
Banksy war lange mehr als nur ein Name. Eher ein kollektives Rätsel, ein Phantom mit Schablone, dessen Werke über Nacht auftauchten – und ebenso schnell wieder verschwinden konnten. Gerade diese Anonymität machte einen großen Teil der Faszination aus: Kunst ohne klaren Absender, dafür mit umso klarerer Haltung.
Nun legt eine umfangreiche Recherche der Nachrichtenagentur Reuters nahe, dass sich hinter Banksy mit hoher Wahrscheinlichkeit der Brite Robin Gunningham verbirgt. Die Journalisten stützen sich dabei auf eine Vielzahl von Indizien – darunter Reisebewegungen, Zeugenaussagen und ein dokumentierter Polizeikontakt in New York.
Ganz neu ist diese Spur allerdings nicht. Immer wieder wurde in der Vergangenheit auch über eine Verbindung zur Musikszene spekuliert – insbesondere rund um Robert Del Naja von Massive Attack. Del Naja, selbst früher als Graffiti-Künstler aktiv, wurde über Jahre hinweg mit Banksy in Verbindung gebracht, unter anderem weil sich Tourdaten der Band auffällig mit dem Auftauchen neuer Werke überschnitten. Bestätigt hat sich das nie – und auch die Reuters-Recherche legt sich hier nicht fest, zeigt aber, wie hartnäckig sich diese popkulturelle Nebenlinie gehalten hat.
Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass Banksy längst nicht mehr nur ein einzelner Künstler ist, sondern Teil eines komplexen Geflechts: Firmenstrukturen, ein streng kontrolliertes Authentifizierungssystem und ein globaler Kunstmarkt, in dem seine Werke für Millionen gehandelt werden.
Offiziell bestätigt ist die Identität weiterhin nicht. Und vielleicht ist genau das entscheidend. Denn unabhängig davon, wie belastbar die Recherche ist, bleibt Banksy eine Figur, die sich bewusst der vollständigen Auflösung entzieht. Sein Umfeld widerspricht Teilen der Darstellung – und verweist auf die Bedeutung der Anonymität als Schutzraum für künstlerische und politische Aussagen.
Was bleibt, ist ein leicht schaler Beigeschmack. Sollte das Rätsel tatsächlich gelöst sein, verliert die Kunst nichts von ihrer Aussagekraft – aber ein Teil ihres Zaubers könnte verblassen.
Banksy war nie nur das Bild an der Wand. Banksy war immer auch die Frage: Wer steckt dahinter?
Vielleicht ist es genau diese Frage, die jetzt ein Stück weit verschwindet.
Apropos Massive Attack: Massive Attack spielen im Sommer, am 7. Juni 2026 ein exklusives Deutschland Konzert in der Zitadelle Spandau. Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Robert Del Naja beim Primavera Sound Festival in Porto. Dort sind Massive Attack Headliner neben The xx und den Gorillaz.