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NME veröffentlicht „500 Greatest Songs Of All Time“

Das NME Magazin hat in der vergangenen Woche eine Liste veröffentlicht, die die 500 Greatest Songs Of All Time beinhalten soll. Das ist ein recht großspuriges und wirklich komplexes Unterfangen, das Fragen aufwirft.

Erstens muss man sich natürlich nach den Maßen fragen, in denen da gemessen wird. Und zweitens muss man sich die Frage stellen, was die Stammleser, die Süchtigen, die so gerne Listen lesen und selbst aufstellen, denn ab jetzt mit ihrer Freizeit anfangen werden. Ist es nicht eigentlich die Existenzberechtigung eines solchen Magazins, ständig neue Listen aufzustellen?

Die erste Frage ist recht schnell beantwortet: Jeder Redakteur stellte eine Liste der besten 50 Songs auf. In Kombination mit bereits veröffentlichten Jahresbestenlisten, entstand dann dieser „endgültige“ Überblick. Also keine Melodieanalysen oder psychologischen Tests, keine Messungen der Hormonkonzentration beim Hören der Songs, keine Parameter zum Songwriting oder der popkulturellen Bedeutung.
Auf Stereogum konnte man jetzt die Top 100 (siehe unten) der NME Redaktion finden und die Reaktionen sind recht eindeutig…

Bevor man den Fleischwolf anschmeisst, sollte man aber zuerst mal lobende Worte für diese Aktion finden. Die Liste ist mutig und Musik mit wissenschaftlichen Theorien zu verknüpfen, natürlich absoluter Unsinn. Vielleicht hätte es geholfen, kein explizites Ranking aufzustellen, sondern die Songs gleichwertig neben einander stehen zu lassen oder zumindest eine Kennzeichnung, dass es sich hier um eine subjektive Auswahl handelt.

Andererseits muss der NME Chefredaktion klar gewesen sein, was eine solche Liste auslöst. Da wird nichts dem Zufall überlassen. Also müssen sie sich das auch gefallen lassen.

Wie kann es zum Beispiel sein, dass Queen in der Top 100 einfach nicht berücksichtigt wurde?
Bohemian Rhapsody ist ein toller, komplexer Popsong, der vom Songrwriting her, kaum zu überbieten ist.  Mal abgesehen von der popkulturellen Tragweite. Auch Jimmy Hendrix fehlt mir oder Luka von Suzanne Vega oder Creep von Radiohead.
Sind diese Songs wirklich schlechter, als beispielsweise das plumpe Cigarettes and alcohol von Oasis (Platz 67) oder Niggas in Paris von Jay Z und Kanye West (Platz 81)? Und ist Girls and boys von Blur (Platz 20) überhaupt der beste Song von Blur?

Man könnte ewig so weitermachen und auch noch darüber sprechen, dass Kurt Cobain kurz nach Erscheinen von Smells like teen spirit (Platz 1), genauso wenig gute Worte für den eigenen Song fand, wie Alex Turner für I bet you look good on the dance floor (Platz 7).
Ich finde es aber eher angebracht, dem New Musical Express zu danken. Denn er erbringt den eindeutigen Beweis, warum wir solche Listen so lieben. Weil wir sie gleichzeitig hassen und weil wir es nie schaffen werden, eine Ultimativität zu erreichen. The list is dead, long live the list!

