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Flying Lotus – You’re Dead! (Kritik)

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In einer Flying Lotus Rezension das Wort „Jazz“ zu benutzen ist mittlerweile in etwa so abgetakelt wie eine handelsübliche Till Brönner CD. Klar, am Anfang durfte man noch applaudieren und erstaunt aufhorchen, als der Großneffe von Alice Coltrane vom kleinen Beatbastler zum großen Elektrokünstler avancierte und sich dabei auch jazzigen Stilmitteln bediente. Doch mittlerweile sollte ja nun wirklich jeder darüber Bescheid wissen was für ein schlaues, Genre – sprengendes Bürchschen der kleine Steven Ellison ist, oder?

Im Falle von „You’re Dead!“ kommt man tatsächlich nicht drumherum, das Wörtchen Jazz mehrmals sehr erstaunt in den Mund zu nehmen. Die ersten paar Minuten überrumpeln den Hörer so massiv und irritieren nachhaltig: hat man hier aus Versehen Opas alte Miles Davis Platte aufgelegt? Nein, die nervösen Trompeten, das knackige Schlagzeug, die Fusion Gitarren und ein eskalierendes Saxophon: all das hat Ellison sich selbst ausgedacht um den Hörer willkommen zu heißen auf einer Reise in das Reich der Toten. Das programmatisch betitelte „Theme“ zieht den Hörer unvermittelt in diesen faszinierenden Klangkosmos hinein mit nervös vibrierenden Rhythmen. Es mutet beinahe schon ironisch an, dass Jazz auf diesem Album über die Vergänglichkeit eine große Rolle spielt, doch mit einem augenzwinkernden Einsatz des Genres gibt sich Flying Lotus nicht zufrieden. Er spielt Jazz so lebendig und aufregend wie lange nicht mehr irgendwer – einschließlich der Ikone Herbie Hancock, der auf gleich zwei Stücken sein Tastenspiel einbringt.

Nun sollte man sich natürlich nicht vollends blenden lassen – auch für alles andere was man an Ellsions Musik so schätzt ist jede Menge Platz auf „You’re Dead!“. Gerade Rap spielt im Vergleich zu den Vorgängern wieder eine größere Rolle, nicht zuletzt natürlich durch die Gastauftritte von Kendrick Lamar und Snoop Dogg sowie zwei Auftritte von Ellisons Alter Ego Captain Murphy. Snoop fügt sich routiniert wie immer in die passend entspannte Umgebung ein, während Lamar zusehends gewohnt aufgekratzt die Losung des Albums ausgeben darf: „You will never catch me!“.

Tatsächlich ist Flying Lotus mit „You’re Dead!“ seinen Kollegen wieder mal ein paar Schritte voraus. Wie er sich gleichzeitig permanent weiterentwickelt, dabei aber eben auch einen aufregend markanten Trademarksound geprägt hat ist alleine schon beachtlich genug. Noch dazu ist „You’re Dead!“ aber einfach auch ein verdammt spannendes Album geworden, welches das vorgegebene Thema optimal umsetzt. Von den blitzschnellen Eruptionen zu Beginn über den elegischen Mittelteil bis hin zu Parts, die auch in einem David Lynch Film funktionieren würden ist alles dabei. Eine neue Perle im Å’uvre des virtuosen Produzenten.

„You’re Dead!“, das fünfte Album des Produzenten Flying Lotus, erscheint in Deutschland (theoretisch) am heutigen 3. Oktober. Schaut euch hier noch mal das Video zu „Never Catch Me“ mit Kendrick Lamar an.

Sebastian
Sebastian stammt aus Saarbrücken, lebt und studiert gerade aber in Münster. Konzerte besucht und Musik hört er dort ebenfalls, wovon gelegentlich hier zu lesen ist: http://mordopolus.tumblr.com/

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