
Mit der Single „Irgendwo“ meldeten sich Bilderbuch Ende Februar nach längerer Pause zurück. In unserem Beitrag zur Veröffentlichung des Songs haben wir bereits beschrieben, wie die Band darin eine Welt zwischen Dauerkrise und Hoffnung zeichnet – mit Bildern von Drohnen am Himmel und der Idee, dass „irgendwo immer ein Licht brennt“.
Jetzt folgt das Musikvideo – und das ist deutlich mehr als ein klassischer Clip.
Ein Musikvideo als surrealer Kurzfilm
„Irgendwo“ bekommt einen rund 15-minütigen Arthouse-Kurzfilm von Stanko Repac, der weit über die eigentliche Songlänge hinausgeht.
Statt einer stringenten Handlung reiht der Film eine Reihe skurriler, teilweise verstörender Szenen aneinander: Ein Mann ist an ein Holzrad gefesselt und wird mit Tomaten beworfen, später sehen wir eine verrauchte Bar mit einer Gitarristin, dazu treten Nonnen, ein Junge oder eine Frau mit ihrem verletzten Partner in einem Cabrio auf.
Die Bilder wirken bewusst rätselhaft – irgendwo zwischen Trash, Kunstfilm und Traumsequenz. In ihrer Mischung aus groteskem Humor und dunkler Symbolik erinnern einzelne Momente an die surrealen Bildwelten von David Lynch oder den anarchischen Stil von Christoph Schlingensief.
Hoffnung im Chaos
Diese düsteren Bilder stehen in starkem Kontrast zur Botschaft des Songs. Schon im vorherigen Beitrag wurde deutlich: „Irgendwo“ beschreibt eine Welt im Ausnahmezustand – Kriege, Bedrohung, Dauerbeschleunigung – und stellt dem die Kraft von Nähe und Hoffnung entgegen.
Im Refrain verdichtet sich das zu einer einfachen, fast mantraartigen Zeile:
„Irgendwo brennt immer ein Licht.“
Genau dieses Spannungsfeld spiegelt auch der Film wider. Die Figuren wirken verloren, die Szenen teilweise apokalyptisch – und doch bleibt irgendwo zwischen all dem Chaos ein Gefühl von Wärme und Menschlichkeit.
Ein spontaner Song – ein bewusst rätselhafter Film
Interessant: Der Song selbst entstand laut Band extrem spontan. Text und Gesang wurden als First Takes aufgenommen, nachdem der Track innerhalb eines Tages geschrieben und aufgenommen wurde – ein Moment, in dem sich „aufgesparte Gefühle“ entladen hätten.
Vielleicht passt gerade deshalb dieses unberechenbare Video so gut zu „Irgendwo“. Statt die Botschaft auszuerzählen, erweitert der Film sie um eine neue Ebene – irgendwo zwischen Albtraum, Kunstinstallation und Pop.
Am Ende bleibt ein Clip, der typisch Bilderbuch ist: schwer zu erklären, leicht wiederzuerkennen – und garantiert Gesprächsstoff.