Brücke am Bahnhof Sternschanze heute morgen.
Brücke am Bahnhof Sternschanze heute morgen.

Ey Converse,

auch wenn sich gerade keine Converse Sneaker in meinem Besitz befinden, habe ich bereits das ein oder andere Paar Chucks in meinem Leben durchgelatscht. Schließlich zählen eure All Stars für mich absolut zu den Klassikern und haben über Generationen einen festen Platz in der Jugendkultur gefunden. Aus diesem Grund tretet ihr wahrscheinlich auch auf diversen Festivals und anderen Musikveranstaltungen als Sponsor auf. Ich fand das persönlich immer angemessen, dezent und auf das jeweilige Umfeld gut zugeschnitten. Meinen Converse-Jutebeutel, den ich vor einigen Jahren beim Melt abgegriffen habe, nehme ich immer noch gerne mit zum Einkaufen. Danke dafür.

Heute morgen ist dieses Bild jedoch etwas ins Wanken geraten. Auf dem Weg zur Arbeit ist mir aufgefallen, dass ihr die komplette Wand unter der Brücke am Bahnhof Sternschanze in Hamburg plakatiert habt. Die Wand ist keine offizielle Werbefläche und wird daher von lokalen Veranstaltern benutzt, die sich keine gemieteten Fläche leisten können, um Partys und Konzerte anzukündigen. Abends sehe ich oft die Leute, die dort Plakate anbringen. Oft sind es die selben Leute, die ich am Wochenende im Club auflegen sehe. In der Regel herrscht hier ein „faires Miteinander“, dass es allen ermöglicht auf ihre Veranstaltungen hinzuweisen. Auch ich erfahre so oft, welche DJs in der Stadt sind und wo man am Wochenende hingehen könnte. Heute, zum Start des Wochenendes, habt ihr mit eurer „Made by you“ Kampagne alles überklebt und damit den Leuten, die sich die Mühe gemacht haben dort auf ihre Veranstaltungen hinzuweisen, in den Arsch getreten. Not cool.

Könnt ihr euch keine gemieteten Werbeflächen leisten? Ist das euer Weg eure Verbundenheit zur Musikszene zu unterstreichen? In meinen Augen habt ihr da ein feines Eigentor geschossen und viele Leute verprellt, die euch vermutlich grundsätzlich ganz sympathisch finden.

[Ich habe Converse um eine Stellungnahme gebeten. Bisher blieb die Anfrage unbeantwortet]

Update, 13.03., 17:00 Uhr: Converse möchte sich nicht zu der Aktion äußern.

Update, 17.03.: Converse hat uns geantwortet.

  • ichoderdu

    hahahahah Sack Reis. Was eine unwichtige Meldung.

    • T

      Wenn du mehr Relevanz deinem intellektuellen Anspruch entsprechend suchst, kannst du diese „Meldung“ (oder ist es doch vielleicht eher ein Blogeintrag, da das hier kein Nachrichtenportal ist) einfach überlesen und deine Reise nach nachrichtentechnischer Erleuchtung auf http://www.bild.de fortsetzen.

    • Anonymous

      Word!
      Was Converse gemacht hat nennt sich Guerilla Marketing und keiner ist davon zu Schaden gekommen :D
      Ganz locker lieber Blogger.

    • Clitcommander

      Depp!

  • Sandra

    Ey, „Ichoderdu“ und „T“. ich weiß nicht, ob ihr Menschen aus der Musikszene kennt. Das ist ein echt hartes, größtenteils geldfreies Dasein und was der Autor über die Fläche an der Sternbrücke sagt, stimmt. Das ist eine Fläche für LOKALE, KLEINERE Veranstaltungen. Die Converse-Plakate hängen überall in HH auch auf den großen, regulären Werbeflächen. Was diese Aktion also soll, ist echt fraglich. Finde das eine absolut relevante Anmerkung und bin gespannt auf die Reaktion.

  • Rich

    Stimmt, kleine Musiker und Clubs können sich keine offiziellen Werbeflächen leisten. Was aber nicht stimmt: „dort herrscht ein faires Miteinander……“ In den allermeisten Fällen sind deine Plakate innerhalb von 24h überklebt, oft sogar nich am selben Tag/Abend. Fairness gibt es bei der Unzahl an Clubs und Veranstaltungen in Hamburg schon lange nicht mehr und gerade viele DJ/Disko-Veranstaltungen ballern diese Flächen ähnlich zu wie die Marke oben, über die sich der Autor grad so aufregt. Ich bin Musiker und weiß da leider, wovon ich rede. Viel geiler wäre es, wenn sich die örtlichen „Berufsplakatierer“ ansprechen und die Flächen teilen und dann für selstplakatierende Bands auch noch etwas Raum bleibt.

  • Alexander

    Man kann natürlich hoffen, dass sich immer alle an die Regeln halten, aber wo es keine Intervention gibt, wenn gegen sie verstoßen wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand darüber hinwegsetzt.

    Vielleicht erzeugst du ja genug mediale Aufmerksamkeit, dass Converse sich entschuldigt, aber ansonsten sehe ich da eher Schwarz.

    • Converse möchte sich nicht zur Aktion äußern. Unser Vermarkter hat uns aber mitgeteilt, dass die geplante Schaltung der „Made By You“ Kampagne auf Testspiel.de gestrichen wurde.

