Start Musik Ab auf die Insel! Sziget Festival 2018 (42 Bilder)

Ab auf die Insel! Sziget Festival 2018 (42 Bilder)

Sziget Festival 2018 (alle Fotos: Björn Buddenbohm)

Zurück von einer Woche Sziget Festival, sind wir immer noch dabei irgendwie klarzukommen. Es war auch im mittlerweile 26. Jahr ein großes Fest mit über 1.000 Shows auf 60 Bühnen und einem sehr breiten Line-up. Insgesamt begrüßte das Sziget Festival auf der Donauinsel bei Budapest an den sieben Tagen 565.000 „Szitizens“ und zählt damit zu den größten in Europa.

Line-Up

Die für uns interessanten und von der Redaktion geschätzten Künstler verteilten sich über die komplette Woche. So waren jeden Tag zumindest 2-3 Acts dabei, die man sich nicht entgehen lassen wollte oder sollte. Die Zwischenzeit konnte man leicht mit den zahlreichen internationalen und lokalen Künstlern aller Stilrichtungen überbrücken. Davon sind uns allerdings nur wenige in nachhaltiger Erinnerung geblieben.

Begeistert hat Kendrick Lamar am ersten Tag leider nicht. Eher lustlos knapp 50min zu spät, fiel sein Auftritt als DER Headliner eher kurz und solide aus. Dafür war der 2. Tag dicht gepackt. Die Vorfreude auf WhoMadeWho (Konzert bei Arte Concert), Unknown Mortal Orchestra und Bonobo wurde dann live nicht enttäuscht. Lediglich der Auftritt der Gorillaz fiel nach den letzten großartigen Hallenkonzerten, etwas zu konventionell aus. Das konnte das Mitmischen von De La Soul am Ende auch nicht wirklich ändern.

Tag 3 stand für uns ganz im Zeichen von Bilderbuch, die angeführt von Sänger Maurice, wie gewohnt eine begeisternde Show auf die Bühne brachten (Konzert bei Arte Concert). Für uns eh einfach eine der besten deutschsprachigen Livebands. Zeitgleich hatte Lana Del Rey ihren umjubelten und wohl auch sehr theatralischen Auftritt auf der Hauptbühne. Leider oder zum Glück haben wir den verpasst.

Bilderbuch

Am Samstag kam dann die ersten Hamburger Künstler zum Zug. Chefboss hatten nicht nur ihre hervorragende Tanzcrew am Start, sondern auch ihr Filmteam mitgebracht. Ein paar Szenen von dem Auftritt werden also in Kürze sicher noch in der ein oder anderen Form zu sehen sein. Die Party auf und vor der Bühne konnte sich auf jeden Fall sehen lassen. Musikalisch konnten uns danach auch noch Everything Everything und Fink (Konzert bei Arte Concert) überzeugen, die mit ihren Landsleuten Bastille und Mumford & Sons, um das Publikum ringen mussten. Stimmungshighlight des Abends waren für uns aber LaBrassBanda. Oft gesehen (immer begeistert), sicher musikalisch Geschmacksache aber live einfach eine Bank und sehr festivaltauglich.

Liam Gallagher, unerwartet pünktlich, hatte am Sonntag seinen Slot, den er zur Freude des Publikums eher mit Oasis Hits, als mit seinen Solosachen füllte. Trotz der vielversprechenden Setlist und guter Begleitband, allerdings eher ein solider Auftritt. Vor Monaten in Hamburg leider noch verpasst, konnten King Gizzard & The Lizard Wizard uns dann bei dieser Gelegenheit sehr begeistern.

Während sich am Montag dann die erfolgreichen Radiopop-Künstler MØ, Shwan Mendes und Kygo die Klinke in die Hand gaben, feierten wir natürlich lieber unsere Jungs aus Hamburg. Auf der European Stage folgte auf Kettcar am späten Abend dann die Meute. Letztere mit großem Publikumsinteresse, was sicher nicht nur der Qualität, sondern auch der Festivalkompatibilität der Musik und Band geschuldet war. Bleibt noch Little Dragon zu erwähnen, die wir nur noch kurz gesehen haben. Das reichte aber, um uns von der aussergewöhnlichen Stimme und Bühnenpräsenz von schwedisch-japanischen Sängerin Yukimi Nagano überzeugen zu können.

Nach soliden 6 Tagen mit 30-35 Grad und Wolkenlosigkeit braute sich vor dem Auftritt von The War on Drugs einiges über Budapest zusammen und regnete dann auch in Strömen ab. Sehr schade, denn sie waren tatsächlich in der Lage, die Hauptbühne mit sattem Sound und schöner Setlist zu bespielen. Leider sahen das am letzten Tag des Festivals und wegen dem Unwetter nur verhältnismäßig wenige Leute. Zum Glück kommen sie im Laufe des Jahres auch noch mal zu mehreren Terminen nach Deutschland. Auf keinen Fall verpassen.

The War On Drugs

Publikum

Publikum: Sehr gemischt was Alter und Herkunft betrifft. Tendenziell aber eher Anfang/Mitte Zwanzig. So erreichte die Stimmung auch regelmäßig bei eher mainstreamiger und poppiger Musik ihren Höhepunkt. Für das Kernpublikum wurde so mit den schon erwähnten Acts auch sehr viel elektronisches und tanzbares geboten, insbesondere auf den kleinen Dancefloors, die über die gesamte Insel verteilt waren.

Organisation

Hier merkt man die langjährige Erfahrung. Es mangelte trotz über 100.000 Besuchern an den Spitzentagen weder an Gastronomie, Dixies, noch Platz zum Entspannen. Trotz des großen Andrangs bei der An- und Abreise mit Zug, Taxi oder sogar Boot, hielten sich die Wartezeiten meist auch in einem erträglichen Rahmen (je nach Transportmittel und Tageszeit (30-60min vom/zum Stadtzentrum).

Fazit

Das Sziget ist ein großartiges und sehr vielschichtiges Festival. Es begeistert weniger durch die Vielzahl und Dichte von interessanten Bands oder Acts, sondern eher durch die Atmosphäre im Ganzen. Es gibt einfach so viel neben den Bühnen zu machen und zu entdecken. Ausserdem war die Atmosphäre, trotz der vielen Leute, der Hitze und und des hohen Alkoholdurchlaufs durchweg friedlich.

Als Festivalgänger sollte man das Sziget auf jeden Fall einmal gesehen haben. Zumal die Nähe zum Stadtkern von Budapest einmalig ist, d.h. vorm Festival noch die hiesige Café Szene abchecken, dann zum Festival und wenn man nicht auf einem der zahlreichen Dancefloors die Nacht durchtanzt, nochmal in eine der berühmten Ruina Bars in Budapest.

Die Reise zum Sziget Festival wurde vom ungarischen Tourismusministerium und Factory92 finanziert und organisiert. Testspiel bedankt sich für die erneute Möglichkeit.