Start Kritiken „Das Boot ist voll“ – Fabers Vergewaltigungsfantasien gegen Rechts

„Das Boot ist voll“ – Fabers Vergewaltigungsfantasien gegen Rechts

Faber (Pressefoto: Stefan Braunbarth)

Update vom 01.08.: Faber hat den Refrain des Sons geändert und inklusive Video neu veröffentlicht.

Update vom 31.07.: Das Musikvideo zu „Das Boot ist voll“ wurde auf YouTube gelöscht. Bei den Streamingdiensten wie z.B. Spotify ist der Track aber noch erhältlich. Wir haben Fabers Management um eine Stellungnahme gebeten, aber bisher haben wir keine Antwort erhalten.

Kaum ein deutschsprachiger Pop-Newcomer wird derzeit so in den Himmel gehoben wie Faber, der Charmebolzen mit rauer Stimme. Politisch nicht korrekt aber auf der richtigen Seite. Viele dichten dem Schweizer eine künstlerische Abstraktion oder ironische Provokation an. Einige halten ihn für den größten Pop Lyriker unserer Zeit. Ich sage: Bullshit! Für mich ist Faber ein Paradebeispiel wie weißer, männlich-vulgärer Antifaschismus in die Hose gehen kann. In seinem neuen Musikvideo zu „Das Boot ist voll“ offenbart uns Faber jedoch auch wie destruktiv man sich mit dem Thema Rassismus auseinandersetzen kann. Schwarz vermummte Reiter jagen besorgte Bürger und schlachten diese ab. Eine Anspielung auf die apokalyptischen Reiter. Halt gemacht wird erst bei dem Bild, wo ein kleiner Junge vermeintlich mit einer Lanze durchbohrt wird. Die Reiter wie auch das ganze Musikvideo ist mit Symboliken überladen, die einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Wie immer bei Faber: Interpretationsspielraum let`s go. Das Abschlachten einer Frau mit einem Aktenkoffer, indirekt durch Blutspritzer des Sonnenschirms zu zeigen, ist für Faber wiederum kein Problem. Man könnte nun sagen: Chapeau Faber. Provokation gelungen. Als weißer Urlauber fühle mich provoziert oder zumindest machen die Bilder etwas mit mir und lassen auch die eigene unreflektierte Dekadenz, die Ignoranz und strukturellen Rassismus hinterfragen. Nur stellt sich für mich die Frage, was derartige Gewaltfantasien bei diesem Thema verloren haben. Egal welche Intention sie verfolgen.

Faber Musikvideo „Das Boot ist voll“ (Screenshot Youtube)
Faber Musikvideo „Das Boot ist voll“ (Screenshot Youtube)

Auch wird ein Bild des besorgten Bürgers gezeichnet, das an Primitivität nicht zu übertreffen ist. Der weiße, fette Deutsche, Bild-Zeitung lesend am Strand, der auf den schwarzen Kellner wartet, welcher ihm schwitzend einen Cocktail mit Frucht und Schirmchen serviert. Schon mal darüber nachgedacht, dass rechte Trolls, AfD-Wähler und „Das Boot ist voll“- Anhänger, durchaus auch smarte, intellektuelle Nachbarn von nebenan sein können? Der ehemalige Chef eines der mächtigsten Sicherheitsorgane, des Verfassungsschutzes, Georg Maßen, hat sich erst kürzlich und endgültig durch seine Entgleisungen auf Twitter als rechtsextremer Troll demaskiert. Völlig absurd ist, dass nachdem der besorgte Bürger in seiner Komplexität (nicht), die Gestalt eines jeden Familienmitgliedes angenommen hatte, nun nicht nur bildlich vernichtet wird, sondern auch noch ungewollt Fabers Schwanz in den Mund nehmen darf. Das wiederrum wird im Video weder direkt noch indirekt gezeigt. Respekt Faber, für diesen Kunstgriff. Blowjob als Drohung. Ist mir ehrlich gesagt fremd.

Der Chorus lautet:

„Besorgter Bürger‚ ja

Ich besorgs dir auch gleich

Geh auf die Knie wenn ich dir meinen Schwanz zeig

Nimm ihn in den Volksmund

Blond‚ blöd‚ blau und rein

Besorgter Bürger, ja, ich besorgs dir auch gleich“

Tut mir leid, wenn ich dem neuerdings provokanten Burschen sein Talent zur Abstraktion jetzt abspreche. Aber der Volksmund als Analogie macht die abstoßende Rhetorik nicht wieder wett. Auch wenn das Video durchaus wichtige und gelungene Passagen mit sich bringt, sexualisierte Gewalt ist in keinem Fall cool. Sie gegen Rassismus einzusetzen ist geradezu perfide. Aber auch in der Vergangenheit hatte Faber nicht einfach nur politisch unkorrekte Texte, sondern zutiefst sexistische Songs. Seinen größten Hit, „Wem du’s heute kannst besorgen“, habe ich nie wirklich verstanden. Gerne lasse ich mich aufklären. Der 26-Jährige Faber schlüpft in die Rolle eines notgeilen, widerlichen alten Sacks, der kein Problem damit hat, Minderjährige zu verführen. Daniel Gerhardt hat einmal in der Zeit geschrieben, dass Fabers Texte auf schlaue Weise dumm seien. Für mich ist das immer noch dumm. Ich sehe weder einen Bruch noch einen Sinn. Was möchtest du zeigen Faber? Dass Misogynie auch im charmanten, rauen und jungen Charme und dem Duft von Old Spice daherkommen kann? Der weiße Popmacho am Newcomer Himmel. Warum funktioniert das überhaupt. Warum grölen die Kids auf Festivals wie dem Hurricane bei einem Faber Gig Textpassagen wie „Du bist zwar erst sechzehn, doch komm wir drehen Sexszenen“ mit. Mich überrascht das nicht. Durch die Wortgewandtheit heuchelt Faber einen tieferen Sinn vor. Der existiert nicht. Den Leuten ist es egal. Sie grölen auch „Du verdammte Hure“ des narzisstisch gekränkten und unreifen Felix von Kraftklub mit. Kommt mal bitte klar, Leute.

Trotzdem soll die Kritik an Faber in keinster Weise die Relevanz der Themen diskreditieren, die er anspricht. Es ist Fakt, dass bei uns die Sonne da untergeht, wo andere ertrinken. Bei Faber ist es die blutrote Sonne im Mittelmeer. Auf seiner Website liest man: »Es ist untragbar für eine Gesellschaft, wenn es auf die Frage, ob man Ertrinkende retten sollte, überhaupt zwei Antworten gibt.« Eine Haltung die ich zu 100% teile.

Die Diskussion um Faber ist übrigens nicht neu. Jan Müller von Tocotronic hatte sich erst kürzlich auf Instagram über den Auftritt von Faber beim Maifeld Derby beschwert.