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Album der Woche: Ahzumjot – Luft & Liebe (Kritik)

Vielen Künstlern tut es nicht gut, auf die Fresse zu fallen. Sich nach einem kreativen Fehlschlag wieder zu berappeln, kostet Energie und braucht Vision, und gerade letztere ist halt manchmal auch einfach aufgebraucht, sogar wenn man sich noch so früh in seiner Karriere befindet wie Ahzumjot 2014. Protegiert von Casper und flankiert von Cro mauserte sich der Hamburger mit seinem eigens zusammengebastelten Album „Monty“ im Gepäck zu einer der großen Hoffnungen im deutschen Hip Hop, als sich die Aufbruchsstimmung auch tatsächlich noch nach Aufbruchsstimmung anfühlte und es generell als Neuigkeit galt, dass nicht jeder Deutschrapper deine Mutter ficken will.

In der Folge verzettelte sich Ahzumjot jedenfalls in großem Stile: Die Arbeit am Nachfolger und Major-Debüt „Nix mehr egal“ schluckte drei Jahre, das Ergebnis klang weniger als halbgar. Die Presse klatschte irgendwie aus Höflichkeit, aber das Schockierende an dem Album war ja gerade, dass die Platte nicht scheiße, sondern einfach egal war. Es ist nicht ganz unwichtig, diese Geschichte im Hinterkopf zu behalten, da sie unterstreicht, wo Ahzumjot im Jahr 2017 angelangt ist, nämlich wieder bei Freereleases, denen so langsam die Ficks zum geben ausgehen und die genau damit alles richtig machen.

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„Luft & Liebe“ ist die vierte Gratis-Veröffentlichung in Folge und das fünfte Kompendium, das Ahzumjot überhaupt in den vergangenen 18 Monaten raushaut. Lange nicht alle Versuche konnten vollends überzeugen, aber das scheint hier ohnehin nicht der Anspruch zu sein. Außerdem lebte auch „Monty“ weniger von seiner Perfektion als von einem gewissen Wagemut, der auch mal den merkwürdigen Effekt, den bizarren Refrain und die krude Line in Kauf nahm, nur um nicht das nächste langweilige Release abzuliefern. Nach der forschen EP „Die Welle“, die in Kooperation mit Lance Butters entstand, ist nun anscheinend mal wieder Zeit für ein Album, dass sich an einer ähnlichen Herausforderung versucht und dabei eine erstaunlich runde Sache geworden ist.

Möglicherweise liegt das auch an dem klar abgesteckten Themenkreis, in dem Ahzumjot sich derzeit bewegt: Liebe für das eigene Team, Selbstzweifel, Hingabe an das Spiel und Verachtung für alle anderen. Ausgeteilt wird vor allem auf den Tracks, die Gäste bereithalten: Casper bricht sein Schweigen und bringt einen seiner bretternden Parts auf dem gradlinigen „Limbo“ unter, während mit Chima Ede ein aktueller Hoffnungsträger auf dem ebenfalls kratzbürstigen „Lowkey“ austeilt. Das Beste an diesen beiden Parts ist jedoch, dass sie trotz ihrer Stärke nicht zu den Höhepunkten des Albums zählen. Die hat Ahzumjot als kreativer Kopf alleine zu verantworten, vor allem dann, wenn Produktion und Rap so schön ineinandergreifen, wie es der verspulte Titeltrack vormacht.

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In Sachen Beats platziert sich Ahzumjot erneut geschickt zwischen eigener Handschrift und klaren Bezügen zum Zeitgeist. Statt vager Dubstep-Bezüge stehen an dieser Stelle mittlerweile natürlich Cloud Rap und Trap im Raum, woraus auf „Luft & Liebe“ jedoch ein ganz eigenes, verspieltes Klangbild entsteht, sei es nun der Autotune-Pseudo-Soul des Openers „Alles“, das düster-sphärische „Lowkey Edit“ oder der potentielle Hit „Geh Nicht“, durch den man dezent die Musik der Party-Hochburgen dieser Welt hallen hört, ohne sich dabei irgendwie in diese Richtung anzubiedern.

Was Ahzumjot hingegen noch immer nicht ganz losgeworden ist, ist sein Pathos-Problem: Schon auf früheren Alben gestaltete er seine Gesten gerne eine Nummer zu groß, verlieh seinen Worten ein bisschen zu viel Gewicht oder trug in den  Beats einfach zu dick auf. Was jedoch gerade auf „Luft & Liebe“ auffällt, wo das – neutralst möglich gemeinte – Selbstmitleid ja gerade in Songs wie „KDDDV“ eine zentrale Rolle einnimmt, ist, wie gut Ahzumjot mittlerweile mit dieser Emotionalität umgehen kann, die ja immer auch ein großes Plus seiner Musik war. Gestützt von der versierten Produktion kanalisieren die Songs ihre Themen ganz anders, so dass sich käsige Lines leichter in Kauf nehmen lassen. Und selbst wenn nicht: Auf „Luft & Liebe“ liegt lange nicht mehr der Fluch, irgendwem irgendwas beweisen zu müssen. Und das ist anscheinend exakt die Situation, in der Ahzumjot seine Stärken am besten ausspielen kann.

„Luft & Liebe“ erschien am 06.03. im Eigenvertrieb als Freedownload und im Stream.

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Sebastian
Aus Saarbrücken, in Münster, immer auf Testspiel, manchmal auch hier: http://mordopolus.tumblr.com/

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