Der Täubling live im Hamburger HÄKKEN (alle Fotos: Stefan Franke/Instagram: @tidephoto_com)

21:00 – Das HÄKKEN ist kaum gefüllt. Schaulust und Unsicherheit füllen gleichermaßen die Gesichter der Anwesenden.

21:05 – Der Support-Act legt sein DJ-Set auf. Irgendetwas zwischen Jungle, Drum n Bass und dem Wunsch mehr aus den Beats zu machen, als sie sind. Die mittlerweile angewachsene Zuschauerschaft weiß nichts Genaueres mit dem Dargebotenen anzufangen. Stellenweise wird versucht zu tanzen, was aufgrund der sich stetig ändernden Rhythmik schwer fällt.

22:04 – Ein Jüngling, nur mit kurzer Sport-Shorts und langen Tennissocken bekleidet, kommt auf die Bühne. Er trägt mit eingefrorener Miene eine Flasche Sekt und beginnt Zitronen in Schnitze zu schneiden. Auftritt: Weinbrand Babsi.

22:05 – Eine hagere Figur mit verstörender Hasenmaske, Nadelstreifen-Hose, weißem Hemd und Anzugweste schleppt sich auf die Bühne. Auftritt: Der Täubling.

Wie es scheint ist Weinbrand Babsi nicht nur zum Zitronenschneiden gut.

Ab diesem Zeitpunkt ist jedem im HÄKKEN klar, dass hier etwas stattfinden wird, das weder Konventionen noch Klischees erfüllt. Da doch eher eigene schafft. Hat der Täubling Bock auf die Leute? Nein. Ist es genau das, was alle wollen? Ja. Niedertracht, Misanthropie, Eloquenz. Drei Worte, die den Auftritt des Täublings bestens beschreiben.

Zitronenschnitze für alle!

Neben all der Show, der zu 100% durchgezogenen Darbietung einer überstilisierten Rolle – jedenfalls bleibt das zu hoffen – steht natürlich auch noch Musik. Deutschrap des selbsternannten Genres „Schlimmbeleidigung“. Schizophrenes Rap-Tourette, Texte zwischen lyrischer Anmut: Wie soll ich Pazifist sein, wenn mein Herz schon schlägt? und Ketten aus Worten mit zweifelhaftem Inhalt: Gib mir all dein Geld! Dafür gebe ich Dir die Überraschungseier-Figuren, die ich doppelt habe.

Der Zusammenbruch bahnte sich den gesamten Abend an.

Man könnte sich jetzt auf Interviews und Interpretationen anderer, beinahe daran verzweifelter Journalisten, berufen, um dieser knapp 42 minütigen Darbietung der Aktionskunst mehr Sinn zu geben – aber warum, wenn alles schon auf dem Silbertablett serviert für sich steht?

Video (nichts für Schwache nerven)