Start Interviews „Ein Acker, den man neu bepflanzen kann“ – Vierkanttretlager im Interview

„Ein Acker, den man neu bepflanzen kann“ – Vierkanttretlager im Interview

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Die drei Husumer mit dem nachdenklichen Indie-Rock sind zurück: Seit dem 17.4. ist das neue Vierkanttretlager-Album „Krieg&Krieg“ zu haben. Mit Texten, die in den Abgrund der Menschheit blicken. Wie die zu lesen sind, erklären Max Richard Leßmann (Gesang), Christian Topf (Gitarre) und Leif Boe (Schlagzeug) im Interview.

Im Titelsong „Krieg&Krieg“ gibt es Zeilen wie „Töte dich selbst, wie deinen Nächsten“ oder „Wir gehen unter mit leichtem Herzen, froh und munter.“ Das klingt apokalyptisch. Stecken wir mitten im Weltuntergang?
Max: Ja, genau. Und keiner merkt“™s. Das ist erst mal eine Standortbestimmung, ohne Wertung. Eher die Beschreibung: „Ok, wir leiden aneinander, wir sterben aneinander, wir machen uns kaputt. Aber alle sind happy“. Deshalb auch die knalligen Bilder in unseren Videos. Alles ist gut, aber wir merken, wie uns etwas zerfrisst und wie wir aneinander zugrunde gehen.

Auch das übergreifende Thema auf „Krieg&Krieg“ ist die Einsicht, dass der Mensch schlecht ist. Was wollt ihr damit erzeugen?
Christian: Wenn man davon ausgeht, dass der Mensch wirklich schlecht ist – was viele in unserem Alter einfach öfter mal denken – und das einfach mal zu Ende denkt, unser Album hört, dann steht man vor einem Nichts. Quasi, als hätte man einen Acker umgepflügt, den man dann aber neu bepflanzen kann.
Max: Genau! Wir wollen die Leute dazu bringen, zu sagen: „Das will ich aber nicht! Lass es uns doch anders machen.“

Quasi der Worst Case als Chance?
Max: Ja. Ich für mich habe das Gefühl, wir sind in dem Ding drin und kommen da nicht raus. Aber ich freue mich, wenn jemand sagt: „Doch! Und zwar so!“

Es gibt aber auch Elemente, die fröhlich scheinen: die bunte Girlande mit dem Schriftzug „Krieg&Krieg“, die der Album-Box beiliegt oder dem skurril-lustigen Video zu „Kaktusblüte“. Wozu sind diese Brüche da?
Leif: Um uns als Künstler nicht ganz so ernst zu nehmen. Max schließt in seinen Texten sich und uns ja oftmals mit ein. Eben um nicht nur zu sagen: „Das und das ist schlecht.“ Sondern: „Wir machen es ja genauso. Wir sind ja auch Mensch.“
Christian: Wir haben dazu ja auch was auf Facebook gepostet. Farid Bang hatte ja bei sich einen Post gemacht, dass er auf seinem neuen Album 34 andere Rapper disst. Max hat daraufhin gepostet: „Menschen, die auf ,Krieg&Krieg“™ gedisst werden: alle!“ Und das stimmt wirklich!

Das offizielle Video zu „Kaktusblüte“:

Mit „34 Narben“ gibt es auch ein Liebeslied auf eurem Album. Die Liebe als die letzte Hoffnung?
Max: Das sind die persönlichen Bögen, die gespannt werden. Wenn man mit diesem Gedanken „Der Mensch ist schlecht“ lebt und dann Dinge erlebt, an denen man es dann wieder abgleichen kann. Wir erfahren Schmerzen im Leben und sind versehrt, aber es gibt eben auch so etwas wie Liebe und Menschen, die einem wichtig sind. Und die man in ausweglosen Momenten auch trifft.

Im Mai geht ihr mit dem neuen Album auf Tour. Gibt es einen Ort, auf den ihr euch besonders freut?
Leif: Es ist natürlich immer besonders, wenn viele Freunde bei Konzerten dabei sind, was in den größeren Städten eigentlich immer der Fall ist. Diesmal spielen wir allerdings auch in St. Pölten in Österreich, wo wir niemanden kennen. Das wird sicherlich auch interessant. Das hatten wir auch schon. Da stehen dann hundert Leute und man fragt sich: „Wie sind die denn überhaupt auf uns gekommen?“

Habt ihr für die Tour etwas Besonderes für eure Fans in petto?
Max: Christian wollte, dass ich auftrete, wie im Video zu „Kaktusblüte“. Also nur in Unterhose. Ich bin da allerdings noch nicht so von überzeugt.

„Krieg & Krieg“-Tourdaten:

13.05.2015 CH-Zürich, Plaza Club
14.05.2015 AT, Wien, Rhiz
15.05.2015 St. Pölten, Freiraum
16.05.2015 München, Milla
17.05.2015 Heidelberg, Halle 01
18.05.2015 Frankfurt/M., Nachtleben
19.05.2015 Köln, Luxor
20.05.2015 Hamburg, Molotow
21.05.2015 Berlin, Bang Bang Club
05.06.2015 Husum, Speicher
06.06.2015 Husum, Speicher

Dieses Interview ist zuerst in der Mai-Ausgabe der Szene Hamburg erschienen.