Start Kritiken Die 100 besten Songs 2017 💯

Die 100 besten Songs 2017 💯

10. (Sandy) Alex G – Bobby

(Sandy) Alex G, seit Jahren von Kritikern und Musikerkollegen als Hype verehrt, findet langsam auch auf Anklang in der Indie Szene. Das Album „Rocket“ war da mit Sicherheit auch ausschlaggebend. Darauf wird die gesamte musikalische Bandbreite des jungen Amerikaners abgebildet und eben auch ein Übertrack namens „Bobby“. Herzzerreissend.

9. Kelela – LMK

Für Kelela geht ein wunderbares Jahr zu Ende. Sie konnte all ihre Mitbewerberinnen um die Vorherrschaft im Alternative RnB in ihre Schranken weisen und mit „Take Me Apart“ ein Ausrufezeichen setzen, dass auch über die Genregrenzen hinweg gehört wurde. „LMK“ stellt den absoluten Höhepunkt der Platte dar.

8. Kendrick Lamar – HUMBLE.

Über die popkulturelle Bedeutung von Kendrick Lamar muss man nicht mehr sprechen. Ob „HUMBLE.“ nun tatsächlich sein größter Wurf 2017 war, ist dagegen umstritten. „DNA.“, „FEAR.“ und „ELEMENT.“ sind da natürlich zu erwähnen, aber wenn sich der Autor dieser Zeilen festlegen muss (und das muss er), fällt die Wahl letztlich doch eindeutig auf „HUMBLE.“

7. Brockhampton – Follow

Der Track „Follow“ ist noch nicht auf Spotify. Deshalb ist „Sweet“ der vorübergehende Platzhalter in der Playlist.

3 Alben in einem Jahr! Brockhampton wollen möglichst schnell möglichst viel Wind machen. Und das gelingt. Die Wundermittel heißen Selbstverständnis als Boyband, Selbstverständnis als Unternehmen, künstlerische Integrität und gigantische Produktivität. Gewürzt mit guten Musikvideos mausert sich das Kollektiv zum spannendsten Act des Jahres.

6. UNKLE feat. Mark Lanegan & ESKA – Looking for the Rain

Für UNKLE gehören Featurings zur Essenz. Dass Mark Lanegan von den Screaming Trees sich für eine Stimmenleihgabe so gut eignen würde, hätten wir nicht gedacht, obwohl er bereits 2010 auf dem letzten Track von „Where Did The Night Fall“ vertreten war. „Looking for the Rain“ verbindet Elemente, die quasi organisch zusammengehören, verzichtet aber auf dem typischen TripHop-Sound. Ziemlich erwachsen.

5. Show Me The Body – Trash

Show Me The Body sind politisch, laut und erbarmungslos konsequent. Als sie zum Beispiel beim Coachella überraschend auf dem Line-Up zu finden waren, ließen sie kurzum verlauten, dass sie einem Auftritt nie zugestimmt hätten und es auch niemals tun werden, da einer der großen Investoren des Festivals nebenbei auch ein homophobes Arschloch sei, das auch noch den Klimawandel leugnet. Normalerweise werden solche Angelegenheiten hinter verschlossenen Türen geregelt, doch SMTB zwangen das Coachella letztlich in die Knie und spielten nicht einen, sondern drei Auftritte und spendeten das Geld an eine LGBTQ-Jugendschutzorganisation und eine kalifornische Umweltschutzorganisation.

Dass SMTB aber auch auf Platte stark sind, zeigt „Corpus I“ mit allerhand herausragenden Songs wie „Hungry“, „Spit“ oder „In A Grave“. Dass es dabei etwas düster zur Sache geht ist dem Genremix zu verdanken. Sie aber, wie es gemeinhin üblich ist, als Hardcore zu labeln ist nicht nur journalistisch fahrlässig, sondern wird der musikalischen Feingeistigkeit der Band nicht gerecht. Ja, sie sind laut, aber trotzdem darf man etwas genauer hinhören und wird Elemente von Sludge, Doom, Rap, Noise und Punk heraushören.

4. Beach Fossils – Saint Ivy

Dass dem Projekt Beach Fossils von Dustin Payseur ein herausragendes Songwriting zugrunde liegt, wissen wir spätestens seit dem Album „Clash The Truth“ (2013). Mit dem Nachfolger, der dieses Jahr erschien noch eins drauf gesetzt werden könnte war nicht zu vermuten. Die Songs, so gut sie waren, klangen schließlich alle gleich oder zumindest verdammt ähnlich. Auf „Somersault“ gewann der Sound nicht an Energie, sondern an Raffinesse. Bestes Beispiel ist der unglaubliche Song „Saint Ivy“ in dem quasi mühelos neue musikalische Türen geöffnet werden.

3. Haim – Want You Back

Wir haben ihre Musik als „H&M-Pop-Folk“ bezeichnet, doch müssen eingestehen, dass wohl keine andere Band den zeitgeistlichen Geschmack so gut trifft wie Haim. Die drei Schwestern, die schon seit ihrer frühen Kindheit miteinander musizieren wirken echt und aufrichtig. Hinzu kommt noch, dass ihre Songs durchaus ins Ohr gehen. „Want You Back“ mischt Folk, Funk und Indiepop und erinnert damit nicht nur thematisch an den nahezu gleichnamigen Track von Jackson 5. Damit schlagen sie mit den Mitteln von 2017 einen Bogen in die Vergangenheit ohne so grässlich retro zu sein, wie viele Vorgänger, die sich an einem solchen Genremix versucht haben. Back to the future.

2. Yung Lean – Red Bottom Sky

Der Hype um den jungen (*1996) Schweden ist gottseidank abgeklungen und man sich endlich einigermaßen objektiv mit der Musik von Yung Lean auseinander setzen. Wenn man das dann tut, muss man neidlos eingestehen: Der Junge hat was auf dem Kasten und liefert mit „Red Bottom Sky“ einen phänomenalen Hit ab. Endlich macht Autotune wieder Sinn!

1. Cardi B – Bodak Yellow

Cardi B hat uns 2017 geradezu überrollt. Und das ist nur gelinde gesagt, denn hierzulande war ganz und gar nicht mit ihr zu rechnen. Sie hatte zwar schon einige Gastauftritte und Featurings und trat in der Reality-Show „Love & Hip Hop: New York“ auf, doch eine Bekanntheit, die sich auch auf musikalische Qualität bezieht, war nicht abzusehen. Dann die Veröffentlichung von dem Hammertrack „Bodak Yellow“ und die gesamte Rezeption verändert sich.

Bleibt nur noch Cardi B Doppel-Platin zu wünschen und sich mit einer Doppelplättitüde vom schwindenden Jahr zu verabschieden. Denn am rasanten Aufstieg der Amerikanerin kann man sehen: So schnell kann es gehen und das ist auch gut so.