      • Kaum zeigt man sich kritisch gegenüber solchen dreisten Aktionen, wird man durch Stornierung von Werbung bestraft. Lächerlich.

      • René

        „Converse möchte sich nicht zur Aktion äußern. Unser Vermarkter hat uns aber mitgeteilt, dass die geplante Schaltung der “Made By You” Kampagne auf Testspiel.de gestrichen wurde.“

        Au man, was für’n Anfängerfehler, jeez ;)

        http://www.nerdcore.de/2015/03/13/converse-hijacks-local-ad-space-in-hamburg/

  • mindph

    Ich war selber Kleinveranstalter, DJ und hab auch meine eigenen Plakate geklebt. Ist eine scheiß Arbeit 4 Stunden mitm Eimer bei Wind und Wetter, besonders im Winter, durch die Stadt zu dackeln und Plakate kleben. Immer ein Auge auf die Straße wegen Bullen oder Ordnungsamt, von Objektsecurity angeschissen werden usw. Mich haben auch immer die pseudo-underground Veranstalter genervt, die ihre Kleber für ne Getränkemarke oder nen Zehner pro 1000 Plakate los schicken und der Anweisung, möglichst alles zuzuballern, so dass die eigenen Plakate schon 10 Minuten später wieder überklebt waren.
    Nike hat sone Scheiße ja auch schon gemacht. Fuck you ihr dummen Pseudos! Gibt genug Arschlöcher in der Szene, da brauchen wir nicht auch noch Weltkonzerne, die einen auf Underground machen und auch hier jeden verdrängen, der sich keine offizielle Werbung leisten kann.

  • AggroEppendorf

    Also ich finde diese Plakate da total unnötig und beschissen. Egal ob von irgendwelchen Clubs oder von Converse. Es sieht dreckig und ungepflegt aus, ist fremdes Eigentum und irgendwann fallen 200 kg feuchter Plakatmatsch von der Wand.

    Warum nutzen die tollen „kleinen Clubs“ und „DJs“ nicht elektronische Medien für ihre „wichtigen Tipps“?

  • Phi

    Naja, wenn es jetzt nichts „Gekauftes“ ist, dann könnten die Clubs etc. doch einfach wieder ihr Ding drüber kleben, oder etwa nicht? Es ist zwar kacke, wenn dadurch nun etwas frisch angehängtes überklebt wurde, aber man kann den Spieß ja auch andersherum drehen.

    An sich find ich es jetzt nicht schlimm, wenn aber auch nicht gerade fair. Aber da die Fläche anscheinend frei zu nutzen steht, warum dann auch nicht als großes Unternehmen darauf zurückgreifen?

    • Das ist inzwischen auch geschehen.

  • Jörg

    Mir ist egal, WER fremde Wände beklebt, ob das nun die aaaaarmen bedauernswerten „Kleinmusiker“ sind, oder der böse Konzern. Beides sollte gleichermaßen so hart bestraft werden, dass derjenige das niemals wieder tut.

  • Steetcredibility Jelo

    Wieder mal ein mißglücktes Beispiel dafür, wie ein Großkonzern versucht seinem Konsumschrott einen Subkultur-anstrich zu verpassen. Morgen taggen die wahrscheinlich auch noch unsere S-Bahnen voll. Wildplakatieren, was von vielen geduldet wird (ob jetzt nachvollziehbar oder nicht ist in diesem Zusammenhang eher egal) ist letztendlich Vandalismus. Da wird so eine billigstgummiplastestoff-Trete gleich um vieles „hipper“, nicht wahr, ihr „Street-credibility-Billies“ in der Marketingabteilung.
    Und was die Kampagne „Made by you“ betrifft:
    Da Converse mittlerweile zu Nike gehört, wäre „Made by Sweatshop“ angebrachter. Wie die ihr Geld verdienen (lassen), kann man sich bei Youtube unter „Behind the swoosh“ ansehen. Immerhin bleiben wir vom sonst üblichen Marketing-Geblubber verschont, in dem sie uns volltexten wollen „es sei ein pöserpöser Sub-Unternehmer gewesen, der auf eigene Initiative gehandelt und es vorher nicht mit dem Imperium abgesprochen hat“…
    Malte, Du wirst von denen zu dieser Aktion auch nichts hören, da Wildplakatieren eine Sachbeschädigung und somit eine Straftat ist. Lieber straft man den nicht hörigen Blogger für seine eigenen Fehler ab und nimmt ihm seine versprochenen Kekse. Ziemlich feige und anstandslos, meiner Meinung nach. Aber ey, Großkonzern…
    Danke fürs posten der Story.

  • Olli

    Die Plakate hielten nun wie lange? So lange, wie ein paar Chucks halten..? ;)

  • Wadenbeisserin

    Süß, wie manche Leute vom Verhalten eines Großkonzerns enttäuscht sind. Wenn Marktwirtschaft und „faires Miteinander“ Hand in Hand gehen, gebt mir bitte Bescheid, dann back ich mir ein Eis

  • andy

    … mmmh .. wirklich peinlich … ich glaube das die Entscheider von Converse und Nike das gar nicht mitbekommen und die Agentur das vielleicht nicht korrekt kommuniziert … Ich denke, bei XING findet ihr bestimmt die richtigen Manager von Converse/Nike die bestimmt happy sind wenn Sie von aussen Anregungen bekommen ….

  • p_at

    Die alten Poster bleiben zum Großteil erhalten:
    schanzenposter.tumblr.com
    ;-)