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Alt-J – Live At Red Rocks (Kritik)

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Grundsätzlich fragt man sich ja bei fast jedem Live-Album, ob die Welt das jetzt gebraucht hätte. Egal ob zu früh in der Diskographie, in zu hoher Schlagzahl oder trotz mangelnder Qualitäten als Liveband, irgendeinen Einwand kann man fast immer vorbringen; und mindestens anderthalb dieser Argumente ließen auch die Augenbrauen kritisch hochschnellen, als Alt-J mit „Live At Red Rocks“ ihr erstes Konzertdokument ankündigten.

Mit gerade mal zwei Alben im Rücken wagen die Indie-Leisetreter sich nun also auf dieses wacklige Terrain, obwohl ihre Musik vielmehr nach Kopfhörern und Bett als Stadionatmosphäre und Bier schreit. Zum Glück wissen Alt-J das auch und inszenieren ihren Auftritt ohne übermäßigen Einsatz von Blendwerk; grundsätzlich ist das sympathisch, doch die Frage nach dem Mehrwert bleibt noch immer offen, bis die ersten Synthietupfer des überragenden „Hunger Of The Pine“ einsetzen und das Publikum in Ekstase verfällt, die von Hits wie dem exakt auf den amerikanischen Markt zugeschnittenen „Left Hand Free“ nicht unbedingt gelindert wird.

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Doch was genau befeuert die Massen denn, wenn es weder frontmännisches Gebaren, noch erhellende Ansagen oder eine überwältigende Bühnenshow sind? Tatsächlich überzeugen Alt-J mit einer gekonnten Rekontextualisierung ihres bisherigen Werkes, möglichst detailgetreu nachgestellt und minutiös ineinanderperlend, während jedes Mitglied vertieft-frickelnd an seinem Intrument steht und versucht, sich nicht in den luftigen Strukturen zu verlieren. Dementsprechend nett, aber nicht zwingend erforderlich gewesen wäre das Bildmaterial: Das Optische ist die Erfüllung der Pflicht, die Kür findet auf musikalischer Ebene statt.

Mustergültig funktioniert etwa die Zusammenführung der beiden „Bloodflood“ Teile, ebenso wie das Herausarbeiten der psychodelischen Schlieren im unbezwingbaren „Tesselate“, doch die wahre Kunst besteht fraglos darin, bei 18 Songs aus zwei Alben keine Schwachstelle zuzulassen. Das ausbleibende Gefühl, besser noch drei, vier Alben lang mit einem Live-Mitschnitt gewartet zu haben, spricht vor allem für die Albumband Alt-J, die eben nicht auf eine Hand voll Hits und die doppelte Dosis Füllmaterial setzt.

So funktioniert „Live At Red Rocks“ am Ende vor allem als Appetitmacher, auf ein neues Album der Band oder auf ein tatsächliches Konzert etwa. Sicherlich nicht der schlechteste Ausgang, den das Unterfangen Live-Platte nehmen kann.

7,2/10

„Live At Red Rocks“ ist am 24.06. via PIAS als Box-Set, CD/DVD/Blu-Ray-Bundle und im Stream erhältlich.

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Sebastian
Sebastian stammt aus Saarbrücken, lebt und studiert gerade aber in Münster. Konzerte besucht und Musik hört er dort ebenfalls, wovon gelegentlich hier zu lesen ist: http://mordopolus.tumblr.com/

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