100. The Stone Roses – „I Am The Resurrection“
99. Queens Of The Stone Age – „No One Knows“
98. Rage Against The Machine – „Killing In The Name“
97. Grandmaster Flash & The Furious Five – „The Message“
96. The Libertines – „What A Waster“
95. Public Enemy – „Fight The Power“
94. The Flaming Lips – „Do You Realize??“
93. Kanye West – „Gold Digger“
92. Britney Spears – „Toxic“
91. LCD Soundsystem – „All My Friends“
90. MGMT – „Time To Pretend“
89. Jeff Buckley – „Hallelujiah“
88. Eminem – „Lose Yourself“
87. Lana Del Ray – „Video Games“
86. Missy Elliot – „Get Ur Freak On“
85. Morrissey – „Everyday Is Like Sunday“
84. Sex Pistols – „Anarchy In The UK“
83. The Clash – „Complete Control“
82. Beyoncé – „Crazy In Love“
81. Jay Z & Kanye West – „Niggas In Paris“
80. The Beatles – „Taxman“
79. The White Stripes – „Fell In Love With A Girl“
78. Nick Cave & The Bad Seeds – „Into My Arms“
77. The Beatles – „Hey Jude“
76. Kate Bush –  „Wuthering Heights“
75. The Streets – „Dry Your Eyes“
74. Franz Ferdinand – „Take Me Out“
73. PJ Harvey – „Sheela-Na-Gig“
72. The Velvet Underground – „Venus In Furs“
71. Buzzcocks – „Ever Fallen In Love (With Someone You Shouldn“™t’ve)
70. The Who – „My Generation“
69. The Clash – „(White Man) In Hammersmith Palais“
68. The Beatles – „Blackbird“
67. Oasis – „Cigarrettes & Alcohol“
66. N.W.A. – „Straight Outta Compton“
65. Ben E. King – „Stand By Me“
64. The Smiths – „This Charming Man“
63. Massive Attack – „Unfinished Sympathy“
62. David Bowie – „Young Americans“
61. New Order – „True Faith“
60. Pulp – „Babies“
59. Primal Scream – „Loaded“
58. Elvis Presley – „Suspicious Minds“
57. Michael Jackson – „Billie Jean“
56. Beastie Boys – „Sabotage“
55. Kraftwerk – „The Model“
54. Bruce Springsteen – „Born To Run“
53. M.I.A. – „Paper Planes“
52. Daft Punk – „One More Time“
51. David Bowie – „Ashes To Ashes“
50. Lou Reed – „Walk On The Wild Side“
49. Bob Dylan – „Like A Rolling Stone“
48. The Cure – „Boys Don“™t Cry“
47. Madonna – „Like A Prayer“
46. Marvin Gaye – „I Heard It Through The Grapevine“
45. Radiohead – „Paranoid Android“
44. Pixies – „Debaser“
43. Manic Street Preachers – „A Design For Life“
42. Blur – „The Universal“
41. Amy Winehouse – „Back To Black“
40. Jay Z – „99 Problems“
39. Yeah Yeah Yeahs – „Maps“
38. Sinead O“™Connor – „Nothing Compares 2 U“
37. Ike And Tina Turner – „River Deep – Mountain High“
36. Oasis – „Wonderwall“
35. The Beatles – „Strawberry Fields Forever“
34. David Bowie – „Life On Mars“
33. Suede – „Animal Nitrate“
32. The Clash – „London Calling“
31. The Stone Roses – „Fools Gold“
30. Talking Heads – „Once In A Lifetime“
29. The Rolling Stones – „Gimme Shelter“
28. The Libertines – „Time For Heroes“
27. Sex Pistols – „God Save The Queen“
26. LCD Soundsystem – „Losing My Edge“
25. Arcade Fire – „Wake Up“
24. Bob Dylan – „Hurricane“
23. The Kinks – „Waterloo Sunset“
22. The La“™s – „There She Goes“
21. The Specials – „Ghost Town“
20. Blur – „Girls & Boys“
19. Blondie – „Heart Of Glass“
18. OutKast – „Hey Ya!“
17. The Beatles – „A Day In The Life“
16. The White Stripes – „Seven Nation Army“
15. David Bowie – „Heroes“
14. The Beach Boys – „God Only Knows“
13. Oasis – „Live Forever“
12. The Smiths – „There Is A Light That Never Goes Out“
11. The Beatles – „Eleanor Rigby“
10. The Beach Boys – „Good Vibrations“
9. The Ronettes – „Be My Baby“
8. New Order – „Blue Monday“
7. Arctic Monkeys – „I Bet You Look Good On The Dancefloor“
6. Pulp – „Common People“
5. The Strokes – „Last Nite“
4. The Smiths – „How Soon Is Now?“
3. Donna Summer – „I Feel Love“
2. Joy Division – „Love Will Tear Us Apart“
1. Nirvana – „Smells Like Teen Spirit“

PS: Wer eine gute, nachvollziehbare Jahreslistung sehen möchte, die stetig wächst und sich niemals mit Ankündigungen, wie „The definitive countdown of the best tracks ever recorded“ schmücken würde, sollte sich die Testspiel Spotify-Playlist reinziehen.

Jonathan
Geboren 1988 in Ulm, lebt und arbeitet Jonathan Tyrannosaurus Kunz in Saarbrücken und leitet Kurse an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Er mag traurige Musik aus den Neunzigern und ist der beste Tischtennisspieler, den er kennt.

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