StartFilm & TVMehr Leben als Legende: Die Xatar-Doku in der ARD Mediathek

Mehr Leben als Legende: Die Xatar-Doku in der ARD Mediathek

Es gibt diese Deutschrap-Biografien, die sich lesen wie Drehbücher. Und dann gibt es Xatar. Goldraub, Knast, Comeback, Label, Filmstoff – nur dass hier alles wirklich passiert ist. Oder zumindest so erzählt wird. Die ARD-Doku „XATAR – Ein Leben ist nicht genug“ setzt genau da an: Sie will nicht nur die bekannten Kapitel nacherzählen, sondern den Menschen hinter der maximal aufgeladenen Geschichte sichtbar machen.

Das gelingt ihr oft.

Die dreiteilige Serie arbeitet sich durch Fluchtgeschichte, Bonner Straße, den legendären Überfall 2009, die Haft – und vor allem durch das Danach. Denn interessanter als der Mythos ist hier die Frage, was von ihm übrig bleibt, wenn der Mensch dahinter zu Wort kommt. Weggefährt:innen, Familie, enge Vertraute zeichnen ein Bild, das weniger an der Oberfläche des Gangster-Raps klebt, sondern tiefer geht: hin zu Widersprüchen, Brüchen, Selbstzweifeln.

Die Doku enthält noch unveröffentlichtes Interviewmaterial, das zu Lebzeiten von Xatar entstanden ist, sowie natürlich diverse O-Töne seiner Wegbegleiter:innen: Zum ersten Mal äußert sich seine Witwe Farvah Heidari ausführlich, dazu gibt es Aussagen von Samy aka Shamsedin, Schwesta Ewa, Apache 207, SSIO, Aria Nejati, Düzen Tekkal, Farid Bang und vielen weiteren.

Dass mit Falk Schacht neben Alex Barbian und Stefan Kauertz auch ein ausgewiesener und geschätzter Hip-Hop-Historiker an der Doku als Autor mitgearbeitet hat, merkt man. Der Blick auf Deutschrap ist hier kein sensationsgetriebener Außenblick, sondern kommt aus der Kultur selbst. Das sorgt für Kontext, für Einordnung – und für eine gewisse Sorgfalt im Umgang mit einer Figur, die allzu leicht zur Karikatur hätte werden können.

Und trotzdem bleibt eine Leerstelle.

Denn so nah die Doku ihrem Protagonisten kommt, so vorsichtig ist sie, wenn es um die vollständige Demontage des Mythos geht. Einige der großen Fragen – etwa rund um den Goldraub – bleiben bewusst im Halbdunkel. Das ist kein Versehen, sondern Teil der Erzählung: Xatar war immer auch seine eigene Legende. Und diese Legende lässt sich nicht komplett auflösen, ohne etwas von dem zu zerstören, was ihn ausmacht.

Die bisherigen Reaktionen fallen entsprechend aus: viel Lob für die Dichte, die Emotionalität, den Versuch, mehr zu sein als bloße Rap-Nostalgie. Gleichzeitig die leise Kritik, dass die Serie eher einordnet als hinterfragt. Dass sie versteht – aber nicht entzaubert.

Vielleicht liegt genau darin ihre Stärke.

Denn „Ein Leben ist nicht genug“ ist weniger True Crime als eine posthume Selbstverortung. Ein Versuch, Ordnung in ein Leben zu bringen, das nie wirklich geordnet war. Zwischen Straße und Studio, Größenwahn und Familienmensch, Absturz und Aufstieg entsteht ein Porträt, das nicht abschließend sein will – sondern offen bleibt.

So wie die Figur, um die es geht.

Oder anders gesagt: Diese Doku erzählt viel über Xatar. Aber sie lässt genug übrig, damit der Mythos weiterlebt.

„XATAR – Ein Leben ist nicht genug“ seht ihr in drei Teilen in der ARD-Mediathek.

Die ganze erste Folge könnt ihr hier direkt über YouTube sehen.

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