In einem sehr interessanten Artikel namens „Why Music Videos Are Still So Important“ stellt Sarah Boardman fest, dass Musikvideos eigentlich so wichtig sind, wie nie zuvor. Das größte Problem seit dem Rückzug von MTV ist allerdings, dass der Markt „unter-kuratiert und über-sättigt“ ist. Damit meint sie, dass es zu viele Musikvideos gibt und dadurch die richtig guten häufig übersehen werden. Damit das unseren lieben Lesern nicht passiert, wählen wir an dieser Stelle das beste Musikvideo aus. Und zwar wöchentlich.

Shabazz Palaces – Welcome to Quazarz (Regie: Ned Sidhu)

„A Glitch In The Matrix“. Mit diesen Worten beendet Ishmael Butler nicht nur seinen skizzenartigen Abgesang auf das zeitgenössische Amerika, der die erste Strophe des Songs „Welcome To Quazarz“ auszeichnet, er liefert auch einen Anhaltspunkt zur Erklärung der Optik des zugehörigen Musikvideos. Regisseur Ned Sidhu hätte natürlich die Wahl gehabt, die Komplexität des just von Shabazz Palaces veröffentlichten Album-Doppels bei seiner Adaption zu reduzieren, stattdessen setzt er die Reizüberflutung fort und erstickt den Betrachter in Referenzen und Effekten.

Aufnahmen der realen Welt versuchen immer wieder, sich durch allerlei Glitches, statisches Rauschen und Renderfehler den Weg an die Oberfläche zu bahnen, doch weder Proteste noch Tanzeinlagen oder Bilder aus dem Studio schaffen es, sich dauerhaft gegen das digitale Gegenüber durchzusetzen. Repräsentiert wird dieses durch obskure 3-D-Animationen, die pulsierende Kegel und religiös-anmutende Gebilde zeigen. Wie genau sich diese Bestandteile zueinander in Beziehung setzen lassen können bleibt unklar, eben dieser Umstand lässt dem Betrachter aber jene Freiheit in der Interpretation, die sich Shabazz Palaces bei ihrem Umgang mit Hip Hop selbst herausnehmen.