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„Ich möchte nicht den einfachen Weg gehen“ – Alfie Templeman im Interview

Credit Blackksock

Der aus Bedfordshire stammende Alfie Templeman ist ein wahres Musiktalent. Mit 7 Jahren lernt er Schlagzeug zu spielen, später Gitarre und Bass. Er bringt sich das Produzieren und Schreiben seiner Musik selbst bei und wagt dabei immer wieder Genregrenzen zu übertreten. In UK gilt er seit seiner EP-Dreier „Like An Animal“, „Sunday Morning Cereal“ und „Don’t Go Wasting Time“ längst als Artist-to-Watch – höchste Zeit also den 17-jährigen auch hier näher kennen zu lernen. Bei einem morgendlichen Zoom Meeting erzählt Alfie anlässlich der Veröffentlichung seiner neuen EP „Happiness In Liquid Form“ (17.07.20) von seinem ihn als Briten enttarnenden Lieblingsgetränk, was ihn glücklich macht und warum Mac DeMarco für ihn ein Vorbild ist.

Als das Gespräch startet, strahlt ein verwuschelter Alfie in die Kamera. Nachdem er sich erkundigt hat wie es mir geht, entschuldigt er sich zwinkernd für seine Haare. Er sei gerade erst aufgestanden. Das führt mich zu meiner ersten Frage.

Ist Tee dein Lieblingsgetränk am Morgen?
Alfie: Ja, absolut. Ich trinke es die ganze Zeit. Ich bin nahezu süchtig nach Tee, aber es ist ja auch gut für dich. Solange Du nicht zu viel Zucker rein machst.

Ziemlich britisch.
Alfie: Stimmt, das ist sehr britisch!

Ich habe dich bei Instagram im Live-Stream gesehen, als Du deine neue EP angekündigt hast…
Alfie: Ja, ich bin sehr aufgeregt. Es gab eine lange Vorlaufzeit, da ich die Lieder letztes Jahr schon aufgenommen habe. Ich habe mir die Zeit genommen auf den Liedern „zu sitzen“ und jetzt ist es sehr schön zu sehen, wie die Fans und Hörer darauf reagieren. Der ganze Entstehungsprozess der sechs Lieder hat mir Spaß gemacht und ich bin sehr stolz auf das Endergebnis.

Achtest Du bei Instagram darauf die Privatperson Alfie und den Künstler voneinander zu trennen oder bist du entspannt damit?
Alfie: Ich bin da sehr entspannt, ich denke, weil ich noch jung bin. Meine größte Angst habe ich vielleicht vor Kritik, aber nichts Ernstem. Weil ich noch ein Teenager bin, hat diese Seite und die des Künstlers einfach Spaß.

Du hast am Blackout Tuesday die Möglichkeit genutzt über die sozialen Medien ein Statement zu setzen. Politische Meinungen finden sich in deiner Musik aber nicht wieder oder?
Alfie: Nein, auch wenn es offensichtlich sehr cool wäre. Ich habe Live-Streams zu Black Lives Matter gemacht und versuche meine Plattform für ein Bewusstsein und Aufmerksamkeit zu solchen Themen und generell Dingen, die in der Welt los sind zu nutzen. Einfach, weil ich denke, dass das wichtig ist und ich mir bewusst darüber bin wie das Publikum, das ich habe, Informationen aufnimmt.

Lass uns über deine neue EP sprechen. Dort unternimmst Du eine Achterbahn der Gefühle. Den Song „Happiness In Liquid Form“ beschreibst Du als bunten „Sugary-Disco-Pop-Sound“. Verrate mal wie Du es schaffst auch in schwierigen Zeiten positiv zu bleiben?
Alfie: Der Song versucht dich auf bessere Gedanken zu bringen. Gleichzeitig vergisst man natürlich nicht, was um einen herum passiert. Es geht dabei darum sich seine geistige Gesundheit zu bewahren und von schlechten Dingen abzulenken. Den Weg, den ich dafür wähle, ist definitiv Musik zu machen, genug Leuten damit eine Freude zu bereiten. Das macht mich dann wiederum glücklich. Ansonsten zocke ich und mache normale Teenagersachen. Wenn ich so darüber nachdenke, ist es erstaunlich wie schnell die Zeit in den letzten Monaten vergangen ist. Wie schnell Zeit vergeht, wenn man nichts wirklich macht. Mir tat es gut nicht zu viel zu erwarten und jeden Tag langsam anzugehen.

Nachdem wir gerade über Glücklichsein gesprochen haben, lass uns über das Lied „My Best Friend“ auf der gleichen EP sprechen, auf dem Du ausdrücklich sagst, gerne traurig zu sein. Was meinst Du damit?
Alfie: Es gehört dazu, die schlechten Teile des Lebens anzunehmen und zu akzeptieren, wenn man mal traurig ist. Das ist menschlich und jeder macht das durch. Aber um ehrlich zu sein, ging es mir um einen Kontrast in Sound und Metaphorik, wie um ein Gemälde zu vervollständigen. Wie Du von der Achterbahn gesprochen hast, habe ich die EP als Kreislauf der Gefühle verstanden. Wenn man beim letzten Song „My Best Friend“ angekommen ist, kann man wieder zum Anfang der EP zurück kehren und glücklich sein.

