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„Wir versuchen immer, dass unser Sound interessant bleibt“ – Interview mit Dylan vom Tiny Moving Parts

Seit ihrer Split-Ep mit Old Grey haben sich Tiny Moving Parts in mein Herz gespielt. Das Trio aus Minnesota siedelt sich zwar mit Bands wie Modern Baseball oder The Front Bottoms im “Emo Revival” an, hat ihrem Sound durch Dylan Mattheisens – Sänger und Gitarrist der Band – Spielart noch einen weiteren musikalischen Twist verliehen. Dieses Jahr sind sie auf großer Tour durch die halbe Welt, ein paar Tage vor ihrem Konzert in Hamburg hatte Dylan einen Moment Zeit, mir am Telefon ein paar Fragen zu beantworten.

Ihr seid gerade noch in England, nächste Woche geht’s dann auf’s europäische Festland – wie läuft die Tour bisher für euch?

Es läuft verdammt gut! Wir haben so viel Spaß auf der Tour, die Show sind größtenteils ausverkauft. Gestern haben wir in London vor 500 Leuten im The Dome gespielt, das war eine großartige Erfahrung. Wir freuen uns riesig hier in Europa zu sein.

Das Jahr 2018 scheint wirklich euer Jahr zu sein. Mit “Swell” habt ihr ein neues Album veröffentlicht, fast die komplette Tour ist ausverkauft und ihr habt ein eigenes Bier auf den Markt gebracht – wie fühlt sich das an?

(Lacht) In erster Linie fühlt es sich an, als wenn sich all die harte Arbeit auszahlt. Wobei ich ganz klar sagen muss, dass es sich nicht wie Arbeit für uns anfühlt. Wie lieben, was wir machen. Egal ob die Musik oder das ganze Touren. Wir sind einfach sehr dankbar und glücklich, dass wir diese Möglichkeit haben!

Dass ihr Spaß habt, sieht man auch gerne und viel auf eurem Instagram-Account. Ich hab mich mal ein wenig umgeschaut und bin auf ein Foto von Dir gestoßen. Spielst Du immer noch dieselbe Gitarre?

HAPPY BIRTHDAY DYLAN!!!! 🎉🎸🏀✨

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(Lacht) Ja, das ist wirklich dieselbe Gitarre! Sie ist mein Baby. Ich habe sie damals zu meinem 17. Geburtstag bekommen, also ist sie mittlerweile 9 Jahre alt. (Lacht) sie hat mittlerweile einiges miterlebt. Ich musste sie vor ein paar Tagen erst wieder reparieren lassen, weil irgendwas mit der Verkabelung nicht gestimmt hat. So langsam wird sie immer mehr zu einer Frankenstein-Gitarre: Neue Tuning-Pegs, das Tremolosystem war ein Totalschaden, alle Schrauben waren vom Schweiß und Blut verrostet, deshalb mussten wir neue Löcher bohren – was soll ich sagen, ich liebe diese Gitarre einfach! Sollte ich sie, warum auch immer, irgendwann mal verlieren, wäre das ein echtes Drama.

Als eure Shows als Support von Knuckle Puck letztes Jahr abgesagt wurden, was das ein kleines Drama für mich. Grund war, dass Joe (Sänger Knuckle Puck) sich auf seine psychische Gesundheit konzentrieren wollte. Es wird immer offener mit derartigen Problemen umgegangen, siehst du da eine Entwicklung?

Es war echt Schade, dass die Tour gecancelt wurde, aber sowas geht definitiv vor! So wie es aussieht, ist Joe mittlerweile aber wieder soweit gesund, dass es für die Band weitergehen kann und das ist cool!
Zum Glück gehen mittlerweile immer mehr Menschen offen mit dem Zustand um, in dem sie sich befinden. Es gibt Viele, die an Angstzuständen und Depressionen leiden. Ich würde sogar sagen, dass jeder eine gewisse Form von Angst mit sich rumträgt und deshalb gibt es auch einfach diese Verbindung zur Musik. Die Songs bedeuten den Hörern dann sehr viel und in unserem Fall geht’s uns genauso. Es ist schön, zu verstehen und verstanden zu werden. Am Ende sind wird alles gut, weil wir das gemeinsam durchstehen.

