StartMusikMassive Attack x Tom Waits veröffentlichen „Boots on the Ground“ – düsteres...

Massive Attack x Tom Waits veröffentlichen „Boots on the Ground“ – düsteres Statement statt Comeback-Single

Bei Massive Attack verschwimmen gerade die Grenzen zwischen politischer Aktion und Release-Strategie.

Nur einen Tag nachdem Frontmann Robert Del Naja in London bei einer Protestaktion festgenommen wurde, tauchen plötzlich kryptische Teaser auf: „Boots on the ground“, dazu Hashtags wie #NoWar, #IceOut und ein Datum – 16.04.

Zufall? Eher nicht.

Denn Massive Attack haben ihre Kunst schon immer als politische Plattform verstanden. Doch selten wirkte die Verzahnung von Realität und Kommunikation so direkt wie jetzt: Auf der einen Seite reale Festnahmen bei einer hochpolitischen Demonstration, auf der anderen Seite eine Bildsprache, die bewusst militärische Begriffe aufgreift – und gleichzeitig unterläuft.

„Boots on the ground“ ist ein Begriff aus dem Vokabular militärischer Intervention. #NoWar kontert das offen. Dazwischen: #IceOut – ein möglicher Projektname oder Code für etwas, das größer ist als ein klassischer Release-Zyklus.

Neue Musik?
Eine Kampagne?
Eine künstlerisch-politische Intervention?

Aktuell ist alles offen. Klar ist nur: Das Timing wirkt zu präzise, um zufällig zu sein.

Update (16.04.): „Boots on the Ground“ ist erschienen.

Jetzt ist es offiziell: Massive Attack haben gemeinsam mit Tom Waits den Track „Boots on the Ground“ veröffentlicht – ihren ersten neuen Song seit 2020.

Soundlich bleibt das Stück so sperrig wie angekündigt: ein schleppender, düsterer Beat, darüber die brüchige, beschwörende Stimme von Waits. Statt klassischer Songstruktur entsteht ein bedrückendes Spoken-Word-Gebilde. Die Lyrics sind dabei deutlich expliziter, als es die ersten Eindrücke vermuten ließen: Massive Attack und Waits zeichnen ein zynisches Bild von Soldaten als Material, sprechen in bewusst roher Sprache über Körper, Gewalt und Macht – und lassen den Song in einer bitteren Pointe enden, in der vom Menschen nichts bleibt außer „boots on the ground“.

Inhaltlich ist der Kontext jetzt ebenfalls klarer: Die Veröffentlichung folgt unmittelbar auf die „No Kings“- und Anti-ICE-Proteste in den USA, die sich gegen staatliche Repression, Militarisierung und autoritäre Tendenzen richteten. Massive Attack selbst sprechen von einer „Atmosphäre des Chaos“, in der sich staatlicher Autoritarismus und neo-faschistische Politik erneut miteinander verbinden.

Auch jenseits des Songs setzen sie ein Statement: Künftige Releases sollen nicht mehr über Spotify erscheinen (wieder ein Grund mehr zu Apple Music oder einem anderen Dienst zu wechseln). Stattdessen wird „Boots on the Ground“ über andere Plattformen veröffentlicht und am 31. Juli zusätzlich als 12″-Vinyl, deren Erlöse an Bürgerrechtsorganisationen gehen.

Für Tom Waits ist der Track zudem ein seltenes Lebenszeichen: Es ist seine erste neue Veröffentlichung seit „Bad As Me“ (2011). Dass seine Stimme hier wie ein müder Chronist durch die Trümmer führt, wirkt dabei weniger wie ein Feature – und mehr wie ein bewusst gesetzter Kommentar zur Gegenwart.

Begleitet wird die Single von einem Video des US-Fotokünstlers thefinaleye, das mit dokumentarischen Bildern von Polizeigewalt und gesellschaftlichen Spannungen ein entsprechend düsteres Panorama zeichnet.

Damit wird endgültig klar: „Boots on the Ground“ ist kein klassischer Release, sondern ein vielschichtiges politisches Statement – musikalisch, visuell und strategisch.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Update (15.04.):
Inzwischen verdichten sich die Hinweise: Das Projekt ist offenbar eine Kollaboration mit Tom Waits. Zudem sind bereits erste Pre-Save-Links bei Streamingdiensten aufgetaucht – ein starkes Indiz dafür, dass tatsächlich neue Musik unmittelbar bevorsteht.
Die Kombination aus Massive Attacks politischem Anspruch und der rauen, ikonischen Stimme von Waits lässt auf ein entsprechend düsteres, eindringliches Ergebnis schließen.

Massive Attack haben nie einfach nur Alben veröffentlicht.
Und gerade sieht es so aus, als würden sie wieder genau dort ansetzen, wo es unbequem wird.