Start Anzeige „Move!“: Diese 5 Tanzstile setzen Afrika in Bewegung

„Move!“: Diese 5 Tanzstile setzen Afrika in Bewegung

Unter dem Motto „AfricaOnTheMove“ widmet sich ARTE bis zum 02.07. der Entwicklungsgeschichte und kulturellen Vielfalt Afrikas. Eine Vielfalt, die sich auch in der diversen Tanzkultur des Kontinents widerspiegelt. Schnürt eure Sneakers, lockert die Muskeln, jetzt geht es auf eine tänzerische Entdeckungsreise durch Afrika.

Sello Modiga (vorne links), Leiter der Pantsula-Crew „Real Actions“, bringt der luxemburgischen Tänzerin und Choreographin Sylvia Camarda neue Moves bei. (Bild: © Yann Tonnar)

In Afrika ist der Tanz mehr als die kontrollierte Bewegung zur Musik. Er ist auch Ausdrucksform für die Rebellion gegen Unterdrückung, den zivilen Ungehorsam und das Zusammenbringen von Generationen. Im Spannungsfeld zwischen alten Traditionen und globalisierter Moderne, volkstümlichen Ritualen und internationaler Popkultur entstehen immer wieder neue Moves, die auch zeitgenössische Künstler in Europa und Übersee beeinflussen. Wir stellen euch fünf afrikanische Tanzstile vor, bei der selbst die königliche Garde am Buckingham Palace die Füße nicht stillhalten kann.

Shaku Shaku (Nigeria)

Seinen Ursprung hat Shaku Shaku in den pulsierenden Straßen von Agege, einem Vorort und Verwaltungsbezirk in der Ikeja Division des Bundesstaates Lagos, Nigeria. Der Legende nach wurde der Tanzstil von feierwütigen Jugendlichen inspiriert, die nach einer durchzechten Partynacht betrunken oder bekifft (oder beides) durch die Straßen taumelten. Leichtfüßig vom linken aufs rechte Bein hüpfend, die Arme vor dem Körper ausgestreckt und an den Handgelenken übereinander gekreuzt: Shaku Shaku besticht vor allem durch aufreizende Lässigkeit, die allein beim Anblick berauscht. Die Straße als große Show-Bühne hat der Tanz inzwischen verlassen und sich ins grelle Rampenlicht gestellt. Der nigerianische Afropop-Star WizKid tanzt in seinen Musikclips regelmäßig den Shaku Shaku. Fußball-Nationalspieler Paul Pogba zelebrierte vor laufenden Kameras den Gewinn der WM mit einer kleinen Shaku Shaku-Tanzeinlage. Und selbst Emmanuel Macron schwang seine schmalen Hüften zu Shaku Shaku während eines Staatsbesuchs in Nigeria.

Pantsula (Südafrika)

Beeinflusst von der südafrikanischen Jazzkultur der 1920er Jahre, Paartänzen aus den 1940er und 1950er Jahren und einer solistischen Tanzform der 1960er Jahre ist Pantsula vor rund 50 Jahren in den Townships Südafrikas entstanden. Das Zulu-Wort beschreibt den Tanzstil treffend – übersetzt heißt es „wie eine Ente watscheln“ oder „mit ausgestrecktem Hinterteil“ und bezieht sich dabei auf eine Bewegung, bei der die Ferse fest auf dem Boden fixiert bleibt. Die Schnabeltier-Analogie täuscht jedoch. Pantsula ist eine explosive Mischung aus Stepptanz und Breakdance, die in Zeiten der Apartheid wie auch noch heute als identitätsstiftende Ausdrucksform von Selbstbehauptung getanzt wird. „Du brauchst Turnschuhe, du musst deinen Kopf frei machen, den Körper, die Seele, und dann bist du bereit für den Pantsula“, sagt Sello Modiga, Choreograph und Leiter der Pantsula-Crew „Real Actions“. In puncto Schuhwerk hat Modiga allerdings nicht ganz recht. Im Musikvideo zu „Run The World“ performte die R&B-Sängerin Beyoncé den südafrikanischen Tanz ganz stilsicher in High Heels. Ob Queen B blaue Flecken davongetragen hat, ist hingegen nicht überliefert.

