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Toastdawg – Brazivilian Volume 2 (Kritik)

Was sind die ersten drei Dinge, die dir in den Sinn kommen, wenn du Montreal liest? Wahrscheinlich Schnee, Französisch sprechende Menschen und Poutine, wenn du auf Essen stehst, dass deine Leberwerte ordentlich schlackern lässt. Ganz schön absurd also, dass ich in meinem ersten Review für Testspiel über Rap Instrumentals mit brasilianischem und tropischem Einschlag aus eben dieser Stadt schreibe. Etwa anderthalb Jahre nach der Veröffentlichung seiner ersten EP, die Hip Hop und Club Beats mit Samples brasilianischer Musik paarte, hat Toastdawg nun den Nachfolger Brazivilain Volume II bei Bandcamp rausgehauen. Die EP überzeugt vielleicht mich nicht ganz so sehr wie der Vorgänger, ist aber dennoch sehr empfehlens- und hörenswert.

Toastdawg steht für pumpende Bässe und lasermäßige Synthiesounds, die er mit dem charakteristischen Einsatz von Samples verbindet für den Montreals Piu Piu Szene so bekannt ist. Die Szene, welche auch bekannte Acts wie Kaytranada oder High Klassified hervorgebracht hat. Woher der tropische Einfluss kommt, erklärt der große Bevölkerungsanteil Montreals mit karibischen und lateinamerikanischen Background, der den musikalischen Geschmack und Style der Montrealer deutlich mit geprägt hat. Ghislain Poiriers Sound ist aus diesen Kulturen entstanden und auch die Indie-Rocker von Arcade Fire zeigten mit Video zum letzten Album Reflektor erkennbare Referenzen zu haitianischem Voodoo und brasilianischer Samba und Bossa (das gesamte Material des Clips stammte aus dem Film Black Orpheus, der das globale Revival des Bossa anstieß). Win Butler und Regine Chassagne von Arcade Fire sind zudem bekannt für ihre regelmäßigen Veranstaltungen in Montreal, mit denen sie die haitianische NGO Kanpe.org zu unterstützen. Also neben la belle langue, Kälte und Nahrung, die dich garantiert umbringen wird, treffen in Montreal auch viele Kulturen und Stile zusammen, die einen fruchtbaren Boden für Künstler wie Toastdawg bieten.

Aber wie klingt nun dieses Album, fragst du dich? Der erste Track „DeepBreath“ startet mit einem atmosphärischem Jazz-Fusion Gemisch, welches sich angereichert mit Laser Synths und Jungle Sounds in ein hektisches Hip-Hop-Instrumental mit drückenden Kick Drums und treibenden Hi Hats verwandelt, um dann vollkommen im 808 Boom mit einem pulsierenden Synthie-Muster zu enden. Und das ist sowohl die Schönheit als auch die Schwachstelle dieser EP. Die 808? Man hört sie überall. Maschinengewehrartige Hi Hats? Auch. Verspulte Synths? Du hast es erraten. Das alles hört sich an wie eine Reihe von (sehr gut produzierten) Trap Instrumentals. Das ist für mich einer der Gründer, warum mir die bisherigen EPs deutlich besser gefielen: Sie verbanden Toastdawgs Qualitäten als Beatmaker mit den brasilianischen Samples zu einer sehr schmackhaften musikalischen Caipirinha. Genau das, kann ich über Brazivilain Volume II leider nicht sagen kann. Und was ist eine Caipirinha ohne Limette und Zucker? Nicht mehr als ein schlechter Hangover.

Hervorheben möchte ich dennoch „Finale(FIM)“, den für mich stärksten Track der EP, welcher eine ernsthafte Verneigung vor J Dilla ist, der mit seinem Schaffen die Piu-Piu Szene elementar beinflusst hat. Während Gastrapper Illa J smoothe Reime über weibliche Vocalsamples abliefert und eine sanfte Synthieline im Hintergrund flattert, schafft der Track die spürbar größte Brücke nach Brasilien und kommt so an die Qualität der ersten EP heran.

In vielerlei Hinsicht verkörpert Toastdawg in sich viele Aspekte Montreals: elektronische Beats, tropische Einflüsse und ein frischer Umgang mit der Vereinigung dieser Elemente. Auch wenn Brazivilain Volume II keine perfekte EP ist, bietetet sie einen guten Einstieg, um sich mit Toastdawgs vorangegangen Veröffentlichungen zu beschäftigen.

„Brazivilian Volume 2“ Albumstream

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Assaf
Beatverliebter Kanadier und erster Testspiel Auslandskorrespondent.

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