In einem sehr interessanten Artikel namens „Why Music Videos Are Still So Important“ stellt Sarah Boardman fest, dass Musikvideos eigentlich so wichtig sind, wie nie zuvor. Das größte Problem seit dem Rückzug von MTV ist allerdings, dass der Markt „unter-kuratiert und über-sättigt“ ist. Damit meint sie, dass es zu viele Musikvideos gibt und dadurch die richtig guten häufig übersehen werden. Damit das unseren lieben Lesern nicht passiert, wählen wir an dieser Stelle das beste Musikvideo aus. Und zwar wöchentlich.

Triple H – 365 Fresh (Regie: Shin Hee Won)

Manch ein Beobachter des zeitgenössischen Pop-Geschehens mag an dieser Stelle möglicherweise zurecht aufhorchen: Testspiel.de, nun nicht unbedingt die erste Adresse in Sachen ostasiatischer Popmusik, kürt einen ziemlich exakt 14 Tage alten K-Pop-Clip zum Musikvideo der Woche? Nun, hier soll ja manchmal auch etwas geliefert werden, was über die Präsentation und Prämierung eines gewohnt exzellenten Alt-J-Videos hinausgeht, von dessen Qualität wir spätestens überzeugt waren als die Info durchsickerte, Iggy Pop fungiere hier als Sprecher.

Daher nun also eine leicht verspätete Empfehlung unsererseits, den – durchaus kontrovers rezipierten – Clip zur Debüt-Single des südkoreanischen Trios Triple H einer Prüfung zu unterziehen. Im Zentrum der Debatte steht die triste Wendung, die diese Geschichte um Kriminalität, Gewalt und drei junge Menschen nimmt, bzw. die Art, in der dieser tödliche Twist dargestellt wird. So provokativ „365 Fresh“ sicher ist, so toll funktioniert die Kombination aus funkiger Debütsingle, groß inszeniertem Abtritt und den Mythen, die der Beginn und das Ende in der Popmusik seit jeher umgeben und die hier gnadenlos aufgerufen werden, jedoch auch. Eine bizarre, faszinierende Nummer, die auch ohne Exotenbonus absolut bestehen kann.