
Vince Staples hat sein neues Album „Cry Baby“ nicht einfach veröffentlicht, sondern gleich mit einer beeindruckenden Live-Performance samt kompletter Band gefeiert. Das Konzert aus dem El Rey Theatre in Los Angeles wurde als Livestream übertragen und ist weiterhin vollständig auf YouTube verfügbar – eine gute Gelegenheit, das Album in seiner wohl intensivsten Form kennenzulernen.
Bereits in unseren bisherigen Beiträgen zu den Singles „Blackberry Marmalade“ und „White Flag“ wurde deutlich, dass Staples auf „Cry Baby“ einen anderen Weg einschlägt. Das erste Album nach seinem Abschied von Def Jam erscheint über Loma Vista und markiert den Beginn einer neuen unabhängigen Phase seiner Karriere. Gleichzeitig entfernt sich der Rapper musikalisch ein gutes Stück von klassischen HipHop-Produktionen und setzt stattdessen konsequent auf Live-Instrumentierung.
Genau dieser Ansatz kommt im Livestream besonders eindrucksvoll zur Geltung. Die zehn Songs des Albums gewinnen durch die Band noch einmal an Wucht und Dynamik. Gitarren, Bass und Drums rücken stärker in den Vordergrund, ohne dass Staples‘ präzise Beobachtungen über die gesellschaftlichen Spannungen in den USA an Schärfe verlieren. Viele Zuschauer zeigten sich nach der Übertragung begeistert von der Band und bezeichneten die Songs live sogar als noch wirkungsvoller als auf dem Album.
Thematisch knüpft „Cry Baby“ an die bereits veröffentlichten Vorab-Singles an. „Blackberry Marmalade“, „White Flag“ und zuletzt „Cotton“ verhandeln Rassismus, Gewalt, Machtstrukturen und die fortwährenden Konflikte der amerikanischen Gesellschaft. Staples selbst fasste die Veröffentlichung mit den Worten zusammen: „As the world burns, I have decided to release this album. Thanks for listening.“
Wer sich einen Eindruck von diesem neuen Kapitel im Schaffen des Rappers verschaffen möchte, sollte nicht zuerst zum Albumstream greifen, sondern direkt zur Live-Version. Selten hat man die Gelegenheit, ein frisch erschienenes Album unmittelbar zur Veröffentlichung in einer derart konzentrierten und hervorragend eingespielten Bandbesetzung zu erleben.
Vince against the machine.
Tracklist:
00:01 = Blackberry Marmalade
04:25 = Do You Know The Devil
07:38 = Go! Go! Gorilla
14:01 = The Big Bad Wolf
16:20 = White Flag
21:01 = TV Guide
25:28 = Cotton
30:01 = Only In America
34:49 = Tulsa, OK (Vinyl Exclusive)
39:09 = 7 In The Morning
43:54 = The Running Man