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Musikvideo der Woche #18: Tetsuo – Kanalität

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In einem sehr interessanten Artikel namens „Why Music Videos Are Still So Important“ stellt Sarah Boardman fest, dass Musikvideos eigentlich so wichtig sind, wie nie zuvor. Das größte Problem seit dem Rückzug von MTV ist allerdings, dass der Markt „unter-kuratiert und über-sättigt“ ist. Damit meint sie, dass es zu viele Musikvideos gibt und dadurch die richtig guten häufig übersehen werden. Damit das unseren lieben Lesern nicht passiert, wählen wir an dieser Stelle das beste Musikvideo aus. Und zwar wöchentlich.

Tetsuo – Kanalität (Regie: Keine Zeit Medien)

Normalerweise findet sich an dieser Stelle ein Lobgesang auf die Musikvideos der Gegenwart. Es wird betont, wie schwer doch die Auswahl gefallen sei, wie hart der Konkurrenzkampf wäre und wie hoch das Niveau. Doch heute nicht.
Denn heute würden wir am liebsten die goldene Himbeere für das mieseste Musikvideo der Woche verleihen. Zum Beispiel an „9 (After Coachella)“ von Cashmere Cat feat. MØ & Sophie. Darin wird die unfassbar schlechte, pseudo-epische Liebesgeschichte zweier privilegierter Kids aus Skandinavien erzählt. Oder an „Das Geld muss weg“ von Marteria, das das, was im englischen Sprachgebrauch Cultural appropriation genannt wird, auf das nächste Level hievt. Gerade ein Deutschrapper, der eine antibürgerliche Hymne anstimmt, sollte es doch eigentlich besser wissen. Denn wenn der liebe Marten mit Geldscheinen gefedert durch ein afrikanisches Dorf stiefelt, möchte man sich als Zuschauer vor Fremdscham am liebsten verkriechen oder eben im Strahl kotzen.

Erfrischend anders und maximal dekonstruktivistisch dagegen „Kanalität“ von Tetsuo mit einem Video aus dem Hause Keine Zeit Medien. Der Glitch als Stilmittel ist zwar nichts neues, doch in Kombination mit dem lässigen Beat und den hedonistischen Textzeilen dann eben doch sehr ungewohnt. Zumal es sich offensichtlich um analoge Bildstörungen handelt, was von der Machart her eben perfekt zum Track passt.
Tetsuo, den man sonst als Mitglied der Crews High Risk Area und 2 Zimmer Gefüge kennt, präsentiert sich in character und authentisch und rettet somit Cashmere Cat und Marteria die Ärsche. Denn die Vergabe einer goldenen Himbeere erübrigt sich somit.

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„Kanalität“ ist die erste Singleauskopplung des Albums „Erde II“ (VÖ: 30.04.17) von Tetsuo.

Jonathan
Geboren 1988 in Ulm, lebt und arbeitet Jonathan Tyrannosaurus Kunz in Saarbrücken und leitet Kurse an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Er mag traurige Musik aus den Neunzigern und ist der beste Tischtennisspieler, den er kennt.

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