Start Film & TV „Back to Tape“ ahnt die Ursprünge des deutschen Hip-Hops

„Back to Tape“ ahnt die Ursprünge des deutschen Hip-Hops

Samy Deluxe vor seinem Restaurant in Hamburg. Er scheint etwas Interessantes im Blick zu haben.

Deutscher Hip-Hop und Testspiel, das bedeutet oftmals Liebe und offene Ohren. Zwar bockt moderner Cloud Rap oder Trap nicht jeden von uns, auch verbaler Müll wie der von Kollegah steht nicht gerade für den Rap, den wir so lieben. Viele aus der Redaktion durchstreifen lieber die Flure der Alten Schule und hören die Klassiker aus den 90ern – als die Beginner noch absolut waren und im Süden der Republik Blumentopf und Massive Töne Maßstäbe setzten. Deshalb nahmen wir auch gerne eine Einladung an, die uns vergangenen Donnerstag zur Premiere der Hip-Hop-Doku „Back to Tape – Ein Roadtrip auf den Spuren deutscher Hip-Hop-Geschichte“ ins sonnige Stuttgart lockte.

Allein der Titel trifft schon den Puls einer nostalgischen Zeit, in der die Kassettenverkäufe in den USA 2017 um 74 % gestiegen sind. Die Kassette steht für analog und handgemacht, für alte Schule und Mixtape – nach wie vor eine beliebte Wahl, um die Liebe zum eigenen Musikgeschmack stilvoll zu unterstreichen.

2.000 Kilometer durch Deutschland

Unser geschätzter Kollege Niko Hüls von der Backspin nahm sich einen bekannten Sportwagen des Modells Panamera Turbo und begab sich auf einen Roadtrip quer durch Deutschland. Fünf Tage, sechs Städte, 2.000 Kilometer Straße.

In mehreren Episoden erkundet er die Wurzeln des deutschen Hip-Hops und trifft dabei auf der Reise nach München, Stuttgart, Frankfurt, Berlin, Hamburg und Heidelberg Szenegrößen und Hip-Hop-Legenden wie Samy Deluxe, Moses Pelham, Curse oder Toni-L. All das bot sich letztendlich für eine 90-minütige Doku an, die vergangenen Donnerstag in Stuttgart Premiere feierte.

Moses Pelham sorgt für den emotionalsten Moment, als er den Kiez seiner Kindheit besucht.

Stuttgarts Innenstadt, schön angenehme 18 Grad. Im gut gefüllten Hip-Hop-Club Schräglage tummeln sich im Publikum bekannte Gesichter aus der Doku, z.B. Namika, Beatboy Delles oder Scotty76. Zu schwäbischen Maultaschen und selbstgemachtem Popcorn flimmern die 15 kurzweiligen Episoden über die Leinwand, unterstützt von wuchtigem Sound. Die wiederholten Auftritte des Backspin-Kameramanns im Hintergrund sorgen des Öfteren für Gelächter. Sehenswert machen den Film vor allem emotionale Szenen wie Moses Pelhams Rückkehr in den Kiez seiner Kindheit oder das leider viel zu kurz gezeigte Talent von Nachwuchsrapper Noah im Hamburger Jugendzentrum Esche. Oder wenn Curse sagt „Ich habe ne Mutter, nen Vater und Hip-Hop“ und anschließend offenbart, dass sein Sohn auch schon vollends vom Hip-Hop-Virus „infiziert“ ist. Da geht einem das Herz auf, was unweigerlich zu Gänsehaut, Selbstreflexion oder einfach nur Kopfnicken führt.

Das Reden über die Liebe

Namika sagt über sich selbst: „80 Prozent Hip-Hop, 20 Prozent Pop“.

Der Film schließt am Hamburger Hafen an einem kalten, windigen Abend mit einem eher philosophisch angehauchten Interview mit unserem ebenfalls geschätzten Kollegen Falk Schacht, von Niko liebevoll „Professor“ genannt. Niko’s Resümee zur Reise und der gemeinsamen Liebe aller Protagonisten – dem Hip-Hop – strickt letztlich doch einen roten Faden durch den Film. Denn an ein paar Stellen merkt man der Doku an, dass sie nicht als Langspieler geplant war: es gab keine komplett durchdachte Storyline und in der Summe zu viele Moodshots der Automarke. Was den Inhalt des Films keineswegs schmälern soll! Hip-Hop-Neulinge können mit „Back to Tape“ etwas über die Herkunft und die deutsche Rezeption ihrer musikalischen Liebe erfahren. Eingefleischte Fans blicken hinter die Kulissen ihrer Idole und nehmen an ihren Erinnerungen teil – und können gleichzeitig in harmonischer Erinnerung schwelgen.

Die ganze Doku ist hier drunter und auf dem YouTube-Kanal der Backspin zu sehen.

Vielen Dank an Porsche für die Einladung.