Odi (Kenia)

Im Auftrag des Herrn besuchte der Gospel-Tänzer Timeless Noel, der im bürgerlichen Leben auf den Namen James Owidhi hört, regelmäßig Schulen in Kenia, um Jugendliche für das Christentum zu begeistern und Kids aus den Slums vor dem Einstieg in die Kriminalität zu bewahren. Auf den Schulhöfen beobachtete er dabei, wie Teenager immer wieder einen bestimmten Tanz vorführten. Der Künstler beschloss, den minimalistischen und zugleich mit Pathos aufgeladenen Bewegungen den Namen „Odi“ zu geben – ein Slang-Wort für „gewöhnlich“. Kurze Zeit später rief Owidhi im Internet dazu auf, ihm Videos zu senden, in denen der Odi getanzt wird. Binnen weniger Tage entwickelte sich die „Odi Dance Challenge“ zum viralen Hit. Gemeinsam mit seinen Homies Hype Ochi und Jabiddi produzierte Timeless Noel daraufhin einen offiziellen Song samt Musikclip zum Tanz. Seitdem ist das Odi-Fieber in Kenia endgültig ausgebrochen und breitet sich langsam aber sicher auch über die Landesgrenzen hinaus aus. Bei den Grammy-Verleihungen 2018 schüttelte unter anderem Rihanna einige Odi-Moves locker aus der Hüfte.

Sabar / Mbalax (Senegal)

Ob zu Taufen, Geburtstagstagen oder Hochzeiten: Bei keiner Familienfeierlichkeit im Senegal darf der Sabar-Tanz fehlen. Nicht verwunderlich, ist Sabar schließlich tief verwurzelt in der Volkstümlichkeit des Landes. Förmlich aus dem Boden gestampft wurde der klassische Tanz von der Wolof, der größten Ethnie im Senegal. Trotz jahrelanger Tradition ist Sabar alles andere als angestaubt – im Gegenteil. Die moderne Version des Tanzes, der sogenannte Mbalax, beinhaltet viele Elemente zeitgenössischer, internationaler Stile, wie das Stampfen aus dem Krumping oder das Popping aus dem Breakdance. „In Afrika sagen wir, dass alle Tänze in Afrika geboren wurden. Der traditionelle Tanz ist die Mutter aller anderen Tänze“, sagt Sabar-Breakdancer Bandy Ba im Interview mit Tanzanthropologin Claire Clouet in „Move! Senegal“. Sabar und Mbalax spiegeln die Dynamik der jungen Demokratie Senegals wider, indem sie Verknüpfungspunkte zur Moderne ziehen und zugleich die eigene Tradition hochhalten.

Pilolo (Ghana)

Als Star-Choreograph Michael Amofa, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Incredible Zigi, Anfang 2018 ein neues Tanzvideo von sich auf Instagram hochlud, konnte er nicht ahnen, dass er damit ein tänzerisches Beben bei der Jugend von Ghana auslösen würde. Innerhalb kürzester Zeit zählte sein Clip 20.000 Views. Amofa erkannte das Potenzial des Tanzes, feilte eine Weile an den Bewegungsabläufen und taufte sein Baby schließlich auf den Namen „Pilolo“ – benannt nach einem Outdoor-Spiel für Kinder. Es folgten weitere Videos des passionierten Tänzers, der wiederum noch mehr Nachahmer fand – auch außerhalb von Ghana. Janet Jackson ist nur eine Musikgröße von vielen, die der Pilolo-Hype gepackt hat. Ganz zur Freude des Erfinders: „Ich weinte, als ich Janet Jackson beim Pilolotanzen auf einer der größten Shows in den USA, der The Tonight Show mit Jimmy Fallon, zusah“, erzählte Amofa im Interview auf dem ghanaischen YouTube-Format „On One-On-One With Odarteygh“.

Ihr wollt tiefer eintauchen in die bunte Welt der afrikanischen Tänze? Weitere spannende Einblicke gibt es in „Africa Rising“ und in der zweiten Staffel von „Move!“.

Mit freundlicher Unterstützung von Arte.