Start Kritiken Sleaford Mods “Eton Alive” – Rezension

Sleaford Mods “Eton Alive” – Rezension

photo credit: Roger Sargent

Minimal, minimalistischer, Sleaford Mods. Sänger Jason Williamson und Beatbastler Andrew Fearn erheben mit ihrem neuen Album nicht minder bassgeschwängert, ironisch und wütend wie auf den Vorgänger-Alben ihre Stimme gegen Eliten, Brexit und Missstände im eigenen Land. Die Message des Sprachrohrs der englischen Arbeiterschicht geht über die Landesgrenzen hinaus. Europäische Brüder und Schwestern vereinigt euch.

Am 22. Februar diesen Jahres erschien die fünfte Studio-Langspielplatte des britischen Spoken Word-Electro-Punk-Duos Sleaford Mods „Eton Alive“ als erste Veröffentlichung ihres eigenen und neu gegründeten Labels Extreme Eating. Zuvor erschienen ihre Alben auf dem britischen Indie-Label Rough Trade. Während die Vertragsunterzeichnung noch prätentiös mit Champagner begoßen wurde wie man in der Dokumentation „Bunch of Kunst“ über das Duo sehen kann, zeigen die Mods auf der neuen Platte, was ihnen nicht schmeckt: Heucheleien. „You’re just saying it all to look good“ rotzt Williamson in typischer Manier auf der ersten Single des Albums „Kebab Spider“ raus, zu dem bisher das einzige Low-Budget-Video erschienen ist. Verzerrte Sounds und eine sich in den Vordergrund drängende Basslinie umwallt den ironisch-motzenden Ton Williamsons. Mit dem eigenen Label sind Sleaford Mods sich und dem DIY-Gedanken nach wie vor treu und finden sogar wieder mehr in die Selbstermächtigung zurück. Unprätentiös, selbstironisch und prollig.

„Eton” steht sinnbildlich für Elitenbildung und soziale Ungleichheit im Land. Das „Eton College” als privat finanzierte Schule zählt ehemalige Sprösslinge wie Prinz Harry und Prinz William zu seinen erfolgreichen Abgängern und repräsentiert gleichzeitig die Elite des Landes – zu der eine mächtige Minderheit gehört. Eine Schule, auf die Williamson seine Kindern niemals schicken kann und will. Die Klassengesellschaft lebt!

„When You Come Up To Me“ gehört zu den harmonischten Liedern des Albums, auf denen Williamson sein touretthaftes Bellen einmal für beinahe so etwas wie Gesang eintauscht. Als Bekenntnis trauriger Resignation ist sein schiefer Gesang authentischer Ausdruck über den depressiven Wunsch nach Ruhe. Immerhin schafft es das elektro-poppige Lied dank Drum-Loops am eingängigsten in den Ohrmuscheln zu verharren. Während der Opener „In the Payzone“ noch mit einem Rülpser direkt mit der Tür ins Haus fällt, endet „Negative Script“ smooth. Bei „Subtraction“ erinnern wir uns an dieser Stelle einmal an den kürzlich verstorbenen Sänger Keith Flint der 90er-Jahre-Breakbeat-Band The Prodigy, die mit „Ibiza“ eine Kollaboration mit den Sleaford Mod herausbrachte.

Die zwölf Songs des neuen Albums wurden in der Heimatstadt Nottingham aufgenommen. Dort leben die Mods immer noch, nur mittlerweile nicht mehr in den heruntergekommensten Häusern, sondern am schicken Rand der Stadt. Aber auch der Aufstieg in die Mittelklasse hat nichts an dem Gefühl der Wut geändert. „Eton Alive speaks for itself really“, kommentiert Williamson die Platte. Was bleibt da hinzuzufügen?

Eigentlich hat sich mit „Eton Alive“ nicht viel geändert. Den Sleaford Mods beim Motzen zuzuhören, ist immer noch extrem geil.

Tracklisting „Eton Alive“ via Extreme Eating Records (Cargo)

1. Into The Payzone
2. Kebab Spider
3. Policy Cream
4. OBCT
5. When You Come Up To Me
6. Top It Up
7. Flipside
8. Subtraction
9. Firewall
10. Big Burt
11. Discourse
12. Negative Script