Interview aus 2017 habt Ihr für April eine EP angekündigt. Wie ist der Stand?

Michael: Sie heißt „All the new ends“ und ist seit heute draußen, ausgerechnet am Freitag den 13.! (lacht)

Arbeitet Ihr auch an einem neuen Album?

Michael: Ich habe mir fest vorgenommen, mich keinesfalls hetzen oder unter Druck setzen zu lassen. Der Großteil ist schon fertig geschrieben, jetzt geht es ums Aufnehmen. Aber keine Eile, wir machen das im Laufe des Jahres und planen, die erste Single schon im Dezember rauszubringen.

Eure Alben sind auf Vinyl eine Rarität. In Kürze findet mal wieder der Record Store Day statt. Was denkt Ihr über so einen Tag? Habt Ihr schon über eine Teilnahme nachgedacht, weil Ihr so viel Material habt?

Michael: Ich finde die Idee super! Ich kann mir auch vorstellen, dass dieser Tag dazu beigetragen hat, dass Vinyl wieder ein Comeback feiert und dass es so viele Independent Plattenläden noch gibt. Ich habe ab und zu in solchen kleinen Läden gespielt, auch zum Record Store Day. Aber über einen Release haben wir noch nicht nachgedacht. Wir sollten das für das nächste Jahr anpeilen.

Auf der aktuellen Tour macht Ihr auch in fünf deutschen Städten Halt. Was verbindet Ihr mit Deutschland und mit Hamburg, wo Ihr am Dienstag im Molotow spielen werdet?

Michael: Wir hatten immer eine tolle Zeit in Deutschland. Ich glaube, das Land versteht uns. Wir haben beim Reeperbahn Festival 2006 im alten Molotow gespielt und ich schaue immer wieder gerne auf diese Show zurück. Es war brechend voll und wahnsinnig heiß, was alles noch intensiver machte. Wir freuen uns schon, die neue Show ins neue Molotow zu bringen.


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