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„Es sind zu 100% ehrliche Worte.“ – im Interview mit Brian McTernan von Be Well

Brian McTernan ist ein Urgestein in Sachen Hardcore-Punk. Mit Battery gehörte er in den 90ern zu den wegweisenden Musikern der Szene. Aber auch als Producer hat der Mann einiges auf dem Kerbholz – von Cave In über Converge bis Hot Water Music und Darkest Hour, alle und noch viel mehr waren zu Gast in seinem Salad Days Studio.

Vor einiger Zeit war es dann aber wieder Zeit für McTernan selbst ans Mikro zu treten. Be Well heißt sein neues Projekt und kann sich irgendwo den Stempel der Supergroup aufdrücken lassen. Setzt sich die Band doch schließlich aus Battery-, Bane– und Darkest Hour-Mitgliedern zusammen. Nun steht das Debüt „The Weight and The Cost“ ins Haus und ich habe mit Brian ein Schwätzchen gehalten.

Am 21. August erscheint „The Weight and The Cost“, euer erster Langspieler als Be Well. Wie fühlt sich das an?

Das Album ist etwas ganz Besonderes, weil es einfach sehr speziell ist überhaupt die Möglichkeit zu haben, eine solche Platte zu produzieren. Vor allem, wenn man wie ich 20 Jahre lang keine eigene Musik geschrieben hat (lacht). Aber da hört es nicht auf, was mich richtig von den Socken gehauen hat war, wie überaus positiv das Projekt von den Leuten aufgenommen worden ist.

Es war wirklich furchteinflößend für mich an diesem Punkt in meinem Leben nochmal eine Band zu starten. Und dann auch noch mit Musik, die so persönlich und so weit weg von dem ist, was wir bisher so gemacht haben.

Du hast es schon angesprochen: Be Well ist anders, als zum Beispiel Battery. Was war für dich der größte Unterschied, wenn du die beiden Bands und deine Position in ihnen vergleichst?

Der vermutlich größte Unterschied ist, dass ich in Battery nichts mit dem Schreiben der Musik zu tun hatte. Ken Olden hatte da komplett das Sagen. Wenn Vocals für fertige Musik schreibt, ist das nicht unbedingt limitierend, aber im Fall von Be Well habe ich viel mehr Möglichkeiten. Dadurch, dass ich die initialen Anstöße für alle gebe, kann ich mit meiner Stimme auch viel mehr experimentieren.

Außerdem hat Be Well natürlich den großen Vorteil, dass es keinen Vorstellungen entsprechen muss. Wir haben nie festgelegt, wie die Band klingen soll, es ist einfach natürlich passiert. Und das was wir jetzt soweit haben klingt meiner Meinung nach ziemlich cool!

Jetzt ist die aktuelle Lage nicht unbedingt die einfachste Voraussetzung für einen Album-Release. Ihr könnt nicht Touren, was einen großen Teil der Promo wegfallen lässt. Inwieweit hilft es euch gerade Teil einer Szene zu sein, die immer schon auf DIY gefußt ist?

Es hilft immens. Vor allem der Grundgedanke der ganzen Szene. Die Fans sind so investiert in die Musik und die Bands – und das merken wir auch bei Be Well. Ich gehe seit 34 Jahren auf Punk-Konzerte (lacht).

Das erste Mal, als ich nach Europa gereist bin, war ich gerade mal 17 und hatte frisch die Highschool abgebrochen. Um eben diese Reise machen zu können. Das wäre ohne den Zusammenhalt der Leute nie möglich gewesen, hat mich aber unendlich geprägt.

Bevor wir uns zu sehr in Geschichten der Vergangenheit verlieren – was ist die Geschichte zu den Fotos, die die Cover-Art von „The Weight and The Cost“ darstellen?

Alle Fotos, die man im Kontext mit Album sieht kommen von meiner Frau. Auf der Suche nach den passenden Fotos, haben wir uns hunderte von verschiedenen Fotografen angeschaut, aber so richtig klick hat es bei keinem gemacht. Wir haben dann beinahe nebensächlich dem Grafikdesigner ein paar der Fotos meiner Frau geschickt und er war direkt Feuer und Flamme.

Für mich ist das aber auch komplett logisch. Meine Frau und ich sind seit der Highschool ein Paar. Sie kennt mich in meinen guten Zeiten, genau wie in meinen schlechten. Und das gilt natürlich auch umgekehrt genauso. Die Fotos zeigen also in vielerlei Hinsicht auch die Reise, die wir zusammen hinter uns gebracht haben.

Das Cover kommt meiner Meinung nach besonders gut in Vinyl-Größe zur Geltung. Ich habe gesehen, dass ihr da auch viel mit Farbvarianten macht – bist du ein Vinyl-Narr?

Ich. Liebe. Vinyl! Ich mochte CDs noch nie. Lyric-Sheets, die Artworks – etwas zu besitzen, das auch etwas Echtes repräsentiert – ich liebe es einfach! Mittlerweile sind die Vinyl-Farben so mega abgefahren, es ist unglaublich!

Ich habe meine komplette Sammlung bei einem Brand verloren. Jetzt habe ich wieder angefangen zu sammeln und baue mir langsam etwas auf. Aber das ist es komplett wert! Immerhin habe ich schon gute 20 Be Well Varianten (lacht).

Wenn das Album nun kommenden Freitag erscheint – hast du einen Wunsch, wie die Leute die Platte anhören?

Ich denke das Album macht am meisten Sinn, wenn man es am Stück hört. Die einzelnen Lieder gleichen sich gegenseitig aus, sodass eine Balance entsteht. Was mir besonders gut gefällt ist, dass man bei jedem neuen Durchlauf auch etwas neues Entdecken kann.

Es gibt viele unterschiedliche Ebenen und Texturen, die man je nach Lautsprecher oder Kopfhörer wahrnimmt. Es gibt nicht wirklich viele Hardcore-Alben, die so facettenreich sind. Ich persönlich hoffe, dass Leute außerdem in meinen Texten Aussagen hören, mit denen sie sich identifizieren können. Es sind zu 100% ehrliche Worte. Ich fühle mich einfach sicher aufgehoben, meine Gefühle in Hardcore Ausdruck zu verleihen.

Wer Be Well mal genauer unter die Lupe nehmen will, kann entweder zur Self-Titled EP greifen oder schon mal „Confessional“ vom kommenden Album hören:

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Tim
Manchmal etwas zu viel von Rob Gordon, manchmal zu wenig. Hamburger durch und durch.

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