Start Film & TV Filmkritik: Lommbock - Der kleine ich-bin-nie-zufrieden-Mann ist zurück

Filmkritik: Lommbock – Der kleine ich-bin-nie-zufrieden-Mann ist zurück

Endlich wird wieder gekifft (Foto: Wild Bunch)

Was habe ich mich vor dem Film gefürchtet: nach mehreren, meiner Meinung nach unzufriedenstellenden und flachen Trailern, musste ich mit dem Schlimmsten rechnen. Generell war die Ankündigung der Lammbock Fortsetzung zunächst mit einem „Ne! Wie gut!“ verbunden, um dann direkt umzuschlagen in ein „Oh Gott, das kann so richtig in die Hose gehen. Bitte bitte macht mir Lammbock nicht kaputt.“ Filmfortsetzungen nach mehr als einem Jahrzehnt, haben das so an sich.

Dementsprechend begleitete mich ein mulmiges Gefühl beim Kinogang, denn ich bin einer dieser Lammbock-Fans, die den Film unzählige Male gesehen haben und keine Chance auslassen, Kai oder Stefan zu rezitieren. Was wird geschehen? Ist Stefan doch noch Jurist geworden? Wie geht es Frank und Schöngeist? Gibt es wieder einen guten Soundtrack? Und was ist eigentlich aus Achim geworden? Man, man, man Achim“¦

Nach den ersten 10 Minuten war die Angst verflogen und Vorfreude auf die restlichen Filmminuten machte sich breit. Lucas Gregorowicz und Moritz Bleibtreu gaben endlich wieder die zwei Gourmetkiffer zum Besten. An Gregorowicz musste man sich erst gewöhnen, erschien sein Schauspiel in den ersten Szenen doch eher verkrampft und unauthentisch – oder war mir das vorher nur nicht aufgefallen? Im Duett mit Bleibtreu änderte sich das: man möchte glauben, dass die Beiden keine Rolle spielen, sondern nur sich selbst im wahren Leben.

Das ist wie im Leben. Das ist das, was Lammbock eigentlich ausmacht. Das ist der Quatsch zwischen uns beiden, der Spaß, den wir beide haben. (Moritz Bleibtreu im Testspiel.de Interview)

Wie man in den Trailern und im Web bereits vor einer Weile lesen konnte, ist Stefan (Lucas Gregorowicz) jetzt irgendwo in Dubai, finanzstark und braungebrannt. Kai (Moritz Bleibtreu) ist in der Heimat geblieben, aber hat seine kleine Familie in Würzburg. Beide sind, 16 Jahre nach dem ersten Geniestreich, seriöser geworden – zumindest dem ersten Anschein nach. Denn wie wir alle wissen, erschaffen sich die zwei ihre mittelgroßen bis großen Katastrophen schneller als man „Äugeln“ sagen kann. Und hier liegt das kleine Manko des Films. Lammbock konzentrierte sich vor allem auf die Kaskade der Plantagenproblematik, die schlussendlich zum großen Debakel mit einem gehirnmassakrierten Polizisten führt. Die anderen Handlungstränge liefen nebenher. In Lommbock sehen wir generell mehr und dabei ähnlich wichtige Abenteuer der Protagonisten. Vielleicht deshalb, weil sie nötig sind um den anderen Chaoten aus Lammbock ihren Auftritt zu ermöglichen. Dadurch fehlt es leider an Tiefe. Die wunderbaren pseudointellektuellen Sprüche und Diskussionen bleiben nicht aus, aber es gibt auch (zu) viele Gags, die dann eben doch nur das eine sind: flacher Slapstick, beispielsweise was aus Frank geworden ist. Doch das ist durch die gewohnt küchenphilosophischen Kiffergespräche direkt wieder vergessen. Vor allem Kais zwanghafte Versuche, sich seinem Stiefsohn Jonathan (großartig gespielt von Louis Hofmann) anzunähern, indem er probiert up-to-date im Slang zu kommunizieren, stechen hervor. Höchstwahrscheinlich befindet sich der ein oder andere Lammbock Fan in ähnlichen Situationen und kann das Ganze nur zu gut nachempfinden. Kai und Stefan sind nicht die altgewordenen Kiffer, die sich in Erinnerungen schwelgen. Sie probieren – jeder auf seine Art jugendlich-naiv – am Puls der Zeit zu bleiben und schlagen kein „Gummi“ ab, um sich dann dem nächsten Kultgespräch zu widmen. So holt der Film die mitgealterten ZuschauerInnen ab und ist gleichzeitig unterhaltsam für die, die das Original nicht kennen.

Regisseur Christian Zübert hat es gemeinsam mit Bleibtreu und Gregorowicz geschafft, dem Kultfilm Lammbock neues Leben einzuhauchen. Und irgendwie fühlt es sich an, wie ein Wiedersehen mit alten Freunden. Neben Kai und Stefan treffen wir natürlich auch den ein oder anderen Sidekick aus Lammbock wieder. Und die machen ihre Sache überwiegend sehr gut. Doch es gibt auch überzeugende Neuzugänge, wie „3 Jahre Bau“, gespielt von Dar Salim, der sich nahtlos in den Film einfügt. Lommbock schafft es selbst Hardcore-Fans des Originals positiv zu überraschen und das ein oder andere Wort aus dem Film direkt ins Vokabular zu übernehmen. Aus Spoiler-Gründen erwähne ich hier nichts. Kais und Stefans kleine Katastrophen und ihre irrwitzigen Wege zur Lösung machen Spaß und die Pointe kommt jedes Mal auf die Bong den Gong. Lommbock ist ein amüsanter Film mit teils tiefschwarzem bis makabrem Humor, vor allem in Verweisen zum Original. Etwas weniger Handlungsstränge hätten dem Film gut getan, aber alles in allem ist die Fortsetzung des Kults gelungen.

Was Äugeln (oder Eugeln?) heißt, weiß ich aber immernoch nicht.

8/10

Kinostart von Lommbock ist am 23. März 2017.

Roman
Geboren im Ruhrgebeat und nach 6 Jahren Ausland, hat Roman 2013 Berlin zu seiner Wahlheimat gemacht. Neben der täglichen, leidenschaftlichen Suche nach neuer, guter Musik (fast) aller Genres, ist er Wissenschaftler.

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