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Doku: Kalter Krieg der Konzerte

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Arte hat gestern zum Jahrestag des Mauerfalls die Dokumentation „Kalter Krieg der Konzerte“ gezeigt. Die 52 Minuten lange Doku blickt zurück auf den Konzertsommer 88 in dem einige Superstars wie Depeche Mode, Bruce Springsteen oder James Brown im Ost-Berlin aufgetreten sind und sich Konzertveranstalter bei der Staatsmacht durchsetzten.

Video „Kalter Krieg der Konzerte“

Arte Snip:

Superstar-Konzerte in Ost-Berlin? Im Jahr vor dem Fall der Mauer ein kaum denkbares Szenario für viele ostdeutsche Rock- und Pop-Fans. Doch plötzlich geben sich innerhalb weniger Monate die Top-Stars der Musikszene die Klinke in die Hand. Depeche Mode und Bryan Adams, Joe Cocker und James Brown – sie alle spielen zwischen März und Juli 1988 vor Hunderttausenden begeisterten Zuschauern in der DDR.

Bruce Springsteen und die E Street Band geben am 19. Juli 1988 sogar ihr bis dato größtes Solo-Konzert: vor über 160.000 Menschen auf der Radrennbahn Weißensee. Wer bei den historischen Konzerten dabei war, erinnert sich auch heute noch mit Gänsehaut daran, wie die lang herbeigesehnten Stars einen Abend lang zum Greifen nah erschienen.

Um Größen vom Schlag eines Bruce Springsteen bei der Staatsmacht durchzusetzen, greifen die Organisatoren und Veranstalter auf abenteuerliche Manöver zurück. Das Konzert des „Boss“ bekommt – ohne vorherige Absprache – das Motto „Ein Herz für Nicaragua“ verpasst. Depeche Mode sollen zum Geburtstag der FDJ spielen. Und im Juni 1988 treten Bryan Adams und James Brown „Für atomwaffenfreie Zonen“ und „Gegen Apartheid“ auf, während – nur wenige Kilometer entfernt, am West-Berliner Reichstag – Pink Floyd und Michael Jackson attraktive Parallelkonzerte bieten. So wird der Sommer, in dem die Superstars den Osten rockten, auch zum Schauplatz eines „Kalten Krieges der Konzerte“. Die Publikumslieblinge und ihre Entourage reagieren auf ihre Weise: Bruce Springsteen verliest eine auf Deutsch verfasste Rede, „in der Hoffnung, dass eines Tages alle Barrieren fallen werden“. Und die Crew von Depeche Mode unterläuft trickreich die Kartenvergabe für das heiß begehrte Konzert in der Werner-Seelenbinder-Halle, für das ergebene Fans sogar bereit sind, einen Trabant im Tausch gegen ein Ticket herzugeben. Die Dokumentation blickt zurück auf einen atemberaubenden, einzigartigen, bisweilen auch skurrilen Konzertsommer, der für immer einen Platz in den Herzen der Fans haben wird.

Bild: Arte