
Das Tiny Desk Concert von De La Soul ist mehr als ein nostalgischer Rückblick – es ist ein Neuanfang mit Geschichte im Gepäck.
Als DJ Maseo dem Publikum mit einem Augenzwinkern zuruft: „Ladies and gentlemen, we’re a new group called De La Soul“, ist das natürlich ein Witz. Und doch steckt Wahrheit darin. Eine der einflussreichsten Crews der Hip-Hop-Historie steht heute an einem anderen Punkt: Rollen wurden neu verteilt, der Fokus verschoben, die Dynamik neu justiert. Die „Plugs“ wirken tatsächlich wie neu formiert – gereift, reflektiert, aber immer noch mit diesem unverkennbaren Humor, der sie seit jeher auszeichnet.
Der Anlass ist gleich mehrfach besonders: Gefeiert werden das neue Album „Cabin in the Sky“ sowie drei Jahre, in denen der De-La-Katalog endlich wieder in den Händen der Mitglieder liegt. Dass das Konzert am 3. März erscheint – offiziell De La Soul Day – unterstreicht die Symbolkraft zusätzlich.
Und doch liegt über allem eine bittersüße Note. David Jolicoeur, besser bekannt als Trugoy the Dove bzw. Plug Two, fehlt. Sein Tod im Jahr 2023 – nur wenige Wochen bevor die Musik der Gruppe nach jahrzehntelangem Rechtsstreit endlich auf den Streamingplattformen verfügbar wurde – markiert eine schmerzhafte Zäsur. Pos und Maseo sprechen im Vorfeld offen darüber, was Dave kreativ gutgeheißen hätte und wo seine Handschrift unersetzlich bleibt. Gleichzeitig zeigen sie sich offen für neue Wege, um sein Vermächtnis zu ehren.
Das Set spiegelt genau diese Balance wider: Klassiker wie „Stakes Is High“ und „Breakadawn“ treffen auf Highlights aus „Cabin in the Sky“. Die Arrangements sind organisch, warm und reduziert – perfekt für die intime Atmosphäre am Schreibtisch von NPR. Statt großer Gesten gibt es Feinfühligkeit, Groove und die tiefe Verbundenheit zweier Künstler, die wissen, was sie verloren haben – und was sie weitertragen müssen.
Dieses Tiny Desk ist kein reines Tribute-Set und kein simples Promo-Konzert. Es ist eine Standortbestimmung. De La Soul klingen nicht wie eine Legacy-Act-Band, die ihre Vergangenheit verwaltet, sondern wie eine Gruppe, die trotz allem noch etwas zu sagen hat. Neu – und doch zeitlos.
Setlist:
„YUHDONTSTOP“
„Will Be“
„Much More“
„Stakes is High“
„Sunny Storms“
„Different World“
„Breakadawn“
„Pony Ride“
„A Quick 16 for Mama“
„Me Myself and I“