Start Film & TV Früher Johnny Cash, heute Jesus Christ – Kinostart für die Apostelin

Früher Johnny Cash, heute Jesus Christ – Kinostart für die Apostelin

James Caviezel – Jesus-Darsteller in der „Passion Christi“ – wurde während der Dreharbeiten zum Skandalfilm vom Blitz getroffen: Ein Statement von ganz oben? Mel Gibson hatte mit dem extremen Gewaltausmaß seiner Inszenierung weltweite Gemüter erregt. Während der Papst den Hauptdarsteller im heimischen Wohnzimmer segnete, sorgte das Machwerk nicht nur bei South Park und Konsorten für Hohn, Spott und völliges Unverständnis. Ein Film der voll eingeschlagen ist.

© Universal Pictures

Ein solches mediales Gewitter wird „Maria Magdalena“, als neues ausladend inszeniertes Drama rund um Jesus und seine Gefolgschaft, nicht auslösen. Als Zuschauer begleitet man die todünglückliche Maria, wie sie sich radikal von der konservativen Familienbande im kleinen Magdala löst, um sich der bis dato noch dreizenköpfigen revolutionären Pilgergemeinschaft anzuschließen.

Kleine Randnotiz: Maria Magdalena wurde inzwischen hochoffiziell von der katholischen Kirche mit den übrigen Jüngern gleichgestellt – dafür hat man gerade einmal bis 2016 gebraucht. Die hierzu rausgegebene Pressemitteilung sorgte augenscheinlich nicht für die erhofften Titelseiten und Breaking News – das hatte sich die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit im Vatikan wohl auch anders vorgestellt.

Auch wenn Garth Davis‘ Film einige Bemühungen vollzieht, Maria im narrativen Zentrum zu halten, wird sie unweigerlich sukzessive zur Nebenfigur – spätestens wenn Jesus mit den ganz ehrgeizigen Heilungen beginnt.

Grundproblem: Untrennbar mit der Filmidee verbunden schien die (un)nötige didaktische Maßnahme, Maria Magdalena als rigoros eigenwillige, umsichtige Vorbild-Frau in Szene zu setzen. Und Filmfiguren die so ganz ohne kleine Risse, Abgründe und Selbstzweifel daherkommen, laden selten zur Identifikation ein. Der gut gemeinte Gedanke wirkt sich lähmend auf potentielle innere Entwicklungen aus, so dass ihre Darstellung zwangsweise stagnieren muss.

Ganz anders sieht es bei Jaoquin Phoenixs Jesus-Interpretation aus: Bereits als Johnny Cash in „Walk The Line“ oder Protagonist in der Dystopie „Her“ glänzte er und in diesem Epos treibt er sein Wandelbarkeitsvermögen noch einmal auf die Spitze. Er zeigt Christus wütend, gekränkt, fanatisch und alles andere als besonnen. Wenn man ernsthaft bereit ist, solch einem brodelnden Typen ohne vernünftiges Schuhwerk über Stock und Stein durch endlos karge Landschaften zu folgen, muss an seiner Vision ja etwas dran sein! Jedenfalls umgibt von Nazareth hier nicht die liebliche Aura von Güte und Nachsicht, mit der er unter anderem bei Andrew Lloyd Webber zum Superstar wurde.

Rooney Mara erfüllt als Maria in dem ihr vorgegebenen Rahmen einen ausgezeichneten Job – hätte das Drehbuch mehr charakterlichen Spielraum zugelassen, gewiss hätte sie die Darstellung der mythenumrankten Figur auf eine andere Ebene heben können. Die Besetzung vom französischen Tahar Rahim, als stets liebenswürdig dreinblickender Judas, ist ein kleines innovatives Highlight wider des trübsinnigen Ernstes der Erzählung.

Maria Magdalena ist ein atmosphärischer, etwas zu sehr ins Seichte flüchtender Film, der bedauernswerter Weise mit einer der Ästhetik übergeordneten Ehrfurcht gedreht wurde. Gnadenlos gute Schauspieler machen jedoch einige unvorteilhafte Ansätze der Produktion wieder wett.

 

– Julian Gerhard

 

„MARIA MAGDALENA“ (Regie: Garth Davis)| Kinostart: 15. März 2018

„Maria Magdalena“ Trailer