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„Wir wollten aber auch nie berühmt werden…“ – Im Interview mit Everyone Everywhere

So grob um den Jahreswechsel hatte ich eine Idee: Warum bitte ich nicht einfach mal ein paar Bands um Interviews, die mich geprägt haben. Komplett ohne aktuellen Aufhänger wie Touren oder neuer Musik. Gut, klingt nicht sonderlich verrückt – da schon eher, dass mir auf meine erste Anfrage über die Bandcamp-Seite von Everyone Everywhere prompt geantwortet wurde.

Everyone Every-wer? Unter den Vertretern der New Wave of Emo sind und waren Everyone Everywhere für mich immer verkannt. Wer sich mit der Musikrichtung auch nur entfernt auskennt, dem sind Touché Amoré, Into It. Over It., Tiny Moving Parts, Foxing, etc. ein Begriff. Nur das Quartett aus Philadelphia schien nie wirklich auf dem Wellenkamm angekommen zu sein. Und das, obwohl gerade das zweite und letzte Album durch seinen ungefilterten und stellenweise experimentellen Sound oftmals frischer klingt, als bei der Konkurrenz.

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Mal verspielte Gitarren-Melodien, dann prescht das Schlagzeug wieder nach Vorne und über allem der Gesang von Brendan McHugh mit Texten zwischen Alltag und Herzschmerz. Umso schöner, dass eben Brendan mir für ein paar Fragen Antwort stand. Fragen, die mich schon seit Jahren immer wieder quälen – denn irgendwie komme ich immer wieder zurück zu genau dieser Band.

Fünf Jahre ist es her, dass ihr neue Musik veröffentlicht habt, vier davon war es generell ziemlich still um euch – was habt ihr in der Zeit getrieben?

Alles und nichts, wenn ich ehrlich bin. Wir haben alle in verschiedenen Städten unsere Lebensmittelpunkte aufgebaut. Jeder für sich und da alles mögliche. Kaffee rösten und verkaufen, Filme produzieren, Film-Finanzierungs-Gedöns, klinische Daten-Analyse für Krankenhäuser, Philadelphia 76ers Spiele gucken und darüber fachsimpeln, was bei denen falsch läuft, unseren Haustieren mal wieder mehr Aufmerksamkeit schenken, usw.

Euer Bandname ist auch der Name eurer beiden Alben, wie kam es dazu?

Für mich haben sich Albumtitel oder Bandnamen und vielleicht sogar Lyrics immer recht sinn- und inhaltslos angefühlt. Die beiden Alben als Self-titled rauszubringen fühlte sich wie das Chaotischste und Verwirrendste an, was wir machen konnten. Also haben wir es gleich zweimal getan. Peter Gabriel und Weezer haben das auch gemacht, also sind wir in guter Gesellschaft.

Auf eure Veröffentlichungen rückblickend gefragt: Wie würdest du eure Musik beschreiben?

Wir hatten einen eigenartigen Sound, der vielleicht gar nicht mal so gut zu dem vergleichbarer Bands gepasst hat. Ich weiß nicht genau, wie ich es besser beschreiben soll. Wir haben interessante Musik geschrieben, die eine ganz eigene Energie hat. Die zweite LP ist meiner meiner Meinung nach dabei viel besser als die erste.

Ihr habt Becher mit aufgedruckten Bechern als Merchandise – warum?

Wir wollten eigentlich Becher mit einem Text drauf, also haben wir einen Entwurf an die Druckerei geschickt. Allerdings haben die scheinbar nicht verstanden, dass der Entwurf nicht das Motiv war, also ist am Ende das dabei herausgekommen. Dann haben wir versucht bei unserer Gedenk-Edition den Fehler auszubügeln – der Erfolg war mäßig, wie man sieht.

Wir lieben Kaffee und dachten unsere Fans würden Becher lieben.

Auf eurem Twitter-Profil wirkt es, als wärt ihr nicht die größten Fans von Musik-Labels. Ist das die oldschool DIY-Attitude, die da durch kommt oder etwas anderes?

Bei der Arbeit an unserem ersten Album, in Kooperation mit einem Label, haben wir festgestellt, dass die Presse-Arbeit und das Marketing der schwere Teil sind. Die Musik auf Vinyl zu pressen und zu verkaufen ist dagegen ziemlich einfach. Jedenfalls in dem Umfang, der für uns relevant ist. Sofern man die Kosten für das Studio und anschließend das Pressen aufbringen kann, steht einem Self-Release nichts im Wege. Wir dachten damals, dass wir die Version ausprobieren wollen. Jeglichen Profit nur unter uns aufteilen zu müssen war natürlich auch cool.

Scheinbar genießen viele Bands, die gleichzeitig wie ihr populärer wurden heute größere Beliebtheit also Everyone Everywhere. Musikalisch gesehen kann ich das einfach nicht nachvollziehen! Was denkst du darüber?

Ich denke in der Hinsicht war es nicht zielführend zwei Alben und die Band gleich zu nennen. Jegliches Merchandise mit einem trockenen Joke zu versehen, selten bis gar nicht auf Tour zu gehen, keine Promo zu fahren und das zweite Album eben selbst zu veröffentlichen werden auch nicht geholfen haben. Wir wollten aber auch nie berühmt werden, sodass es schon beinahe amüsant war gegen möglichen Ruhm zu arbeiten.

Trotz dieser Einstellung möchte ich trotzdem fragen: Was halt die Zukunft für Everyone Everywhere bereit?

Sollte ich es jemals schaffen unsere Songs wieder auf der Gitarre zu lernen, spielen wir vielleicht mal wieder eine Show. Falls wir die Daten der alten Alben nochmal zusammen bekommen gibt’s vielleicht auch Re-Releases. Neue Musik wollen wir aber nicht schreiben, der Zug ist abgefahren. Wir haben es vor ein paar Jahren versucht und es hat einfach nicht mehr funktioniert – dafür sind wir immer noch ziemlich enge Freunde!

Tim
Manchmal etwas zu viel von Rob Gordon, manchmal zu wenig. Hamburger durch und durch.

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