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Marsimoto – Ring der Nebelungen (Kritik)

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Kaum einer hätte sich 2006 ausgemalt, dass neun Jahre später mehrere 10.000 auf dem größten Rockfestival des Landes zur Musik eines kleinen grünen Männchens mit Heliumstimme  feiern würden. Marsimoto galt lange Zeit als Geheimtipp, und selbst als Marteria dann das Deutschrap Revival mit „Zum Glück in die Zukunft“ anschob und spätestens im vergangenen Jahr als allgemein bekannter Popstar etabliert wurde, war die andere Rap-Persona von Marten Laciny immer noch eher Gimmick in den Köpfen der Leute. Mittlerweile scheint sich das zum Teil geändert zu haben, was „Ring der Nebelungen“ noch unterstreichen dürfte. Wie bereits auf seinem Vorgänger „Grüner Samt“ gibt es hier keine halbgaren Kompromisse (ohne „Zu zweit allein“ hier als schlechtes Album bezeichnen zu wollen), sondern die volle Dosis Marsimoto. In der Trennschärfe liegt jedoch auch eine Gefahr: Möchte man wirklich zum vierten Mal einem erwachsenen Mann mit Heliumstimme dabei zuhören, wie er über nichts als das grüne Gold spricht?

Tatsächlich ist auf „Ring der Nebelungen“ vieles beim Alten geblieben, unter anderem auch das Produzententeam hinter dem Sound von Marsimoto. Dieser hat dieses Mal von dem Besuch in Jamaika profitiert, den sich die Beatbastler gemeinsam während der Aufnahmen gönnten. So umweht bereits den Opener  „La Saga“, der bereits aus der sehenswerten Video-Reihe zur Ankündigung des Albums bekannt ist, ein entspannter Reggea-Vibe, ebenso wie das monumental-schleppende „Anarchie“. Natürlich knallt das alles immer noch, kommt aber deutlich entspannter rüber als der teils beinahe aggressive, mit Dubstep liebäugelnde Vorgänger, vor allem aber musikalischer, elaborierter. Durch „Flywithme“ weht ein Hauch von Orient, „Illegalize It“ (das sein Thema übrigens viel gelugener umsetzt als sein Genetikk/Sido-Cousin „Don’t Legalize“) wird von Gitarren angetrieben und vielen Songs gibt man hinten raus noch einen Twist mit, der für Spannung sorgt. Marsimoto besticht dazu mit gewohntem Gespür für Wortwitz und legt seinen „Tijuana Flow“ über besagte Klanglandschaften.

Doch wenn wir über die Texte sprechen, dann kommen wir auch zur Schwachstelle des Albums. Im Grunde ist das thematische Feld, das hier zur Verfügung steht, recht eng abgesteckt, und hier stößt Marten erstmals an die Grenzen dieser Kunstfigur. „Illegalize It“ und das großartige „Zecken raus“ bestechen mit Ironie, und auch eine überhebliche Kiffer-Träumerei wie „7 Leben“ hört man sich immer wieder gerne an. Teils bleibt der Wahnsinn aber auf der Strecke, wirkt kalkuliert oder aber einfach ein wenig abgegriffen. Marsimoto liefert die Antwort im Song „An der Tischtennisplatte“: „Wenn du dich fragst ‚Worum geht’s in diesem Song?’/Dann hast du Hip Hop nicht verstanden“. Natürlich kann man die Sache auch so sehen, trotzdem muss man aufpassen, dass Marsimoto am Ende nicht doch zu dem wird, was er trotz gegenteiliger Behauptungen eben nie war: ein Treppenwitz.

7,5/10

„Ring der Nebelungen“, das vierte Album des Rappers Marsimoto, ist heute erschienen. Besorgt es euch gerne beim Händler eures Vertrauens, alternativ darf es auch gerne über Spotify angetestet werden.