Start Art & Design Helvetica und Garamond im Gesicht

Helvetica und Garamond im Gesicht

Liebes hippes Volk, die Ray Ban Zeit ist vorbei! Um sich als (Typografie-begeisterten) Depp auszugeben, gibt es jetzt ein neues Produkt.

Die japanische Firma TYPE hat nämlich Brillen entworfen, die zwei Schriftarten nachempfunden sein sollen.
Zum einen dem serifenlosen Klassiker und Dauerbrenner Helvetica und zum anderen der old-style Garamond.

 

type_glasses

Schon auf den ersten Blick fallen Ähnlichkeiten und Unterschiede zu den Schriften auf. Bei der Garamond erinnern die Auskeilungen unter dem Brillensteg und der Abschluss, seitlich an den “Backen”, tatsächlich ein wenig an die Vorlage. Andererseits hat die Schrift eigentlich “vezerrte” Punzen (die Freilassungen innerhalb der Buchstaben, z.B. beim vertikal gestreckten O), wohingegen die einzigen Punzen der Brille, die Aussparungen für die Gläser, fast rund sind.
Bei der Helvetica ist es mit den Punzen ähnlich: Die ausdrucksstarken Formen der Schrift, werden an der Brille nicht übernommen. Ein wichtiges Merkmal der Helvetica, nämlich die stringente Strichstärke, wurde nur beim Bügel der Brille umgesetzt. Und der Rest ist Interpretationssache.

Jedenfalls ist TYPE eine ausserordentliche Marketingstrategie gelungen, wodurch sich noch einige solcher Gestelle verkaufen werden. Mit dem Aussehen der Schriftarten hat das aber wenig zu tun.
Vielleicht können die Produkte aber wenigstens ein bisschen Lebensgefühl verkaufen.

via T3N

Geboren 1988 in Ulm, lebt und arbeitet Jonathan Tyrannosaurus Kunz in Saarbrücken und leitet Kurse an der Hochschule der Bildenden Künste Saar. Er mag traurige Musik aus den Neunzigern und ist der beste Tischtennisspieler, den er kennt.