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Hudson Mohawke – Lantern (Kritik)

Man könnte sich durchaus schlechtere Ausgangspositionen vorstellen als jene, mit der Hudson Mohawke sich vor Beginn der Aufnahmen zu seinem zweiten Langspieler konfrontiert sah. In den sechs Jahren, die seit der Veröffentlichung seines Debüts „Butter“ ins Land gestrichen sind, hat er sich zu einem der gefragtesten Produzenten der Welt gemausert. Neben seiner Tätigkeit für Personen wie Kanye West oder Drake war es vor allem seine Kooperation mit Lunice unter dem Namen TNGHT, die Herzen von Clubgängern höher schlagen ließ. Mit dickem Adressbuch, dem ohnehin bereits vorhandenen Deal mit Warp und jeder Menge Aufmerksamkeit ausgestattet konnte der Schotte also in aller Ruhe an einem neuen Album basteln und dabei wahlweise abgedrehten next-level-shit produzieren oder die ganz großen Namen herbei zitieren und ein alles vernichtendes Album vorlegen. „Lantern“ ist nun weder eine Kopie des Debüts, noch eine Platte voller Banger oder gar das große Namedropping geworden. Hier versucht jemand hörbar, eigenhändig unsere zeitgenössische Popmusik in sein Labor zu zerren, auseinanderzunehmen und vollkommen neu zusammengesetzt wieder in die Charts zu katapultieren.

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„Lantern“ quillt beinahe über vor Ambition. Überall stecken verschiedene Ideen und Sounds, die man vage als Gebräu aus Electronica, Hip Hop und R’n’B zusammenfassen könnte. Was dabei leider bisweilen auf der Strecke bleibt, ist die eigene Signatur. Wenn auf den lärmigen, eröffnenden Titeltrack also mit „Very First Breath“ eine verspielte, aber dennoch unverholene Pop-Hymne folgt, muss anschließend nicht gleich die nächste Kehrtwende genommen werden, um den Zuhörer bei der Stange zu halten. Daraus ergibt sich gerade der Mixtape-Charakter, den HudMo auf seinem zweiten Album doch eigentlich vermeiden wollte. Mal kommen dabei gute Songs rum, wie die zerbrechliche Antony Kollaboration „Indian Steps“, mal aber auch recht großer Quatsch wie „Warriors“. Dabei bleibt das Album immer vielschichtig, wählt nie den einfachen Weg und wirft sich damit teils selbst Knüppel zwischen die Beine. Ein Track wie das ahnungsvolle, aufgekratzte „System“ zeigt, was hier alles drin gewesen wäre, wenn Hudson Mohawke mit etwas mehr Fokus an die Sache heran gegangen wäre. So bleibt Musik, die sich nicht recht entscheiden kann, was sie eigentlich sein möchte, aber permanent den Eindruck vermittelt, dass hier gerade etwas Großes stattfindet. Das ist immer noch besser als der Kram, der im Radio läuft, aber der große Wurf hätte wirklich anders aussehen müssen.

6,5/10

„Lantern“, das zweite Album des schottischen Produzenten Hudson Mohawke, ist heute erschienen. In Ermangelung eines Spotify-Links gibt es ausnahmsweise an dieser Stelle ein relativ schmuckes Video zur schwachbrüstigen Single „Warriors“.

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Sebastian
Aus Saarbrücken, in Münster, immer auf Testspiel, manchmal auch hier: http://mordopolus.tumblr.com/

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