Start Kritiken Aussie-Vibes mit Rolling Blackouts Coastal Fever im Molotow

Aussie-Vibes mit Rolling Blackouts Coastal Fever im Molotow

Rolling Blackouts Coastal Fever. Credit: Heriot Maclay

Gitarren und Charme standen bei dem Konzert am Montagabend im Molotow im Vordergrund. Bei flirrenden um-die-30-Grad in einer schwülen Sommernacht bescherten uns die Australier einfachen, aber ausgereiften Rock.

Australien-Fans wissen es vermutlich schon lange: die authentische, offene Freundlichkeit der Australier macht sie zu einem der sympathischsten aller Völkchen. Dass sie musikalisch auch noch einiges zu bieten haben, darf das deutsche Publikum auf der Mini-Deutschlandtour der Rolling Blackouts Coastal Fever selbst erleben. Mit Stella Donnelly als Warmup beginnt der Abend auf der Reeperbahn mit folkigen Klängen bis Rolling Blackouts C.F. mit gitarrenlastigem Indie-Rock übernehmen.

Dem deutschen Publikum ist Stella Donnelly noch nicht geläufig. Kein Wunder, denn ihre EP „Thrush Metal“ erschien erst vor kurzem und gilt in ihrer Heimat als Überraschungshit. Die filigrane Frau auf der Bühne begleitet sich selbst minimalistisch nur mit ihrer Gitarre. Sie kann es selbst kaum glauben, als Support im Molotow in Hamburg zu spielen, erzählt sie. Eigentlich, so scherzt sie, war ihre EP und das dazugehörige Cover, auf dem sie nudelessend zu sehen ist, für ihre Mutter und deren „29 Freundinnen“ gedacht. Dass sie plötzlich auf Spotify zahlreiche Klicks eimheimste und ihr wachsende Aufmerksamkeit zuteil wurde, überrascht auch sie immer noch. Stella transportiert in ihrer rockig angehauchten Folkmusik mit zarter doch ausdrucksstarker Stimme eine Message: in Liedern wie „Boys Will Be Boys“ beschäftigt sie sich mit Opfer-Beschuldigungen, Sexismus und Übergriffen – Missstände über die gesprochen werden muss, wie sie anmerkt. Auch, wenn es in ihren Liedern um schwere Themen wie sexuelle Belästigung geht, sieht sie in Männern kein Feindbild, das ist ihr wichtig, betont sie. Allen voran ihrem Bruder und vielen tollen Männern, in der immer noch sexistischen Musikindustrie, spricht sie deshalb ein Lob aus. Dass das Konzert zur Zeit von „Me Too“, Weinstein usw. in keinen moralisierenden Lehrabend abdriftet, ist vor allem ihrem gewinnendem Lächeln und charmant-witzigen Erzählungen (zum Beispiel von schlechten Tinder-Dates) zu verdanken, mit denen sie die Stimmung auflockert und dennoch zum Nachdenken anregt.

Vom feministischen Diskurs gleitet der Abend zum Garage-Pop. Mit Shoutouts bedanken sich Rolling Blackouts Coastal Fever bei Stella. Das Quintett aus Melbourne sorgt mit seinem sonnigen Gemüt und einer Mischung aus melodischem Wave- und College-Rock für glücklich-wippende Menschen. Die drei Sänger und Gitarristen Fran Keaney, Tom Russo und Joe White stehen aufgereiht nebeneinander, während das Rhythmusteam mit Bassist Joe Russo und Schlagzeuger Marcel Tussie voller Elan im Hintergrund agiert. Bei ihren teils hypnotischen Reisen sind die beiden ganz aufeinander eingespielt. „Fountain Of Good Fortune“, „Julie’s Place“ und die gleichnamige, besonders überragende Single von ihrer zweiten EP „French Press“ sorgen für leidenschaftliche Melodien, denen sich kaum einer entziehen kann oder will. Assoziationen mit Nada Surf und den oft mit ihnen verglichenen the Go-Betweens kommen auf. Liebevoll tuckernde Lieder wie „Wither With You“ von ihrem Album „Talk Tight“ eignen sich hervorragend für den Soundtrack eines verträumten Independent-Films. Angenehm ist die mangelnde Aggressivität in ihrer Musik, der treibende Rhythmus lädt vielmehr zum Abschalten ein.
Unaufgeregt und dennoch an einigen Stellen ausreißend, verläuft das Konzert zu beiderseitig großer Zufriedenheit. Rolling Blackouts Coastal Fever kommen ohne große Ecken oder Kanten aus und machen dabei dennoch sehr viel Spaß. Eine Band, die ihre Live-Qualität überzeugend unter Beweis stellt.