Start Kritiken Elephants on Acid – Cypress Hill in der Verti Music Hall

Elephants on Acid – Cypress Hill in der Verti Music Hall

Cypress Hill (Foto: Marc Räder)

Schon vor Konzertbeginn ist hier vor der Verti Music Hall ordentlich Stimmung mit Randalepotenzial: Es geht kaum vorwärts, die Taschen- und Körperkontrolle geht nur in Zeitlupe vonstatten und die ersten Konzertbesucher hauen gegen die Scheiben. Die subjektiv empfundene übermäßige Anzahl an Polizisten sorgt einerseits für Ordnung, andererseits für die Wahrung der Streetcredibility einer der besten, bekanntesten und erfolgreichsten Hip Hop Bands überhaupt: Cypress Hill.

Vorher darf aber Haze die Massen anheizen – wenn diese es denn überhaupt inzwischen in die Halle geschafft hat. Karlsruher Hip Hop mit einer großen Entourage im VIP-Bereich: die ersten Köpfe wippen, die ersten Zigaretten und Joints werden angezündet, auch vor den Augen der (wirklich vielen) Polizisten. Nach dem München – Konzert gab es immerhin 34 (!) Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz – da muss doch hier in Berlin mindestens genauso viel zu holen sein.
Das aber wahrscheinlich erst, wenn die wahren Hip Hop-Urgesteine erwartet werden, die „Elephants on Acid“, Cypress Hill.

Um kurz nach 9 gehen dann endlich wieder die Lichter auf der Bühne an und bestrahlen Mix Master Mike (Beastie Boys!), der hier als Warm-Upper fungiert mit einem Mix unserer aller Lieblingsklassiker: Killing in the Name von RATM, Sabotage von den Beastie Boys – alles ist dabei, was die Party starten lässt. Das lässt auch das erfahrungsgemäß obercoole Berliner Publikum ein wenig wippen. Gut so, dann Cypress Hill sind es gewöhnt, dass sich in der Menge bewegt wird. Und so kommen sie dann auch endlich unter großem Gejohle auf die Bühne. Mit „Band of Gypsies“ wird eröffnet, beim darauffolgenden „Hand on the Pump“ sind dann wirklich alle Rapmoves im Publikum zu finden.

Ich darf mich heute im VIP-Bereich aufhalten und treffe direkt auf die nach eigener Aussage größten Cypress Hill-Fans der Welt: Aus Helsinki sind Thommy und sein Freund extra angereist, dieser bezeichnet das Konzert als den schönsten Moment seines Lebens und zeigt mir stolz, dass B Real ihm auf Instagram folgt. Vor lauter Stolz und Freude schaffen sie es, eine solch imposante Anzahl an Bieren zu trinken, dass ich ihnen gerne einen Preis verleihen würde. Darauf, dass sie nach dem Konzert die Terrasse der Verti Music Hall markieren, muss ich ja nicht weiter eingehen – Glückseligkeit hat nun mal viele Gesichter.

Inzwischen sorgt „Tequila Sunrise“ für die nächste Partywelle und Rauchschwade. B Real und Sen Dog sind, man kann es nicht anders sagen, topfit, obwohl auch sie sich auf der Bühne das eine oder andere „Zigarettchen“ gönnen. Nachdem „I wanna get high“ und „Dr. Greenthumb“ dann auch dem letzten Besucher klarmachen, dass hier nun mal ordentlich gebufft wird, vor allem um bei Klassikern wie „Crazy“ und „Insane in the brain“ noch besser abgehen zu können, soll dieses Konzert auch schon wieder vorbei sein. Zugaben sind zum Beispiel „I ain“™t going out like that“ und „Rock Superstar“ – ein sehr guter Start für die offizielle Aftershowparty im „Birgit und Bier“ direkt um die Ecke.

Die Polizisten ziehen ohne großartige Beute von dannen, die Verti Music Hall wird jetzt erstmal ordentlich ausgeräuchert und wir wissen zu 100%: Cypress Hill können auch nach 30 jährigem Bestehen und trotz Mehrgleisigkeit (Prophets of Rage) ruhig noch 10 bis 20 Jahre lang da weitermachen, wo sie heute leider nach 1 ½ Stunden aufgehört haben.