Freundschaft ist auf jeden Fall ein Thema, dass sich durch eure Diskographie zieht. Wenn man sich euren Output chronologisch anguckt, gibt es meiner Meinung nach eine klare Entwicklung. Gab es einen Punkt, an dem ihr euch entschieden habt, in welche Richtung es gehen soll oder war das eher ein natürlicher Prozess?

Wir versuchen immer, dass unser Sound interessant bleibt. Wenn es ums Schreiben geht, machen wir einfach das, was wir schon immer gemacht haben. Unser Ziel ist es, nicht einen großen Hit auf die Platte zu packen und danach wird das Album dann langweilig und plätschert so dahin. Jeder Song bekommt bei uns die gleiche Liebe und Aufmerksamkeit, sodass nachher alles zusammenpasst. In der Regel gibt’s dann auch am Ende keine großen Änderungen mehr.

Und wie hat sich das Schreiben der Texte für dich verändert? Man entwickelt sich ja auch weiter, woher holst du dir deine Inspiration?

Das klingt jetzt sehr nach einem Klischee, aber meine größte Inspiration ist halt das Leben. Wenn ich Texte schreibe, dann fühlt sich das irgendwie immer natürlich und richtig an. Manchmal fühlt man sich eben einfach niedergeschlagen und ist traurig, dann geht’s darum positiv zu bleiben. Für mich gehört das einfach zum Leben dazu. Texte zu schreiben ist für mich auch einfach ein Ausgleich. Früher habe ich das nicht wirklich in der Form gesehen; je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass es sich gut anfühlt all die Sachen aufzuschreiben und so zu verarbeiten.

Wenn man jetzt die Genre-Schublade aufmachen will, geht’s für Euch schon in die “Emo Revival”-Richtung. Hört ihr die anderen Bands aus der Bewegung oder habt ihr ganz andere Einflüsse?

In der Emo-Szene haben wir viele Freunde und die hören wir auch. Bands wie Modern Baseball, The Front Bottoms oder PUP. Dann sind da aber auch Artists wie Paramore. Oder Florida Georgia Line, (lacht) das ist eher Country, allerdings hören wir die eher ironisch. Das fühlt sich immer ein wenig an, wie wenn man einen echt schlechten Horror-Film guckt, aber trotzdem unterhaltsam ist.

Also gibt es in eurem Hörverhalten ein paar Guilty Pleasures?

(lacht) Oh ja! 100%!

Ich würde gerne nochmal über “Swell” sprechen, genauer noch über das Cover-Artwork. Wie ist es dazu gekommen und was ist die Bedeutung dahinter?

Auf “Swell” geht es darum, sich fehl am Platze zu fühlen, aber sich davon nicht unterkriegen zu lassen. Stattdessen versucht man das Beste daraus zu machen. Die Shaka-Geste, die die Hand auf dem Artwork hat zeigt, dass gerade alles cool ist. Die Zigarette, die sie hält ist aber abgebrochen und der kleine Finger ist abgeschnitten. Es ist also dieses Ding, sich trotz aller Widrigkeiten nicht unterkriegen zu lassen und das Beste daraus zu machen.

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Das Beste aus allem zu machen scheint sich auf jeden Fall zu rentieren. Für die Show im Hamburger headCRASH sind hier in Deutschland einzig noch Karten zu haben. Meine Empfehlung ist somit ausgesprochen – hin da!

Tiny Moving Parts Tour

18.04.18 – Köln – MTC (Ausverkauft)
19.04.18 – Hamburg – Headcrash
20.04.18 – Trier – Lucky’s Luke (Ausverkauft)
23.04.18 – Wien – Arena (AT)

Support: Orchards