Du kommst aus einer sehr musikalischen Familie. Welchen Stellenwert haben Konzertbesuche für dich beim Aufwachsen gehabt?
Alfie: Die Erfahrung ist noch neu für mich. Ich habe zwar selbst in vielen Orchestern gespielt, aber als Kind keine Konzerte gesehen. Deswegen sehe ich jetzt vieles selbst aus einer anderen Perspektive, wenn ich als Besucher auf Konzerte gehe.

Welches Konzert ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Alfie: Ich war mal auf einem Privatkonzert von King Crimson, weil der Schlagzeuger ein Freund der Familie ist. Es war unglaublich. Einfach alles. So komplex, so konsequent, in dem was sie tun.

Vermisst Du live spielen?
Alfie: Ja! Weil es so großartig ist! Es ist wie ein ganz eigenes Gefühl, das man nur beim live spielen fühlt.

Wen Du auch gerne magst, ist Mac DeMarco richtig?
Alfie: Oh ja, er ist großartig! Ich habe ihn letztes Jahr live spielen sehen. Wenn man auf ein Mac DeMarco-Konzert geht, weiß man, dass es witzig wird.

Würdest Du deine Energie auf der Bühne mit seiner vergleichen?
Alfie: Ja, wir haben einen ähnlichen Vibe. Meine Band und ich nehmen uns auch nicht zu ernst. Mac DeMarco ist jemand zum Aufschauen was Live-Auftritte angeht. Er spielt häufig mit verschiedenen Instrumenten und ich habe auch Lust in Zukunft mehr am Schlagzeug zu sitzen. 3 von 4 aus meiner Band können Schlagzeug spielen, also wäre es witzig, wenn wir tauschen.

Alfie Templeman im Testspiel-Zoom-Interview

Den Song, den ich zum ersten Mal von dir gehört habe, war „Like An Animal“. Sehr smooth! Als ich erfahren habe, dass Du erst 17 bist, war ich richtig schockiert.
Alfie: Oh, Dankeschön!

Bekommst Du die Reaktion oft?
Alfie: Jede Sekunde! Aber ich liebe es. Jeder denkt, dass ich genervt oder gelangweilt davon werde, aber ich finde es sehr schmeichelhaft. Ich war 14 als ich den Song ganz alleine in meinem Schlafzimmer aufgenommen habe. Zu der Zeit hatte ich vielleicht 30 Pfund und wenig Equipment. Aber das gefällt mir heute noch, weil ich glaube, dass man dann produktiver ist. Ich arbeite immer lieber analog als digital, wenn es geht, weil ich die ursprüngliche Idee des Aufnehmens und Dinge einfach zu halten mag.

Wie fühlt es sich an in Läden wie H&M gespielt zu werden?
Alfie: Ich denke, ich werde dort gespielt, weil man mich für einen Indie-Künstler hält, der ich nicht bin. Wenn ich mich mehr und mehr in die Progressive-Richtung entwickle wie CAN oder King Crimson werde ich dort vielleicht auch nicht mehr gespielt. Aber das weiß man heutzutage nicht. Mir persönlich wäre das egal, weil ich nicht den einfachen Weg gehen möchte, nur um berühmt zu werden. Ich möchte Musik machen, die ich selber auch hören würde.

Auf deiner neuen EP sagst Du „Wish I Was Younger“. Was denkst Du übers Älterwerden?
Alfie: Ich mag es nicht. Als Kind dachte ich, dass das die beste Zeit meines Lebens ist. Meine Eltern haben mir immer gesagt ‚Du wirst die Schule hassen, aber sobald Du sie beendest, wirst Du sie vermissen‘ und ich dachte ‚Aber ich vermisse sie schon, obwohl ich noch hingehe!‘, weil man jeden Tag seine Freunde sehen kann. Jeder möchte ein Kind sein – come on!

Hast Du irgendetwas für deinen 18. Geburtstag geplant?
Alfie: Oh, keine Ahnung! Vielleicht etwas einfaches wie in einen Pub oder essen gehen mit meinen Eltern. Ich habe noch bis Januar Zeit mir Gedanken zu machen. Ich werde auf jeden Fall keine große Party schmeißen, ich finde Partys meistens sinnlos.

Würdest Du sagen, dass Du schüchtern bist? Geht es darum in deinem Song „Obvious Guy“?
Alfie: Ja. Da geht es um Ängste, wie nicht auffallen zu wollen.

In dem animierten Video gibt es eine Figur, die immer wieder im Zentrum der Aufmerksamkeit steht und es nicht mag, aber irgendwann eine Verbündete findet.
Alfie: Die ihm Vertrauen gibt. Ich bin sehr schüchtern. Seit ich bei meinem Label unterschrieben und angefangen habe Gigs zu spielen, hat mich das geöffnet und selbstbewusster gemacht. Für viele Jahre wollte ich nicht auffallen, aber seit ich Musik mache, sage ich ‚Hey! Das bin ich!‘“

Vielen Dank für das Interview und deine Zeit!
Alfie: Danke dir und hab den besten Tag!

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Helen
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